Von Wolfgang Ebert

Es ist jetzt Anfang Januar, die gefährlichste Zeit des Jahres, obwohl mancher meint, nun sei die Gefahr vorüber. Als ob nicht selbst jetzt noch ein Weihnachtsgeschenk, als Zeitzünder sozusagen, aus Neuseeland eintreffen könnte, das sich verspätet hatte, weil auch dort die Post, vom Weihnachtsverkehr offenbar völlig überrascht, einfach zusammengebrochen ist.

Immerhin, die bedrohlichsten Tage sind vorüber, da man fast stündlich mit Geschenk-Geschossen, von Bekannten aus dem Hinterhalt abgefeuert, die man selbst nicht bedacht hatte, rechnen konnte.

Natürlich habe ich grundsätzlich nichts dagegen, meinen Haushalt oder mein Bücherregal durch Geschenke ergänzt zu bekommen. Der Haken dabei ist nur, daß man sich irgendwie verpflichtet fühlt, die Schenker ihrerseits zu beschenken. Soweit ich die Lage übersehen kann, werden Geschenke meist nur gemacht, um selber welche zu erhalten, und zwar möglichst wertvollere, oder um den anderen zuvorzukommen. Und schließlich, um Bekannte nicht nur in Verlegenheit zu versetzen, sondern ihnen womöglich gar Schuldgefühle einzuflößen.

Bei dieser Methode ist der Augenblick der Überrumpelung entscheidend. Das Geschenk muß beim ahnungslosen Opfer möglichst so am Heiligen Abend eintreffen, daß ihm keine Gegenwehr möglich ist.

Natürlich kann, man sich mit besonders bedrohlichen Gegnern darauf einigen, miteinander waffenlos, also ohne sich zu beschenken, zu koexistieren. Dabei wird man aber sehr oft von Vertragsbrüchigen übel hereingelegt.

Von solchen rüden Methoden möchte ich mich distanzieren. Ich denke überhaupt nicht daran, mir schon vor Weihnachten den Kopf darüber zu zerbrechen, mit welchen Geschenken ich meine Freunde in panikartige Verlegenheit bringen könnte. Das hat bis nach den Feiertagen Zeit; wenn sich die Kampflage einigermaßen überblicken läßt.