Rüdiger Altmann vertritt eine Auf fassung, die mir um so problematischer wird, je länger ich damit zu tun habe. Der Pferdefuß schaut aus dem zweitletzten Absatz: An Kultur haben wir eh’ nicht viel zu bieten – also machen wir’s durch Verwaltung.

Ich habe keine Zweifel, daß es dem Politiker naheliegen muß, so zu denken. Ich denke da anders.

Auf eine Kurzformel gebracht: Allem Kulturellen ist nur durch geförderte Forcierung der Privatinitiative zu helfen. Ein Bundesministerium täte das Gegenteil. Die meisten seiner legitimen Aufgaben haben sich Innenministerium, Postministerium, Atomministerium, Verteidigungsministerium, Auswärtiges Amt zugeeignet – und wo hätte es je ein Ministerium gegeben, das einen Teil seiner Kompetenzen freiwillig wieder aufgibt! Also wird sich so ein Ministerium neue Kompetenzen suchen – wo sollen die herkommen?

Da wird die schwächste Stelle angezapft – die Privatinitiative. Institutionen wie Forschungsgemeinschaft und Max-Planck-Institute kranken jetzt schon an zu vielen Amtsschimmeln. Werden es weniger, wenn man sie einem Ministerium unterstellt?

Es ist ja einfach nicht wahr, daß es an Beratung, Höhenforschung, Tiefgangforschung, Statistik, Verwaltung fehle. Es ist jetzt schon alles überorganisiert. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates sind vorzüglich – nur werden sie nicht in die Wirklichkeit umgesetzt. Dabei könnte ein Bundesministerium, das, verfassungsgemäß, keine exekutive Gewalt hat, nichts, aber auch gar nichts beitragen.

Das deutsche Erziehungs- oder "Kulturwesen" krankt, das sollte man doch mal klar sehen, an dreierlei: am Klüngel der vielerlei Interessengruppen; am Mangel an Geld und am Mangel an ausreichend überdurchschnittlich guten Leuten. Und da sollte ein Bundesministerium Abhilfe schaffen können?

In den Ländern ist der Kultusminister noch immer ein großer, bedeutender Mann (da er ja als beinahe einziger wirklich etwas zu sagen hat). Im Bundeskabinett wäre der Kultusminister eine Null – es sei denn, wir könnten auf einen neuen Humboldt hoffen. Wer wäre verwegen genug?

Rudolf Walter Leonhardt