FÜR alle, die einst mit Ernst Jünger meinten, „der Jude kann überhaupt in nichts, was das deutsche Leben anbetrifft, weder im Guten noch im Bösen, eine schöpferische Rolle spielen“; und für jene, die ihre gegenteilige Auffassung gern im einzelnen bestätigt finden:

„Porträts deutsch-jüdischer Geistesgeschichte“, herausgegeben von Thilo Koch; DuMont Dokumente, Verlag M. DuMont Schauberg, Köln; 281 S., 11,80 DM.

ES ENTHÄLT (zwischen einem Vorwort von Thilo Koch und einem – besonders empfehlenswerten Nachwort von Max Horkheimer) zehn Essays, und zwar über Moses Mendelssohn (von Paul Schallück), Heinrich Heine (von Rudolf Walter Leonhardt), Karl Marx (von Heinrich Böll), Max Liebermann (von Wolfgang Koeppen), den „deutschen Idealismus der jüdischen Philosophie“ (von Jürgen Habermas), Gustav Mahler und Arnold Schönberg (von Joachim Kaiser), Rathenau (von Rudolf Hagel-Stange), Kafka (von Walter Jens), die Berliner Kritik (von Walther Kiaulehn) und Sigmund Freud (von Alexander Mitscherlich).

ES GEFÄLLT, weil hier zehn hervorragende Schriftsteller und Publizisten, die sich alle ihrem Gegenstand verpflichtet wissen, behutsam und ohne die Gefahren eines umgekehrten, „positiven“ Rassismus zu verkennen, an der Leistung einzelner großer deutscher Juden nicht nur nachweisen, wie groß der jüdische Anteil an der deutschen Kultur war, bis der faschistische Antisemitismus zu seinen Gewalt„lösungen“ schritt, sondern auch, wie sich letztlich untrennbar Jüdisches und Deutsches in diesen Lebenswerken durchdringen. Ein Buch, die Unbelehrbaren wenigstens ins Unrecht zu setzen und die anderen zu erinnern, was – über die physische Vernichtung hinaus – vielleicht für immer zuschanden wurde. a. e.