DIE ZEIT

Ben Khedda sagt Nein

Ein Kommuniqué von beflissener Höflichkeit krönte in der vergangenen Woche die Konferenz der FLN-Führer in Rabat, die eine längere Periode sogenannter „Geheimverhandlungen“ zum Abschluß brachte.

Blick nach Europa

Die Atlantische Gemeinschaft sei wie eine Koralleninsel, die langsam durch das Zusammenwirken aller wächst, sagte Präsident Kennedy.

Dank den Europäern

Oft scheint es so, als ob heutzutage Ereignisse und nicht Menschen die Gegenwart gestalten oder, anders ausgedrückt, als hätten die Regierungen immerfort alle Hände voll damit zu tun, auf bereits eingetretene Ereignisse, faits accomplis, Katastrophen zu reagieren, so daß eigentlich niemand mehr dazu kommt, in Ruhe die Zukunft voraus zu planen und dann zu agieren.

Die Mär vom Doppelspiel

Willy Brandt, so hieß es in diesen Tagen, habe eine sowjetische Einladung zu bilateraler Gesprächen erhalten. Die New York Herald Tribüne hatte die Behauptung aufgestellt, bundesrepublikanische Journalisten, die bei der sowjetischen Botschaft Unter den Linden zu Gast waren hätten als Zwischenträger agiert.

Zeitspiegel

Auf der Chase-Manhattan-Bank in New York war der monatliche Scheck für die laotische Regierung in Höhe von 4 Millionen Dollar vor kurzem vom State Departement gesperrt worden.

Ein Denkmal zwar, doch nicht geehrt

Die Nachricht, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow werde wieder auf seinen Posten bei der Internationalen Atomenergiebehörde zurückkehren, hat das Interesse von neuem auf jenen sowjetischen Politiker konzentriert, der heute mehr als jeder andere die Geschichte des Sowjetkommunismus verkörpert.

Italienische Flugplatz-Affäre

Der Skandal um den neuen Flugplatz von Rom bei Fiumicino, die mit dessen Bau verknüpfte beispiellose Verschwendung von Steuergeldern durch einige Ministerien – diese Affäre, die seit Anfang Januar die Aufmerksamkeit aller Italiener auf sich zieht, ist eine politische Tragödie.

Niemand wagt sich an die Steuerreform

Unser jetziges Steuersystem – das gilt in erster Linie für die Einkommen- und Umsatzsteuer – beruht auf den gesetzlichen Regelungen des Jahres 1920.

Der neue Fernseh-Kanal

Am 6. Februar wird sich der Fernsehrat des Zweiten Fernsehens in Mainz konstituieren. Er ist mit 66 Mitgliedern vollzählig – nachdem auch die Bundesregierung schließlich ihre drei Vertreter nominiert hat.

Gizengas Ende?

Der 37jährige Antoine Gizenga, Chef der Provinzialregierung von Orientale in Stanleyville, schien bislang über eine beträchtliche politische Hausmacht zu verfügen.

Reformen von links – Segen von rechts

Der „linke“ oder „Arbeitnehmer“-Flügel der CDU/CSU ist in das vierte Kabinett Adenauer zwar mit gerefften Segeln, aber mit stolz wehender schwarz-roter Fahne hineingegangen.

Richard Schmid antwortet

Zu 1: Ich habe gesagt: Der Bundesanwalt hat in zahlreichen Fällen wegen Tätigkeit für die KPD vor dem Verbot angeklagt; der Bundesgerichtshof hat verurteilt.

Zur politischen Justiz

Der Aufsatz „Kritisches zu unserer politischen Justiz“, den Richard Schmid vor kurzem in der ZEIT veröffentlichte, hat in der interessierten Öffentlichkeit große Beachtung gefunden.

Berlin: Der Fall Dr. Röhrig

Für die Studenten der Forstlichen Akademie in Hannoversch-Münden fallen seit fünf Wochen die Vorlesungen des Privatdozenten Dr.

Hessen: Ein Pfarrer schweigt

Westdeutschlands Taxifahrer starteten im Oktober vergangenen Jahres zu einer Sternfahrt nach Frankfurt am Main. Diese Demonstration galt der Beerdigung ihres Kollegen Franz Lieb.

Bremen: Klingeln gehört zum Geschäft

Ein ungewöhnlicher und trotz seiner geringfügigen Dimensionen bemerkenswerter „Fall“ stand jetzt beim Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Bremen zur Debatte: Ist es ein strafwürdiges Vergehen, wenn ein Gemüsehändler, der tagaus, tagein mit einem fahrbaren Verkaufsstand durch die Straßen zieht und prospektive Kunden mit munterem Glockenschlag auf sein Kommen aufmerksam macht? Die höchsten bremischen Richter kamen nach eingehender Überlegung zu dem Schluß: Derartige Geschäftspraktiken sind nicht zu beanstanden, sofern maßvoll „gebimmelt“ wird.

Kann Blütenduft Gewitter auslösen?

Vor einigen Jahren unternahm der Botaniker Dr. Fritz W. Went eine Wanderung durch die Alpen. Dabei machte er eine Entdeckung, die den Anstoß zu einer revolutionierenden Theorie gab.

Richtung Zukunft

In die Form einer höflichen Danksagung haben Doktor F. H. C. Crick und seine Mitarbeiter, denen mit der Entzifferung des genetischen „Code“ kürzlich eine der wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen des Jahrhunderts gelang, einen Notschrei gekleidet.

ZEIT-Zünder

Mit der Durchführung eines eigenartigen Projekts beschäftigt sich gegenwärtig die Abteilung für Sprachkunde der Universität von Pennsylvania in Philadelphia.

Gold rollt aus Onkel Sams Tasche

Das Gold und der Dollar sind fest aneinander gebunden. Die Preisbewegungen des Edelmetalls werden deshalb stark vom Dollarwert mitbestimmt.

Kleiner Kunstkalender

41 Bronzen aus den Jahren 1945 bis 1961 sowie Zeichnungen von Gustav Seitz sind in der Kieler Kunsthalle bis zum 11. Februar ausgestellt.

Musik, um Millionen gefügig zu machen?

Die moderne Musik-Ideologie bestreitet, daß es der Sinn und die Bestimmung der Tonkunst sei, den Menschen – wie dies nicht nur der romantischen, sondern schlechthin jeder bisherigen Musikauffassung als selbstverständlich galt – ein ästhetisches Vergnügen, ein seelisches Erlebnis, einen geistigen Gewinn, jedenfalls eine Bereicherung des Lebensgefühls um den Besitz vitaler und spiritueller Werte zu vermitteln.

Zeitmosaik

Obwohl die Würfel schon gefallen sind – wie bekannt, kündigte Dr. Gerhard Szczesny, der Leiter des Sonderprogramms am Bayerischen Rundfunk, seinen Vertrag, nachdem Intendant Wallenreiter eine Sendung seiner Abteilung abgesetzt hatte – ließ es sich der Rundfunkrat nicht nehmen, Hermann Kestens Sonderprogrammsendung „War ich kein Zeuge?“ (vom 30.

Bildung in Eile

Als das Fernsehen die Augen und die Ohren zu erobern begann, jammerten die Untergangspropheten: das sei nun das endgültige Ende des Lesens.

Ich spioniere

Bevor er aus dem Bett stieg, wartete Charlie Stowe ab, bis seine Mutter angefangen hatte zu schnarchen. Auch dann noch ließ er äußerste Vorsicht walten und ging auf den Zehenspitzen zum Fenster.

Geheime Sachen

Wenn ich zur Zeit nachts keinen Schlaf finden kann, dann liegt das an unserem Botschafter in Moskau. Gepeinigt von Angst, sehe ich ihn im Geiste gerade einen seiner berühmten, geheimnisumwitterten Alleingänge in den Kreml unternehmen, wobei ihm seine alliierten Kollegen durch riesige Fernrohre argwöhnisch nachblicken, um anschließend diese Untat an die große Glocke zu hängen.

In einer Zeit wie dieser

Nie zuvor war so viel von Menschlichkeit die Rede, aber nie zuvor war der Mensch so sehr der Apparatur und den Organisationen ausgeliefert wie in unserem Jahrhundert – von Unmenschlichkeiten im Sinne physischer Grausamkeiten ganz zu schweigen.

Nachklänge der Romantik

Bekannter fast als sein dichterisches Werk ist sein von George Grosz gemaltes Porträt, das „Bildnis des Schriftstellers Max Herrmann-Neiße“, in der Kunsthalle Mannheim.

Sein Leben – lauter Wunder

Wer Max Tau kennt, kann ihn nur lieben; wer sein Wirken beobachtet; sein nun niedergeschlagenes Leben betrachtet, muß ihn verehren; seine bedingungslose, seine kindliche und zuweilen selbst erzväterliche Güte entwaffnete noch seine natürlichen Feinde, bis sie sich zu der entsetzlichen Partei zusammenschlössen.

Hüben und drüben: Stilistisches

Der Leiter der Kommission für Fragen der Kultur beim Politbüro des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands in der Deutschen Demokratischen Republik, Professor Alfred Kurella, zeigte sich in einem Interview, das er der Ostberliner Wochenzeitung Sonntag gewährt hat, nicht eben zufrieden mit den Künstlern und Schriftstellern des Arbeiter- und Bauernstaates.

Blanker Un-, Tief-, und Widersinn

Er findet dort so einiges, das sich einfach nicht beschreiben läßt. Weder beschreiben noch rezensieren. Der Rezensent sitzt mit verklärtem Antlitz und zerrissener Seele, von hektischem Gelächter geschüttelt, vor diesen zeichnerischen Ergüssen eines Genies der Groteske, des ebenbürtigen Kumpanen und Weggefährten James Thurbers, des jüngst verstorbenen, der ein Lehrmeister einer ganzen Generation von Groteskphilosophen einschließlich unseres famosen Paul Flora ist.

Er ist verdammt, zu hoffen

Nur durch eine einzige Tür verläßt man die Revolution, sie öffnet sich ins Nichts. Diese Behauptung, die man an mehreren Stellen der Romantrilogie „Wie eine Träne im Ozean“ von Manès Sperber (Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln, 1039 Seiten, 24,80 DM) finden kann, wird durch den Weg des Verfassers und die Existenz seines literarischen Werks überzeugend widerlegt.

Folklore und Moderne

– er ist das Zeugnis einer literarischen Entdeckung. In seinem Heimatland ist Vasko Popa natürlich längst kein Unbekannter mehr.

Mahnungen an Autofahrer

Über vierzehntausend Menschen starben in der Bundesrepublik im letzten Jahr als Opfer des Straßenverkehrs. In den Vereinigten Staaten laufen zehnmal so viele Autos, doch die Zahl der Verkehrstoten ist nicht dreimal so hoch.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT fünfzehn reichlich illustrierte Kapitel über die Erfindung der Lithographie, das Druckverfahren, die ersten lithographischen Anstalten in Europa, über Géricault, Delacroix, Goya, Daumier, Menzel, Toulouse-Lautrec als Lithographen, über die Farblithographie.

Eine Unart?

Nicht nur an dieser Stelle wurde Kritik an der sogenannten deutschen Gymnastik geübt, von der gesagt wurde, als Ableger des deutschen Ausdruckstanzes hinke sie dreißig Jahre hinter der Zeit her.

Expedition ins Senkrechte

Bei 30 Grad Kälte, von eisigen Stürmen umtobt, versuchte jetzt eine Vierer-Seilschaft die gefürchtete Nordwand des Matterhorns zu durchklettern.

Fernsehen

Der Brecht-Schüler Egon Monk, der Bertolt Brechts während der Emigration in Dänemark (1938/39) geschriebenes Schauspiel „Leben des Galilei“ für das Fernsehen (NDR) inszenierte, hatte sich eine schwierige Aufgabe gestellt: geschlagene zweieinhalb Stunden kontinuierlich Anschauungsmaterial zu liefern, das den (noch Undefinierten) Gesetzen des Bildschirms genügt – und dennoch den Text des Meisters bis in fast alle Einzelheiten zu respektieren.

Film

„Der Blick von der Brücke“ (Frankreich; Verleih: Ufa Film Hansa): Arthur Millers Melodram, auf dem dieser Film basiert, entfachte bei seiner Londoner Premiere einen Theaterskandal mittlerer Güte, weil da auf offener Szene ein Mann einen anderen auf den Mund küßte.

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