Würden Sie wieder Leistungssport treiben?

Ortega y Gasset hat einmal gesagt, daß der Sport der Bruder der Arbeit sei, was besonders uns ehemalige Leistungssportler aufhorchen ließ. Nachdenklich, aber vielleicht auch ein wenig voreilig zugleich, haben einige dann daran die Feststellung geknüpft: Wenn Sport schon Arbeit sei, dann sei Leistungssport, wie er sich uns heute in Training und Wettkampf darstellt, zweifellos der Bruder der Schwerstarbeit.

Ganz sicher sind mit Blick auf den höchsten sportlichen Erfolg Trainings- und Wettkampfbeanspruchungen der jungen Generation härter, konsequenter und kompromißloser als seinerzeit bei uns. Aber heute wie einst beruht die Entscheidung zu sportlichem Tun, zum Leistungsvergleich und harten Wettkampf auf völliger individueller Freiheit. Sich dem sportlichen Training und Wettkampf zu stellen, bleibt nach wie vor ein "Hobby" – eine höchst zweckfreie Angelegenheit –, auch wenn dabei der Schweiß stärker perlen mag als früher. Freude und Begeisterung erfüllen auch heute die trainierenden und kämpfenden Athleten; sie haben Spaß an der Sache. Und solange nach scharfem Training und bei härtesten Wettkämpfen die Leistungssportler noch lachend durchs Ziel gehen, wie wenn alles nur fröhliches Spiel gewesen wäre, bejahe ich auch heute noch diesen Leistungssport. Seine Faszination für den Aktiven liegt in der Freude und dem Frohsinn, in der Kameradschaft und in der Lust, sich mit Gleichgesinnten zu messen; im Gefühl vollkommener, ja überlegener zu sein. Warum sollten wir Leistungssportler früherer Zeiten am Ende anders gewesen sein als unsere Nachfolger?

Ganz ehrlich, wen von uns hat noch nicht die Frage bewegt, wo wir wohl damals mit unseren Leistungen gestanden hätten, wenn uns die inzwischen verbesserten modernen Trainingsmethoden schon bekannt gewesen wären? Ich bin gewiß, wir wären auch heute allesamt dabei!

Ist Leistungssport gesund?

Ob Leistungssport gesund ist,würde zunächst die Klärung der Frage erfordern, was überhaupt Gesundheit ist. Was früher während meiner eigenen Wettkampfzeit an Beanspruchung beim Training und in Wettkämpfen für mich selbst noch als gesund und zuträglich empfunden wurde, wäre vielleicht für einen anderen Sportler höchst ungesund und nachteilig gewesen. In gleichem Maße sollte man mit seinem Urteil vorsichtig sein, wenn man die heute zweifellos gesteigerten Anforderungen der Leistungssportler in Bausch und Bogen als ungesund verurteilt. Wie Herz, Kreislauf, Muskeln, Bänder, Sehnen und Gemüt sich den gesteigerten Anforderungen anzupassen vermögen, ihnen standhalten oder aber ob sie z. B. Spätschäden verursachen könnten – das bedarf wohl noch weiterer langjähriger Beobachtungen.

In den meisten Sportarten besitzen die Sportler selbst ein recht zuverlässiges Gefühl dafür, wann einer leistungssportlichen Beanspruchung Grenzen zu setzen sind. Wären es doch immer nur die Sportler selbst und die sie verantwortungsbewußt und fachkundig betreuenden Sportärzte, die diesem in den meisten Fällen untrüglichen Gefühl, gebunden an die sportärztliche Überprüfung, folgen könnten! Die Teilnahme an zu vielen Wettkämpfen aus Prestigegründen, eine Überbelastung durch zu hartes Training werden zumeist nur dann gefährlich, wenn unqualifizierte Vereinsfanatiker mit am Werk sind.