DIE ZEIT

Blick nach Westen

Lange Zeit hat sich das Ulbricht-Regime den Anschein gegeben, es wünsche die Wiedervereinigung unseres Landes durch einen Ausgleich herbeizuführen.

Preußens Erbe

Wenn uns je die Gunst der historischen Stunde die Möglichkeit zur Wiedervereinigung schenken sollte, dann werden wir sie nur nützen können, wenn etwas von dem Geist des Mannes erhalten bleibt, der einst diesem Volk ein Staatsbewußtsein gab und dessen Geburtstag sich in diesen Tagen zum 250.

Bonn bleibt skeptisch

In Bonner Regierungskreisen beobachtet man das Bemühen der Sowjets, das rasch verflackerte Interesse an dem anschrifts- und unterschriftslosen Memorandum aus Moskau von neuem zu entfachen, mit Skepsis und Reserve.

Gemeinsame Wehrpolitik

In der Wehrpolitik gibt es keine grundsätzlichen Gegensätze mehr zwischen den drei Parteien. Bei der Bundestagsdebatte über die Verlängerung des Grundwehrdienstes von 12 auf 18 Monate gab Fritz Erler zu erkennen, daß seine Partei für das Gesetz stimmen werde.

Zeitspiegel

Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft veröffentlicht eine Untersuchung über „das geistige Bild der Studenten“. Man erfährt daraus, daß 69 % der Studierenden eine Tageszeitung lesen, wobei die Frankfurter Allgemeine von der Mehrzahl bevorzugt wird (58 %), Die Welt von 49 %.

wer was....wo....warum...

Wird Persien der nächste Krisenherd an der Schnittfläche von Ost und West? Die inneren Verhältnisse schreien nach Reform, doch ist der Widerstand der alten Oberschicht von Großgrundbesitzern noch immer stark.

Deutschenhetze verkauft sich gut

Es ist ziemlich verblüffend. Ausgerechnet im Jahre 1962, auf dem Höhepunkt neuer sowjetischer Drohungen gegenüber Berlin, zu einem Zeitpunkt also, da die Einheit des Westens notwendiger ist denn je, verbreitet sich Unsicherheit: in Deutschland die Furcht, daß seine Verbündeten Berlin preisgeben könnten, bei den Verbündeten abermals das Unbehagen über die Verbrechen der Nazi-Ära und der Zweifel an der demokratischen Zuverlässigkeit des deutschen Bundesgenossen.

Das Auftreten der „Neuen Linken“

Professor Bahrdt irrt, wenn er annimmt, es sei in der Sozialdemokratischen Partei offenbar ein off offener Gegensatz zwischen Intellektuellen und Parteipolitikern ausgebrochen, und wenn er unterstellt, die Parteileitung habe sich des Vorwurfs östlicher Infiltration bedient, um Mitglieder loszuwerden, denen man aus anderen Gründen nicht wohlgesonnen sei.

Neue Widrigkeiten?

Stehen wir vor neuen Störungen im Berlin-Verkehr? Bereitet die Regierung der DDR technische Schwierigkeiten vor? Will sie auf diese Weise das schwebende und von den Sowjets zur Zeit nicht forcierte Berlin-Problem eigenmächtig in ihrem Sinne lösen? Mit diesen Erwägungen beschäftigen sich seit einigen Tagen die zuständigen Leute in Berlin und Bonn.

Nachspiel zur Kilb-Affäre

Die Ermittlungen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses in Düsseldorf über den Kilb-Prozeß nehmen einen für den Bonner Landgerichtspräsidenten Dr.

Amtliche Kinderstube

Die Hildegard Butzenhäuser, Angestellte einer Gemeindeverwaltung im Kreis Eßlingen, hat neulich ein amtliches Formular für mich ausgefüllt; der Max Breitnagel hat es unterzeichnet.

Berlin: Die Sprache der Zahlen

Die Selbstmordrate ist in Westberlin höher als sonstwo in der Welt. Die Weltgesundheitsorganisation hat in einem Bericht, der letzte Woche in New York veröffentlicht wurde, festgestellt, daß in Westberlin auf 100 000 Bewohner jährlich 34 Selbstmorde entfallen.

Der Bauernprotest von Seefeld

Am 15. Januar schütteten drei Bauern aus dem Ortsteil Seefeld der Stadt Bad Oldesloe 600 Liter Milch auf die Straße, wo die Milch alsbald im Morast versickerte.

Die Erde geht aus den Fugen

In diesem Monat hat das dreijährige internationale Programm zur Erforschung des Erdmantels begonnen. Eines der Ziele dieser weltweiten Expedition ist es, Aufschlüsse über die Urgeschichte der Festländer zu erhalten.

Richtung Zukunft

Von dem großen Prozeß der Wandlung, den die wissenschaftlich-technische Revolution unserer Tage ausgelöst hat, werden auch die herkömmlichen Berufseinteilungen erfaßt.

Geheimnis um das Russengold

Während die Goldpolitik der Vereinigten Staaten sich in aller Öffentlichkeit abspielt und auch dauernd zu den verschiedensten Spekulationen Anlaß gibt, hüten die Sowjets ihr „goldenes Geheimnis“.

Wo liegt Andorra?

Es geschah am Ende, vergangener Woche, daß ein Schauspiel zum ersten Male gleichzeitig über drei große deutsche Bühnen ging (in München, in Frankfurt und in Düsseldorf), welches uns Deutsche des Jahres 1962 mehr angeht als irgend etwas, was bisher auf deutschen Bühnen zu sehen war – lieben, vielleicht, der „Zeit der Schuldlosen“ von Siegfried Lenz.

Aus den Hauptstädten der Welt: Belgrad – Kommunismus im Neonlicht

Für die Belgrader war neben dem Treffen der Regierungschefs der sogenannten Blockfreien die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an ihren Landsmann Ivo Andrić das Hauptereignis des vergangenen Jahres, waren doch beide Ereignisse wie kaum andere zuvor dazu angetan, ihren Stolz zu befriedigen.

Die schönsten Schallplatten

Wagner: Der Fliegende Holländer; Crass/Silja/Greindl/Uhl und andere Solisten,Dirigent: Sawallisch; Mitschnitt der BayreutherFestspiele 1961 (Philips A 07 311 = – 13 L, 75,– DM).

Zeitmosaik

Bedenken erregt auch schon der Kritiker der Gesellschaft, ja, ihr tendenzloser Darsteller in Romanen. Er habe nur ungewöhnliche Intensität des Blickes, er komme ihr hinter peinlich gehütete Geheimnisse –, und um ihn her wird, je höher er steigt, eine Zone vieldeutigen Schweigens liegen.

Der widerspenstige Nachwuchs

Der vor gut einem Jahr unter der Ägide von Janos Kádár neugegründete „Verband Ungarischer Schriftsteller“ hat sich Großes vorgenommen.

Mein Spion

Bei mir nennt er sich Alex. Dabei heißt er vielleicht Friedrich. Oder Michel. Er arbeitet für den Osten, weil er dann im Westen arbeiten kann.

Nr. 4 vom 24. Januar 1952: Die anderen

Bundeskanzler Dr. Adenauer hatte seinerzeit zu den politischen Ausflügen des Kirchenpräsidenten gesagt, er fände es, bedauerlich, daß Niemöller der Bundesregierung in den Rücken falle.

Musik hat nichts mit Politik zu tun

Der Musikkritiker Dr. Hans Schnoor will offenbar zu jener Gruppe wild um sich schlagender Schriftsteller gehören, die in München einen Verlag gefunden haben.

Hüben und drüben: Fontane

Wer am Export interessiert ist, der achtet auf die Qualität der Exportartikel. Das gilt auch für geistige Erzeugnisse. In jedem kommunistischen Land gibt es Zeitschriften, die für das kapitalistische Ausland bestimmt sind.

Der Alltag der Verfolgten

Das Thema „Die Juden und das Dritte Reich“ ist Konjunktur geworden. Vom Illustriertenreißer über historische Quelleneditionen bis zum Jugendbuch reicht die Flutwelle, und es ist schwer, das auszuwählen, was das Zeitinteresse überdauern kann.

Einer der tragischen Helden der zwanziger Jahre

Theorien, die Bestandteil des täglichen Lebens werden, zeigen oft diesen Doppelaspekt: als Begriffsgebilde unterliegen sie einem Prozeß der Entfaltung, in der Praxis sind sie unerträglich lange unsterblich.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT achtundvierzig Stücke früher deutscher Literatur-, Kunst- und Musikkritik, von Gottscheds arg schulmeisterlichen Vorschriften, welche Wörter Dichter füglich zu gebrauchen und zu meiden haben, bis zu Hegels Kritik an „Wallenstein“; zwischen beiden stehen nicht nur die Großen der Kritik (Lessing, Winckelmann, Herder, Goethe, Schiller, Schlegel), sondern viele ihrer verschollenen „kleineren“ Vertreter, deren Bekanntschaft der Leser vielleicht zum ersten Mal und mit freudiger Überraschung machen wird.

Der Glaube der Juden

Bevor Samuel Josef Agnon, den man wohl als den Doyen der lebenden hebräischen Schriftsteller bezeichnen kann, nach Palästina übersiedelte, lebte er lange in Berlin, wo ein jüdischer Verlag in den dreißiger Jahren eine Ausgabe seiner Werke vorbereitete.

Olympiafilme haben es schwer

Der Film von der römischen Olympiade läuft jetzt unter dem Titel „Die großen Spiele“ in der Bundesrepublik an. „Wertvoll“ war das erste Prädikat der Filmbewertungsstelle.

Viel Soldat – wenig Fußball

Nein, Nachfolger der „Roten Jäger“ seien sie nicht, betont der Hauptmann. Die „Roter. Jäger“ seien während des Zweiten Weltkrieges in einem Standort zusammengefaßt, und ihre einzige Aufgabe sei das Fußballspiel gewesen, der junge Spieler jener Fußballmannschaft der 7.

Theater

Zur Düsseldorfer Aufführung bemerkt Helmuth de Haas in der Welt: „Betroffenheit und Begeisterung mischten sich im Parkett. Immer wenn einer der Andorraner mit seiner Stahlrohrstütze.

Roheit in der japanischen Kunst

Alfred Kerr äußerte sich so 1927, nachdem er in dem damals amtierenden Zensurgremium über Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ geurteilt, gestritten und zuletzt sich aus dem Gremium empört entfernt hatte.

Die Nacht allein

Es war für alle Beteiligten ein etwas mühsamer Hörspielabend. Sicher verfolgte Wolfgang Graetz mit seinem neuesten Stück (es ist nicht sein erstes Hörspiel) die besten Absichten.

Film

„Frühstück bei Tiffany“ (USA; Verleih: Paramount): Mit Holly Goligthly, der bedenkenswerten Heldin seines Kurzromans „Frühstück bei Tiffany“, hat der Romantiker Capote seinem oft gewählten Thema (um der Anpassung und der Käuflichkeit zu entgehen, liefert man sich der Anarchie, dem Wunschdenken und scheinbarer Ungebundenheit aus) ironisch wehmütig Ausdruck gegeben.

Fernsehen: Juxereien sind gar nicht so komisch

Der Film, der da, in Folgen zerhackt, einige Wochen lang Deutschland in Atem hielt, war nur von mäßiger Beschaffenheit. Wichtigste Punkte wurden niemals aufgeklärt (zum Beispiel, auf welche, Weise das Halstuch in den Geigenkasten geraten ist), und sechs Fortsetzungen lang wurde der Verdacht jeweils auf einen anderen Beteiligten gelenkt, was seit jeher zu den kommunsten Mitteln der Kriminalstory gehört – und natürlich von allen Könnern vermieden wird.

Was nun?

Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie hat den Ergebnissen der Tarifverhandlungen mit der IG Bau grundsätzlich zugestimmt, die Vorschläge für Sonderleistungen an die organisierten Bauarbeiter aber abgelehnt.

Baedekers „Führer durch die Zollermäßigungen“

Eines Tages könnte auch dieser Baedeker in den Auslagen auftauchen. Denn eine gedankliche Erforschung des von allen Seiten versprochenen handelspolitischen Schlaraffenlandes gestaltet sich vorerst ebenso reich an Abenteuern wie einst eine Reise im hinteren Balkan oder im Nahen Osten.

Unbehagen im Wohlstand

Am schätzungsweise 2,75 Meter hohen Weihnachtsbaume die Lichter brennen. Auf der Motorhaube eines rassigen Sportkabrioletts räkelt sich die dreiviertelstarke Tochter des Hauses, die rechte Fußspitze auf Cerams „Götter und Gelehrte“, die linke Hand auf Nabokovs „Lolita“ gestützt, den Rücken einer gotischen Madonna zugewandt.

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