Wir haben im Anschluß an die Untersuchung von Theo Löbsack "Für und wider die Anti-Baby-Pille" die Geburtenkontrolle in theologischer Sicht zu ermitteln versucht, weil die allgemein verbreitete Ansicht, daß zum Beispiel die katholische Kirche die Geburtenregelung verbiete, so nicht stimmt. Wir schildern zunächst die katholische Position:

Der Erzbischof von Lyon, Kardinal Gerlier, der Im vorigen Jahr auf einer Klerustagung in Lyon zu dem Thema sprach, "ob die Kirche für oder gegen die Geburtenkontrolle" sei, hob zunächst hervor, daß die Schrift die eheliche Fruchtbarkeit als Geschenk Gottes ansehe. Aber sie bemesse die Vollkommenheit nicht nach der – Anzahl der Kinder. Der Wille zur Zeugung finde sein Gesetz – und seine Grenze! – in der Liebe, aus der heraus er lebe. Deswegen seien allzu rasch aufeinander folgende Schwangerschaften mit Rücksicht auf die Gesundheit der Mutter zu vermeiden. Die Ehegatten hätten auch dann auf die Vergrößerung der Kinderzahl zu verzichten, wenn sie nicht mehr imstande seien, ein weiteres Kind zu ernähren und zu erziehen. Die katholische Moral lehne zwar eine Geburtenbeschränkung ab, die auf rein egoistischen und materialistischen Voraussetzungen fußt, aber sie billige durchaus eine Regelung der ehelichen Fruchtbarkeit, die von kluger Rücksicht auf Eltern und Kinder getragen sei. Die Mitbestimmung der Eltern bei der Kinderzahl sei darum nicht nur sittlich erlaubt, sondern unter Umständen auch geboten.

Wenige Wochen später gaben die Kardinäle und Erzbischöfe Frankreichs eine gemeinsame Erklärung zum selben Thema ab. Sie stellen fest:

1. Es gibt in der Struktur des menschlichen Daseins selbst eine natürliche Ordnung, die von Gott geschaffen ist für das Wohl des einzelnen und der Gesellschaft. Der Mensch hat nicht das Recht, diese Ordnung zu verletzen.

2. In diese Ordnung eingeschlossen sind: die wahrhafte Liebe, die Achtung vor dem Leben, die Elternschaft und die Familie.

3. Es ist nie erlaubt, auch nicht bei ehrenhafter Absicht, sich eines Verfahrens zu bedienen, das seinem Wesen nach sittlich schlecht ist, weil es der wirklichen Bedeutung einer menschlichen Funktion widerspricht. (Der Zweck heiligt nicht die Mittel.)

4. Die Kirche ist nicht "geburtenfreudig um jeden Preis".