SÜDWEST-FUNK

Es ist für einen jungen Autor sicher nicht leicht, nach einer schmerzhaften Geschichte ein Hörspiel zu schreiben, das frei ist von wütenden Anklagen und dramatischen Ausbrüchen. Rolf Becker gelang nicht nur dies. Mit erstaunlicher Gelassenheit verzichtete er auf alle stilistischen Finessen und zeichnete so völlig sicher und klar ein Stück Menschenschicksal, wie es jetzt und jederzeit genauso geschehen kann.

Ein Journalist, 28 Jahre alt, begegnet zum erstenmal seinem Vater, der Frau und Kind im Stich gelassen hat, um in den USA Karriere als Filmschauspieler zu machen. Die Mutter starb früh, der Sohn wurde von Verwandten aufgezogen. Als er flügge wurde, erfuhr er, daß sein Vater die Abtreibung gewünscht hatte, und nun, nach vielen Jahren, steht der junge Mann einem seelischen und körperlichen Wrack gegenüber, das mit lächerlichem Pathos und witzelndem Geschwätz seinen völligen Ruin zu verbergen sucht, aber versteckt den Sohn um Hilfe anfleht. Und der Sohn verzichtet auf Rache.

Rolf Becker denkt nicht daran, giftige Situationen auszumalen oder nach tragischen Effekten zu haschen. Aber gerade dadurch entsteht das erschütternde Bild tiefer Not. Das Stück verrät lautere Gesinnung und Menschenkenntnis. Da ist ein behutsames, trauriges Wegweisen. Was Becker geschrieben hat, ist so altmodisch wasserklar, daß es schon wieder die Mode von morgen sein kann.

Der Autor selber spricht die Hauptrolle. Es ist also nicht erstaunlich, daß sie ihm wie angegossen sitzt. H. K.