FRANKFURT am Main (Großes Haus):

„Penthesilea“ von Heinrich von Kleist

Das „Kleist-Jahr“ 1961 reicht für die deutschen Bühnen zwar noch bis zum Ende der laufenden Spielzeit. Das Hessische Landestheater in Darmstadt will – so weit man sieht, als einzige Bühne – auch noch „Die Familie Schroffenstein“ herausbringen. Doch im allgemeinen bildete der 150. Todestag eines der bedeutendsten Dramatiker keinen Anlaß zu repräsentativer und deutender Auseinandersetzung mit dem dramatischen Gesamtwerk von Kleist. Nirgends gab und gibt es einen Kleist-Zyklus zu sehen, obwohl eine Gesamtschau neben romantischen auch viele höchst moderne Eigenschaften des Dramatikers Kleist zutage fördern würde.

Einige Bühnen versuchten sich im Hinblick auf den Gedenktag immerhin auch an „Penthesilea“ wieder. Heinrich Koch inszenierte nach einem unbefriedigenden ersten Versuch (1954 im Hamburger Deutschen Schauspielhaus) diese Tragödie in Frankfurt am Main zum zweiten Male. „Er hat, von Franz Mertz im Dekorativen unterstützt, das Klarsichtige, das Theater der großen Linien und der strengen, kompositorischen Bewegungen intensiv geprägt.“ Willy H. Thiem, der in der Frankfurter Abendpost Kochs Arbeit deshalb „respektgebietend“ nennt, weist zugleich auf eine nicht nur in Frankfurt hinderliche Klippe für Kleist-Aufführungen hin: „In der Kunst, den Kleist-Vers aus einem gesicherten sprecherischen Training heraus zu formen und... schließlich zu verlebendigen, ergeben sich... ganz unvermutete Einschränkungen.“ Die Titelrolle wurde von Lola Müthel, der Achill von Heinz Baumann gespielt.

BERLIN (Werkstatt des Schillertheaters):

„Die Kartothek“ von Tadeusz Rozéwicz

„Große Schmährede an der Stadtmauer“ von Tankred Dorst