Von Rudolf Walter Leonhardt

Jüngste Analysen des Statistischen Bundesamtes haben inzwischen untermauert, was jeder, der sich auf soziologische Weise für Politik interessiert, längst zu wissen glaubte: Auch der letzte Wahlsieg der CDU/CSU wurde vor allem mit den Stimmen der Frauen errungen.

Zu den treuesten CDU-Anhängern gehören die „Studierenden insgesamt“, Studentinnen wie Studenten: auf jeden einen von ihnen, der von sich sagt, die SPD stehe „seinen Ansichten am nächsten“, kommen mehr als drei, die sich zur Regierungspartei bekennen. Aber: die SPD ist bei den Studentinnen – ganz im Gegensatz also zum bundesdeutschen Querschnitt – beliebter als bei den Studenten.

Auf die Gründe dieses sonderbaren Abweichens von der Norm gibt es nur noch einen Hinweis: das relativ größere (an der CDU gemessen freilich noch immer geringe) Prestige der SPD bei den Studentinnen geht ausschließlich auf Kosten der FDP! Von 100 Studenten fühlen noch immer 11, daß diese Partei „ihren Ansichten am nächsten steht“ – von 100 Studentinnen nur 3. Sollte da das nüchternere, das erdverbundenere, das realistischere Geschlecht, sollten „Frauen, mit ihrem gesunden Mutterwitz“ (Jacob Grimm) sich häufiger gefragt haben: was sind denn eigentlich die Ansichten, welche von altwürttembergischen Liberalen wie Theodor Heuss und rheinländischen Hitlerjugendführern wie Siegfried Zoglmann (das ist keine Diffamierung, sondern aus dem Handbuch des Deutschen Bundestages abgeschrieben) geteilt werden können?

Bei einer im allgemeinen positiven Einstellung der Studenten zur Regierungspartei nimmt es nicht wunder zu lesen, daß von 100 Studenten 58 „im großen und ganzen mit der Politik Adenauers einverstanden“ und nur 15 nicht einverstanden sind.

Viel erstaunlicher ist, daß neben (wahrscheinlich: weit vor) dem Bundeskanzler (für dessen Person diese Frage nicht gestellt wurde) sich einzig Ludwig Erhard bei den Studenten allgemeiner Beliebtheit erfreut. Nur ein Fünfzigstel aller Studenten hat keine gute Meinung von ihm; während bei allen anderen prominenten Persönlichkeiten der Regierungspartei das „keine gute Meinung“ überwiegt, und zwar, in der Reihenfolge steigender Unbeliebtheit: bei Franz-Josef Strauß (gute Meinung – 31 : keine gute Meinung – 34), Heinrich von Brentano (31:35), Theodor Blank (21:26), Gerhard Schröder (16:28).

Da kommen die Politiker der SPD viel besser weg! Nur bei einem überwiegt die gute Meinung nicht, und die Reihenfolge sieht so aus: Willy Brandt (gute Meinung – 82 : keine gute Meinung – 5), Carlo Schmid (74 : 6), Waldemar von Knoeringen (14:7), Herbert Wehner (22:25).