r. g., Stuttgart

Wer fühlt sich zurückgesetzt, wenn er an einer Beerdigung nicht teilnehmen darf, weil sie „auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille“ stattfindet? Niemand; denn jedermann achtet diesen Wunsch. Wer empfinde, es als Kränkung, wenn die Angehörigen inserieren: „Von Blumen- oder Kranzspenden bitten wir abzusehen?“ Wirklich niemand?

Da haben die trauenden Hinterbliebenen die Rechnung ohne die Gärtner gemacht. Die Mitglieder der Fachgruppe Blumen- und Zierpflanzenbau im Württembergischen Gärtnereiverband jedenfalls billigten einen Protestbrief, den ein Gärtner einem württembergischen Industriewerk geschrieben hat. Dieses Werk hatte den Tod eines seiner leitenden Mitarbeiter angezeigt und darum gebeten, von Blumen- und Kranzspenden Abstand zu nehmen. In diesem Wunsch, so schrieb der Gärtner, müßten er und jene Berufskollegen eine Mißachtung und Herabsetzung ihres Standes sehen. Der Vorsitzende der Fachgruppe bestätigte auf einer Versammlung, so etwas sei glatterdings Kundenabwerbung.

Recht hat er; alles muß seine Grenze haben, auch die Pietät, dort nämlich, wo es ums Geld geht. Wo kommen wir hin, wenn sich die Meinung verbreitet, daß das Sterben und seine Folgen Privatsache seien. Es geht nicht an, die Angehörigen eines ganzen Berufsstandes wider ihrem ausdrücklichen Wunsch zu Leidtragenden zu machen.