Zum sechsten Mal wird in diesem Jahr der „Preis der Filmkritik“ verliehen: am 6. März im Hamburger Hotel Atlantic. Die Ausgezeichneten erhalten eine Muschel in Gold mit eingelegter Perle – nach einem Entwurf von Professor Ewald Mataré. Das Patronat hat, wie schon im vorigen Jahre, DIE ZEIT. Dem unabhängigen Kritikergremium gehören an: Erwin Goelz (Stuttgart), Gunter Groll (München), Hellmut Haffner (München), Klaus Hebecker (Hamburg), Hans Helmut Kirst (München), Karl-Heinz Krüger (Berlin), Friedrich Luft (Berlin), Wilhelm Mogge (Berlin), Karena Niehoff (Berlin), Enno Patalas (München), Georg Ramseger (Hamburg), Hans-Dieter Roos (München), Martin Ruppert (Frankfurt am Main), Hans Schaarwächter (Düsseldorf), Gerd Schulte (Hannover), Paul Friedrich Weber (Frankfurt am Main). Die Preise der Filmkritiker werden für das Jahr 1961 an folgende Persönlichkeiten verliehen:

Michelangelo Antonioni für „Die Nacht“ (La notte) als „Bester Film des Jahres“.

„Die Nacht“ von Antonioni ist sichtbare Literatur von heute: ein Roman ohne Handlung, ein Drama ohne Intrige. Was die Erzählung in Gang hält, sind allein Stimmungen, Erinnerungen, Gedanken, Selbstprüfungen. Man ist gleichwohl stets gefesselt. Ohne revolutionäre Geste, einfach durch Maß und Gemessenheit der reifen Meisterschaft, hat Antonioni hier dem Film eine neue Domäne des Ausdrucks gesichert. Erwin Goelz

*

Andrzej Wajda für die Regie des Films „Asche und Diamant“.

Obwohl er das Geschehen durch heftige Dynamik vorwärts treibt, gelingt ihm die individuelle Durchzeichnung der Charaktere, denen er Dostojewskische Dichte mitgibt. Realismus, Groteske und Poesie stehen in diesem einfallsreich ins Bild gesetzten Geschehen dicht beieinander. Wajdas Regie ist von unverwechselbarer persönlicher Handschrift. Hans Schaarwächter

Alain Robbe-Grillet für das Drehbuch des Films „Letztes Jahr in Marienbad“.