N., Essen

In der Vorhalle des Essener Hauptbahnhofes verharren die Menschen, die durch den Eingang strömen, einen Augenblick vor einer kleinen Gruppe, die sich an der Rückwand gebildet hat; blicken sie erstaunt, dann unsicher lächelnd an und wenden sich dann schnell ab, greifen zur Morgenzeitung; blinzeln noch ein- oder zweimal über den Rand, dann lassen sie es sein.

Es ist eine kleine Gruppe. Nur zehn oder fünfzehn Leute. Gerade groß genug, um die übliche „Ermäßigung“ zu bekommen bei ihrer Fahrt zu einem nahen Speiselokal – wo die Kasse des Sparvereins verfuttert werden soll, möchte man meinen. Aber die Kleidung ist nicht danach. Auch die Gesichter passen nicht recht. Selbst die Blicke sind anders, stumpf von Müdigkeit und ängstlich und ungläubig und so, als trauten sie dem Gebäude nicht.

Und überhaupt – wann haben wir zuletzt solche Schuhe getragen, war es 1949 oder schon 1948? Und die Mäntel, die Gesichter der paar Frauen, die keine Schminke zeigen, wohl aber zerfurchte Wangen, und der Blick, mit dem sie die Vorübergehenden fragen: „Wart ihr nicht auch mal so?“

Nein, sie passen ganz und gar nicht zum „Sparverein“. Sie passen überhaupt nicht hierher, nicht einmal auf einen Bahnhof. Vielleicht haben sie sich einfach verlaufen mit ihren paar Kindern, die sich, dickäugig vor Schlaf, gegen Mäntel drücken.

Wer mag denn schon wissen, was das für Leute sind. Bis einer schließlich die Morgenzeitung senkt und schnell, ohne aufzublicken, fragt: „Kommt ihr aus Ostpreußen?“

„Ja“, sagt jemand aus der Gruppe. Er behält die Pfeife im Mund, gleichgültig, er kennt die Frage und das Zögern des Fragenden.