Warum Dr. Maurer in Münchenkeine Pflichtvorlesungen halten darf

München

Vor der fünften Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts erschien der Rektor der Münchner Universität, begleitet vom Dekan und Prodekan der Medizinischen Fakultät. Die Herren, obzwar nicht geladen, wollten durch ihre Anwesenheit dokumentieren, daß sie dem anstehenden Streit grundsätzliche Bedeutung beimaßen.

Es war am Mittwoch vergangener Woche. Der Anfechtungskläger, Professor Georg Maurer, nahm Platz, schlug die Beine übereinander, kreuzte die Arme vor der Brust und begann mit seinen Darlegungen. Dem Professor wurde bedeutet, vor deutschen Gerichten sei es üblich, im Stehen zu sprechen. Wenig später hatte er seinen Prozeß verloren.

Die Klage war ungewöhnlich, und zwar dermaßen, daß der ihr zugrundeliegende Tatbestand bereits alle westdeutschen Universitäten beschäftigt hat. Dr. med. Maurer, außerplanmäßiger Professor in München, ist Chirurg und ärztlicher Direktor eines städtischen Krankenhauses, zu dem ein Hörsaal mit 200 Plätzen gehört. Dort hielt professor Maurer akademische Vorlesungen.

Akademische Konkurrenz

Das Wintersemester 1960/61 stand an, da gab Professor Maurer sein neues Kolleg bekannt: „Chirurgische Klinik.“ Genau das gleiche Thema bildet schon seit langem den Gegenstand der Vorlesungen Professor Zenkers. Dr. med. Rudolf Zenker, Direktor der Chirurgischen Universitäts-Klinik München und Ordinarius, erhob gegen das „Konkurrenzlesen“ – so der terminus technicus – keinerlei Einwendungen.