RH, Hamburg

Mit einem Büssing-Kipper-Fahrgestell Typ LU 55 „Burglöwe“, eingerichtet als Sattelzugmaschine (6-Zylinder-Dieselmotor – 110 PS) und einem Kässbohrer-Sattelschleppanhänger mit Kastenaufbau (nach hinten ausziehbar auf eine Kastenlänge von ca. 17 m) wird künftig ein Pastor, begleitet von zwei Diakonen und einem Fahrer, in Schleswig-Holstein umherreisen.

Der siebzehn Meter lange „Kasten“ ist eine eben geweihte Kirche, die in Dörfer ohne Gotteshaus und auf jene Stätten gefahren werden soll, wo der Mensch vermeintlich die Natur findet, die Campingplätze. Dort, so meinen Evangelisch-Lutherische Volksmission und Landeskirche, sei volksmissionarische Arbeit besonders erfolgversprechend: „Das wesentliche Anliegen der ‚Kirche unterwegs‘ ist es, den der Kirche entfremdeten und fernstehenden Menschen unserer Tage nachzugehen und auch Kontakte zu solchen Menschen zu suchen, die sich, außer im Urlaub, nie die Zeit dafür nehmen.“

Auf diesen „Ruheplätzen“, deren zwischen den Zelten sichtbare Natur gewöhnlich reichlich mit transportablen Radiogeräten bestückt ist, kann also – wenn die motorisierte Kirche dort weilt – auf die sonntäglichen Gottesdienste aus den kleinen Kästen verzichten, wer in den großen hineinklettert. Dort hat er den Pastor leibhaftig vor sich. Die Glocken allerdings kommen vom Tonband wie die, die der Sender bringt.

Zu den Reizen des Zeltens (deutsch Camping genannt) gehört es, daß Vater das Freizeithemd, Mutter die Shorts und Töchter Bikinis anziehen. Wer wird sich schon gern zwischendurch ankleiden, als müsse er gleich ins Büro?

Der fahrende Pastor hat daran gedacht und, um keine Abschreckung aufkommen zu lassen, bereits erklärt, er habe nichts gegen Bikinis und erwarte nicht, daß sich jemand für die kleine Andacht umziehe.

Nun ja, das ist sehr freundlich von ihm. Es fragt sich nur, ob die Andacht nicht vielleicht doch ein klein wenig weniger klein ist, wenn zwischen Bein und Gesangbuch ein bißchen Stoff liegt. Der kahle Sattelschlepper-Auflieger allein hat es nicht leicht, dem flüchtigen Ferienkind Gottes den Übertritt vom Banalen zum Sakralen bewußtzumachen. Mir scheint, der Herr Pastor tut weder der Kirche noch seinen Gast-Kirchgängern einen Gefallen, wenn er allzu bescheiden sagt: „Bitte, keine Umstände meinetwegen.“