Wenn über der Politik John F. Kennedys ein Unstern leuchtet, so heißt er Kuba. Das Landungsfiasko auf der karibischen Insel hat ihm drei Monate nach seinem Amtsantritt schwer zu schaffen gemacht. Und die Konferenz von Punta del Este stand in der letzten Woche wiederum im Schein des unseligen Kuba-Sterns.

Auf dieser Zusammenkunft der 21 Staaten des panamerikanischen Bundes hatte der Außenminister aus Washington eine weit bessere Ausgangsposition als je einer seiner Kollegen vor ihm. Fidel Castro war durch eine tragisch-lächerliche Folge von Anfällen politischer Hysterie in Isolierung geraten, Kennedy dagegen hatte durch seine erfolgreiche latein-amerikanischen Stipvisiten wie durch seine von wohlerwogenen Erklärungen und eindrucksvollen Dollar-Versprechungen gestärkte Politik der „Allianz für den Fortschritt“ viel Vertrauen erworben. Es schien, als sei das fatale Invasionsunternehmen viel schneller vergessen worden, als selbst die kühnsten Optimisten es vor einem dreiviertel Jahr noch gehofft hatten.

Diesen Vorteil auszunutzen, blieb Kennedy indes versagt, weil die Ironie der Politik ihm auf höchst ärgerliche Weise mitspielte. War für die Südamerikaner die Erinnerung an den April 1961 schon fast verblaßt – die nordamerikanischen Bürger (und Wähler) in Texas, Montana und Florida hatten ihn nicht vergessen. Und so sehr sie bereit waren, mit ihrem Steuerdollar den Schwesterrepubliken im Süden wirtschaftlich zu helfen, so rief ihr verletzter Stolz doch nach einer handfesten Gegengabe. Es war dies eine Emotion, die sich in der Forderung artikulierte: Castro muß

Fidelistischer Umsturz-Bazillus

Fortschritt im Sinne jener klugen und gedeihlichen Allianz, die Kennedy mit seinen Beratern anstrebte, hätte es gewiß bedeutet, durch großzügige ökonomische Unterstützung alles zu tun, um die lateinamerikanische Welt ein bißchen weniger anfällig gegen den fidelistischen Umsturz-Bazillus zu machen. Das Geld aber, das dafür nötig ist – zunächst einmal drei Milliarden Dollar –, muß vom Kongreß bewilligt werden. Und die Volksvertreter im Senat und Abgeordnetenhaus interessieren sich nun einmal weniger für den außenpolitischen Kalkül als für die vagen Wünsche jener Leute in irgendwelchen fernen Bundesstaaten, von denen sie wiedergewählt werden wollen.

„Castro muß weg“ oder mindestens: Castro muß politisch und wirtschaftlich unnachgiebig boykottiert und in die Knie gezwungen werden, so lautete das Konferenzziel, auf das der besonnene und geschickte Dean Rusk seine vertrackte diplomatische Arbeit in Punta del Este auszurichten hatte, weil es dem Kongreß so gefiel.

Papierene Resolutionen