KÖLN (Galerie Der Spiegel): „Appel“

Mit Willem de Kooning, mit Asgar Jörn und ihren amerikanischen Gesinnungsgenossen repräsentiert Karel Appel jene zweite Welle des Fauvismus, die in den fünfziger Jahren in die Gefilde einer geschmackvoll gepflegten Malerei wie ein Sturzbach einbrach. Karel Appel wurde 1921 in Amsterdam geboren und lebt in Paris. Als Venedig vor drei Jahren moderne Kunst unter dem Aspekt der „vitalità“ vorführte, hatten Appels Riesenformate mit Recht eine zentrale Stelle. Vitalität ist von Hause aus eine biologische, keine künstlerische Qualität. Es kommt auch bei Appel, wie damals bei den Fauves, einiges hinzu, was die Wildheit aus der elementaren Sphäre des Naturereignisses transponiert. Selbst seine brutalsten Farben, die roten und gelben Fanfaren, gehören in ein lautstarkes, aber abgestimmtes Ensemble. Die peitschenden Linien assoziieren Geschwindigkeit: Die Formen sind in Bewegung, lassen Figuren, Gesichter, einen „Glühenden Kopf“ erkennen und im Strom der Farbe untertauchen. Die Kölner Ausstellung bringt

neben einigen vergleichsweise stillen Gouachen von 1950 Arbeiten aus den letzten Jahren. Ergänzend eine Fotoschau: Karel Appel in seinem Atelier.

DÜSSELDORF (Galerie Alex Vömel): „Belling“

Rudolf Belling gehörte um 1920 zu den meistdiskutierten und interessantesten deutschen Bildhauern. Seine Bronze-Plastik „Dreiklang“ von 1919 stand im Berliner Kronprinzenpalais, das erste Beispiel einer abstrakten, unfigurativen Plastik: drei Körper, die im Raum schwingen, die – nach heutigem Jargon – „den Raum einbeziehen“. Wie der frühe Archipenko arbeitet auch Belling mit „negativen Formen“. Seine berühmten Porträts aus Bronze oder Messing sind die frappante Summe von Masse (Mund, Nase, Stirn bis zur Karikatur vereinfacht) und Zwischenraum: offene Köpfe. Rudolf Belling ist 1934 emigriert, von 1937 bis 1951 leitete er die Bildhauerklasse an der Akademie der schönen Künste in Istanbul und hat als der bedeutendste Bildhauer des Landes unter anderem das Mausoleum für Kemal Atatürk plastisch gestaltet. Anlaß für die Düsseldorfer Ausstellung – sie dauert bis zum 20. Februar – war der 75. Geburtstag des Bildhauers im vergangenen Herbst. Sie bringt neun Skulpturen aus den Berliner Jahren, darunter den „Dreiklang“ und das Porträt Alfred Flechtheims sowie ein Dutzend Arbeiten von 1949 bis 1961, die das Problem der abstrakten Raumplastik variieren.

DUISBURG (Städtisches Kunstmuseum): „Kiwitz“

Die Gedächtnisausstellung für den aus Duisburg stammenden Heinz Kiwitz erinnert an einen ungewöhnlich begabten und gänzlich vergessenen Graphiker, der in den Jahren von 1929 bis 1937 mit Holzschnitten und Illustrationen hervorgetreten ist. Rowohlt hatte 1936 zwei von ihm illustrierte Bücher herausgebracht und ihm im nächsten Jahr zur Flucht aus Deutschland verholfen. 1938 ist er in den Kämpfen am Ebro gefallen. Seine Holzschnitte sind kräftig, unkompliziert, humorvoll. Merkwürdig, wie in diesen Blättern neben der individuellen Linie die Zeit mitspielt, in der sie entstanden sind, ihr Suchen nach Lebensfülle und nach der einfachen Formel. Cervantes, Simplizissimus, Grabbe, Mörike, Büchner, die Antigone, Pallieter, Gösta Berling, Fallada und der heilige Franziskus: das sind die Themen, die Kiwitz beschäftigt haben, die in der Luft lagen. Die Ausstellung, Erinnerung an den verschollenen Heinz Kiwitz und an die noch unentdeckten frühen dreißiger Jahre, dauert bis zum 11. Februar, g. s.