Von Wolfgang Leonhard

Unter dem Titel „Die Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern von 1959 bis 1961“ hat das Moskauer Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen eine Sammlung von aufschlußreichen Studien herausgegeben. Ihr Thema: die sozialen Auseinandersetzungen in der westlichen Welt, die national-revolutionäre Bewegung in den Entwicklungsländern, die Stärke der kommunistischen Weltbewegung.

Bei den 87 kommunistischen Parteien der Welt mit ihren insgesamt 40 Millionen Mitgliedern unterscheiden die Sowjetautoren drei „Hauptabteilungen“. Zur ersten werden die herrschenden kommunistischen Parteien der zwölf Ostblockstaaten gezählt, die gegenwärtig 34,5 Millionen Mitglieder vereinigen. Als zweite „Hauptabteilung“ gelten die 48 Parteien in den unterentwickelten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. An dritter Stelle folgen 26 kommunistische Parteien in den industriell hochentwickelten Ländern Europas, der USA, Japans, Kanadas, Australiens und Neuseelands.

Nach Kontinenten aufgeschlüsselt bestehen außerhalb des Ostblocks 20 kommunistische Parteien in Europa, 18 in Asien, 24 in Nord- und Südamerika, sieben in Afrika und zwei in Australien und Ozeanien. Von den 87 kommunistischen Parteien befinden sich gegenwärtig zwölf an der Macht, 35 wirken unter legalen Verhältnissen, 30 betätigen sich illegal und sechs haben einen „halblegalen Status“ (vier Parteien sind bei dieser Aufstellung offenbar verlorengegangen),

Die Mitgliederzahlen der herrschenden kommunistischen Parteien des Ostblocks sind: China 17 Millionen; Sowjetunion 9,8 Millionen, Tschechoslowakei 1,6 Millionen; SED 1,5 (Ulbricht selbst hat allerdings kürzlich die Stärke der SED mit 1,6 Millionen angegeben), Polen 1 269 000; Nordkorea 1 120 000, Rumänien 870 000, Bulgarien 515 000, Ungarn 478 000. Am unteren Ende der Statistik steht die jetzt von Moskau verfemte stalinistische Partei Albaniens mit 53 700 und die Moskau-treue mongolische „Revolutionäre Volkspartei“ mit 43 800 Mitgliedern.

Außerhalb des Ostblocks gibt es in Europa 20 kommunistische Parteien, von denen vier illegal wirken (Spanien, Portugal, Griechenland und Westdeutschland); 16 Parteien dürfen sich legal betätigen. An der Spitze steht die KP Italiens, die 1,8 Millionen Mitglieder zählen soll, gefolgt von der KP Frankreichs (407 000) und der KP Finnlands mit 48 000 Mitgliedern. Als erfolgreich werden auch die „AKEL“ in Zypern und die KP Islands mit 1500 Mitgliedern bezeichnet, ferner die KP des Zwergstaates San Marino, die bei einer Gesamtbevölkerung von nur 16 000 immerhin 1000 Mitglieder aufweist. Auch die KP Schwedens wird gelobt, weil sie 4,5 % aller Stimmen erhielt. Über die weniger erfolgreichen kommunistischen Parteien Europas wird mitgeteilt, daß die KP Englands 29 000 Mitglieder, die belgische KP 13 000 und die Schweizer „Partei der Arbeit“ 3500 bis 4000 Mitglieder zähle. Für die Parteien in Norwegen, Dänemark, Österreich, Holland, Luxemburg und Irland fehlen’ alle Zahlenangaben; der „Bund der Kommunisten“ Jugoslawiens wird weder als KP gezählt noch in den Schilderungen berücksichtigt.

In den asiatischen Ländern bestehen 18 kommunistische Parteien, von denen jedoch nur sechs legal tätig sind. Insgesamt soll es in Asien 2,5 Millionen eingeschriebene KP-Mitglieder geben, davon jedoch allein zwei Millionen in Indonesien. Die KP Indiens zählt 300 000, die KP Japans 100 000, die KP Ceylons 1500 Mitglieder. Über die KP Israels wird lediglich berichtet, daß sie drei Abgeordnete im Parlament besitzt, und über die legale KP Libanons werden keine Zahlen angegeben. In zwölf Staaten Asiens wirkt die KP illegal: in Burma, Irak, Nepal, Jordanien, Iran, Syrien, Malaya, Thailand, Türkei, Pakistan, Philippinen und Kambodscha. Die in Laos existierende KP wird, aus eigentümlichen Gründen weder in diesem Buch noch in anderen jüngsten sowjetischen Veröffentlichungen erwähnt.