STUTTGART (Staatsoper):

Strauß’ „Elektra“, von Wieland Wagner inszeniert

„Nun hat er sich auch einmal an Richard Strauß erproben wollen und ist glanzvoll gescheitert.“ Dieses Resümee in der Süddeutschen Zeitung ist um so bemerkenswerter, als der Kritiker Walter Panofsky zu den ergebenen Anhängern des Neubayreuther Wagnerstils gehört. Wieland Wagners „Bemühen, gegen den Strom zu schwimmen, droht zur Manie zu werden“ – schreibt Panofsky. Und Carl Dahlhaus berichtet in der Stuttgarter Zeitung: „Eine Szene, die durch sentimentale Züge die Regiekonzeption gestört hätte,... wurde weggelassen.“ „Entgegen Hofmannsthals Text“ sei auch der Werkschluß geändert worden. Daß der Dirigent Ferdinand Leitner „den Klang skelettierte, der Musik fast immer ihre herrliche Spontaneität und Explosivität nahm“, faßt Panofsky als Rücksicht auf Martha Mödl auf, die stimmlich „der Elektra nicht: mehr gewachsen war“. „Regina Resnik ... war genauso, wie eine Klytämnestra nicht sein darf.“ Orest: Hans Günter Nöcker, Chrysothemis: Hildegard Hillebrecht, Aegisth: Josef Traxel.

ESSEN (Opernhaus):

„Katja Kabanowa“ von Leos Janáček

34 Jahre nach dem Tode des Komponisten der „Jenufa“ finden auch andere Werke Janáčeks mehr und mehr Zugang an deutschen Bühnen. Besonders eifrig hat sich Wiesbaden unter Friedrich Schramm dafür eingesetzt. Die Essener Aufführung der „Katja Kabanowa interessierte besonders, weil sie von dem tschechischen Regisseur Bohumil Herlischka inszeniert worden war (Bühnenbild: Dominik Hartmann, Dirigent: Paul Belker). Nach Herlischkas stark umstrittenen Interpretationen von Webers „Freischütz“ (Düsseldorf) und Tschaikowskys „Eugen Onegin“ (Stuttgart) wird in der Welt wiederum die effekthascherische Originalitätssucht dieses Regisseurs beklagt. „Das Publikum soll Augen machen. Komponist und Autor aber wischen sich betrübt die Augen.“ Klaus Geitel tadelt besonders die sinnwidrige Überheizung der Aktion und die falsche Symbolik. Dagegen verrate die individuelle Personenführung „ungewöhnliches Können und inszenatorisches Feingefühl“. „Ausgezeichnete Personenregie“ bestätigte auch die Frankfurter Abendpost dem Regisseur Herlischka.

HAMBURG (Staatsoper):