DIE ZEIT

Wieder Wirbel um Kroll

Einige umstrittene Äußerungen des Botschafters Dr. Kroll vor Bonner Journalisten werden in Regierungs- und Parlamentskreisen teils betroffen, teils verärgert diskutiert.

Das Ärgernis Strauß

Der Gemischtwarenhändler Kasimir Pachulke, Vorsitzender der Ortsgruppe einer der Regierung nicht angehörenden Partei, ruft, empört über die auf richterlichen Befehl durch zwei Staatsanwälte erfolgte Durchsuchung seines Ortsgruppenbüros, den Oberstaatsanwalt an und fragt ihn im Laufe des erregten Gespräches nach der Parteizugehörigkeit der beiden Staatsanwälte und überdies nach seiner eigenen Einstellung.

Lobbyisten der Vernunft

Schuster, bleib bei deinem Leisten, ist in Deutschland eine gern zitierte, sogenannte volkstümliche Weisheit. Gern zitiert vor allem dann, wenn es sich darum handelt, lästige Kritik in ihre Schranken zu verweisen.

wer....was....wo....warum...

Binnen 15 Monaten meutern zum zweitenmal Offiziere der vietnamesischen Armee. Diems Dilemma: wenn er die Kontrolle über seine Armee lockert, mag sie ihm gefährlich werden; solange er es aber nicht tut, wird die Führung des Krieges gegen die kommunistische Vietcong von fatalem Dilettantismus gekennzeichnet bleiben.

Oberländer redivivus

Als der ehemalige Vertriebenenminister Theodor Oberländer bei der Bundestagswahl im September des letzten Jahres durchfiel, war die Öffentlichkeit erleichtert.

Schlecht dementiert

Bonn ist unnötigerweise in den Verdacht geraten, es wolle die amerikanischen Sondierungsgespräche in Moskau stören. Die Kette der Mißverständnisse und falschen Reaktionen begann mit einer harmlosen Bemerkung des Bundeskanzlers.

OAS heißt Wahnsinn

Daß ein hoher Ministerialbeamter aus Paris, der nichts mit dem Militär, wenig mit der Politik, aber viel mit Wirtschaft und Finanzen zu tun hat, in diesen gewitterschweren Tagen wochenlang in Algerien herumreiste, ohne einen Leibwächter zur Seite oder nur eine Pistole in der Tasche zu haben, mutet fast ebenso unglaubwürdig an wie die Tatsache, daß jüngst zwei prominente Mitglieder der algerischen Freiheitsfront (FLN) quer durch Frankreich fuhren, um auf Schloß Aunoy den Gefangenen Ben Bella zu besuchen.

Zeitspiegel

Aus Erbitterung über die Unfähigkeit des neuen türkischen Premiers Ismet Inonü, die versprochene Land- und Sozialreform durchzusetzen, putschte eine Gruppe junger Offiziere und Kadetten.

AA-Zensur

Unter dem Titel „Der Tod kam wie bestellt“ zeigte das Deutsche Fernsehen seinem Publikum kürzlich eine Sendung über die Kongo-Krise.

Ost-West-Korrespondenz

7. Februar: US-Präsident Kennedy und der englische Premier Macmillan laden die Sowjetunion zu einer Außenministerkonferenz über Atom- und Abrüstungsfragen ein.

Reformer zwischen allen Feuern

Irans Ministerpräsident Dr. Ali Amini, der seine Rundreise durch vier europäische Länder letzte Woche in der Bundesrepublik begann, ist ein Politiker, der in seinem Heimatland zwischen allen Feuern steht und sich an vielen Fronten seiner Haut wehren muß.

Weltmacht, aber möglichst billig

Armer, wackerer Mr. Watkinson! Sein Verteidigungs-Weißbuch „Die nächsten fünf Jahre“ steht scharf unter Beschuß. Jeder weiß, daß der Minister nicht die politische Macht hat, jenes grundsätzliche militärische Umdenken in die Wege zu leiten, das nach Ansicht der Kritiker nötig wäre.

Politik zwischen Sterilität und Scharlatanerie

In einem Plädoyer für die Rebellen in der SPD hat Professor H. P. Bahrdt vor einigen Wochen in der ZEIT die These verfochten, daß eine politische Partei der ideologischen Orientierung bedürfe.

Südafrika – keine Kolonie

In Nr. 5 vom 2. Februar 1962 hat Victor Kadalie unter dem Titel „Die Saat der Gewalt in Südafrika“ die Auffassung seiner schwarzen Brüder zur südafrikanischen Politik dargestellt.

Sorgen mit den Sorben

In diesem Jahr begeht die „Domowina“, der Bund der 38 000 Lausitzer Sorben, seinen 50. Jahrestag. Für das Ulbricht-Regime dürfte dies freilich kein Grund zum Feiern sein, denn dieser kleine slawische Volksstamm hat der SED besonders seit dem 13.

Das Memorandum der Acht

Eine neue Bundesregierung tritt in diesen Tagen ihr Amt an. Die außenpolitische Lage ist kritisch. In diesem Augenblick wünschen die Unterzeichner die Aufmerksamkeit verantwortlicher Kreise auf eine Gefahr im inneren politischen Leben der Bundesrepublik zu lenken, die unsere Fähigkeit, diese und künftige Krisen zu bestehen, bedroht.

Wer täuschte wen?

Fanfani hat es geschafft. In zehn Tagen löste der energische Toskaner die ihm vom Präsidenten der Republik übertragene Aufgabe: Er bildete eine Regierung der „Öffnung nach links“.

Berlin: Ein neuer Zungenschlag

Wenn das so weitergeht, wird Berlin demnächst 51. Bundesland der Vereinigten Staaten. Die psychologische Annektion besorgte bereits Robert Kennedy während seines Besuchs.

Snob Appeal mit Jean-Louis Barrault

Am letzten Wochenende fand in Essen scheinbar „Welttheater“ statt. An drei Abenden nacheinander wurde „Das Buch von Christoph Columbus“ aufgeführt.

Gesamtdeutsches Jägerlatein

Gedämpfte Musik, spätbürgerlich, irgendwo zwischen Wagner und Verdi zu Hause; viel Plüschvorhänge führen ins Lokal und in die Garderobe.

Kleiner Kunstkalender

Mit dem Gepränge des Staatsaktes wurde die Persische Kunst-Schau in Villa Hügel eröffnet. Der Bundespräsident sprach, und der Schah von Persien schickte eine Grußbotschaft.

Kunstrichter am Werk

Walter Muschgs Buch über die Expressionisten, Charles Du Bos’ Dialog mit André Gide

Unser Seller-Teller Februar 1962

Kurios: die gleichen Leute, die das Hektische im deutschen „Literaturbetrieb“ anklagen, halten vom Seller-Teller ohnehin nicht viel und werfen ihm dann vor: nichts Neues.

Hüben und drüben: Instrumente

Der Alfred Kröner Verlag in Stuttgart; hat ein „Allgemeines Gelehrten-Lexikon herausgegeben, ein biographisches Handwörterbuch zur Geschichte der Wissenschaften“, das auf 710 Seiten 7000 Stichwörter enthält.

Ein früher Nabokov

Einige von den acht frühen, vor der Übersiedlung in den anglo-amerikanischen Sprachbereich entstandenen Romanen Vladimir Nabokovs stehen in dem Ruf, leichte Ware zu sein – Präliminarien, Fingerübungen.

Jugend im habsburgischen Prag

noch einmal heraufbeschworen wird. In den letzten Jahrzehnten vor dem Untergang der habsburgischen Monarchie war Prag eine geteilte Stadt, wenn auch keine steinerne Trennungsmauer die Straßen sperrte.

Zeitmosaik

Die Stadt Düsseldorf hat ihre Kunstpreise für 1961 an den Schriftsteller Sigismund von Radecki, den Maler und Graphiker H. A.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Essays über Klopstock (von Helmut Heißenbüttel), Claudius (Wolfgang Weyrauch), Goethe (Benno Reifenberg), Schiller (Gerd Gaiser), Hölderlin (Martin Walser), Novalis (Geno Hartlaub), Brentano (Hans Magnus Enzensberger), Eichendorff (Heinrich Schirmbeck), die Droste (Rudolf Hagelstange), Heine (Hermann Kesten), Mörike (Marie Luise Kaschnitz), Storm (Karl Krolow), C.

Partner im Weltraum

Bis jetzt war der Wettlauf in den Weltraum ein Teil des Kalten Krieges. Oberst Glenn wurde – ebenso wie Major Gagarin und Titow – durch eine Militärrakete in die Bahn um die Erde geschossen.

Mit Atomkraft zum Mond

Noch in diesem Jahr sollen weitere bemannte Erdsatelliten in Cap Canaveral gestartet werden. Gegen, Jahresende hofft die NASA einen Astronauten achtzehnmal um die Erde schicken zu können.

Die fliegenden Rettungsboote

Hubschrauber kommen! – das war der befreiende Ausruf für Tausende, die in den Schreckenstagen der norddeutschen Flutkatastrophe auf Dächern und Bäumen Zuflucht gesucht hatten.

Theater

Das letzte Bühnenwerk des deutsch-italienischen Komponisten wird Jahrzehnte nach seiner Uraufführung (1925 in Dresden) von neuem umworben.

Funk

Hinter diesem so braven Titel verbirgt sich ein erschütternder Bericht über die Welt, des Irrsinns. Arthur Adamov reißt die Tür auf zu einer uns fremden Welt.

Film

„Die vor die Hunde gehn“ (Frankreich; Verleih: Europa): Kurz vor Schluß des Zweiten Weltkriegs kommt es beinahe zur Verständigung zwischen einer versprengten deutschen Kompanie und einer Gruppe französischer Widerstandskämpfer.

Fernsehen

Zum zweiten Mal in so kurzer Zeit hat eine Katastrophe von den Intendanten, Programmdirektoren und Koordinatoren des Deutschen Fernsehens die Fähigkeit zu schnellen, aber überlegten Entschlüssen, zu spontanen, aber überlegenen Reaktionen verlangt.

Freier Atem in den Filmen Kanadas

Da in Deutschland keine Revolution der Filmkunst ausbricht, vielmehr Alarm nur im Bundestag gegeben wird, um die kranke deutsche Filmproduktion mit Staatsgeldern zu stützen, wurde in diesen Spalten mit Recht der positive Vorschlag gemacht, an die sorgfältige und systematische Regeneration des Films zu gehen.

Ein Jahr danach

Vor einem Jahr, am Freitag, dem 3. März 1961, wurde im Kabinett die Aufwertung der DM um 5 % beschlossen Hamburgs Börse verzeichnete an diesem Tag bereits „Vorahnungen“ und so kam es denn zur verfrühten Bekanntgabe der einzigartigen Maßnahme am 4.

Mehr Freiheit für den Franc

Die gute Zahlungsbilanzsituation hat die französische Regierung veranlaßt, eine Reihe von Maßnahmen zur Lockerung der bestehenden Devisenbestimmungen durchzuführen und damit einen weiteren Schritt zur Vollkonvertibilität des Franc zu unternehmen.

Freier Preis auch für das Geld?

Empirisch sind Vorbehalte gegen den frei schwankenden Wechselkurs entstanden, weil man bei kritischer Währungslage ein Abgleiten des Kurses und in der Folge eine Abwertung befürchtete.

Zeitraffer

Der Preisindex für die Lebenshaltung mittlerer Arbeitnehmer-Haushalte hat sich im Bundesgebiet nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden von Mitte Dezember auf Mitte Januar erneut um 0,8 % auf 107,2 (1958=100) erhöht und liegt damit um 3,5 % über dem Stand von Januar 1961.

Besen, Besen, seid’s gewesen!

Wenn in der Zwischenkriegszeit die große Weltdepression vergebens nach einem Hexenmeister rief, der die chronisch gewordene Deflation banne, so sucht die hektische Überkonjunktur unserer Zeit mit ebensowenig Erfolg nach einer magischen Formel, die den wirtschaftlichen Schnellwuchs und seine Inflationsgefahren bremse.

Werbefachmann müßte man sein

Von Aräometerjustierer bis Zupfinstrumentenbauer reichen die anerkannten Berufsbilder mit vorgeschriebener Lehrzeit, mit Prüfungen und Diplomen.

Handwerker meinen: Do it yourself

Nanu, die Handwerker, früher ängstlich darauf bedacht, daß ihnen keiner ins Handwerk pfuschte, sind froh, wenn man nach dem Schiller-Zitat handelt: „Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ – was in der heutigen Umgangssprache übersetzt heißt: do it yourself! Wenn man den Demoskopen trauen darf, ist die Haltung der beiden biederen Handwerksmeister typisch für rund zwei Drittel der Handwerker, die sich durch die Selbsthilfe nicht nur nicht bedroht fühlen, sondern sogar entlastet.

Untermieter durchleuchtet

Wie viele Menschen – oder eigentlich „Miets-Parteien“ – leben bei uns in der Bundesrepublik in Untermiete? Die Beantwortung dieser Frage ist vor allem im Hinblick auf die Ermittlung des „Wohnungsbedarfs“ wichtig.

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