DIE ZEIT

Im Bann der Furcht

Wenn man bedenkt, daß monatelang auf hoher und höchster Ebene (Rusk / Gromyko, Thompson / Gromyko) verhandelt wurde, ehe sich die Diplomaten aus Ost und West hier in Genf zusammenfanden, und wenn man ferner bedenkt, daß es eineinhalb Jahre dauerte, ehe sie sich darüber einigen konnten, welche Staaten schließlich teilnehmen sollten – dann erscheint es doch ein bißchen kümmerlich, wenn gleich zu Beginn dieser Konferenz allenthalben die Meinung vertreten wird, sie werde zu gar nichts führen.

Krolls Abschied

Unsere Botschaft in Moskau wird in den nächsten Monaten kaum sehr aktionsfähig sein. Botschafter Kroll wird zwar nach Ostern an die Moskwa zurückkehren, aber nur für einige Monate.

Parteireform – aber wie?

Wohin ist die eherne Selbstsicherheit, mit der die CDU noch vor einem Jahr ihre innenpolitischen Gegner in die Schranken forderte? Die Septemberwahlen und der zermürbende Kampf um die Bonner Koalition haben sie gründlich erschüttert.

Sturm um Dehler

Wo das Feld der Politik brachliegt, da schießen munter die Affären ins Kraut, und in Bonn ist derzeit Affären-Hochsaison. Kaum ist der Spektakel um Botschafter Kroll verklungen, hat die Bundeshauptstadt schon ihre nächste cause célèbre: den Sturm um Thomas Dehler, ehemals Bundesjustizminister und FDP-Bundesvorsitzender, heute Vizepräsident des Bundestages.

Der „Amtierende” in Ostberlin

Einen Mann preisen sowjetische Diplomaten im Gespräch mit westlichen Journalisten immer wieder als „vernünftig“ an, als einen möglichen Nachfolger für Ulbricht, mit dem sich dann schon reden lassen werde: Willi Stoph.

Polizei auf den Barrikaden

Pardon wird nicht gegeben – dies wäre ein passendes Motto für den Streit, den der Innenminister von Nordrhein-Westfalen Dufhues mit der Polizeigewerkschaft (GDP) austrägt.

Zeitspiegel

Die Pläne für eine Europäische Raketen-Organisation sind jetzt ein Stück vorangekommen. Der Entwurf einer Konvention zur Gründung dieser Gemeinschaft ist den Regierungen der interessierten Länder zugeleitet worden.

Zivildienst für den Ernstfall

Das Gesetz über den Zivildienst im Verteidigungsfalle, das vom Bundeskabinett verabschiedet wurde und nun vom Bundesrat und vom Bundestag beschlossen werden soll, ist vor allem deshalb notwendig geworden, weil sich viel zu wenig Freiwillige für den zivilen Bevölkerungsschutz gemeldet hatten, Etwa 320 000 Personen werden für den Luftschutz-Hilfsdienst benötigt, aber trotz jahrelanger Werbung haben sich bisher erst 20 000 freiwillig gemeldet.

99,7 oder 99,8 Prozent?

Es Ist kaum anzunehmen, daß die Bevölkerung der Sowjetunion in der Nacht vom 18. zum 19. März gespannt an den Radios sitzen wird, um die Wahlergebnisse zu verfolgen.

Kommt das Drei-Parteien-System?

Kaum sechs Monate liegen die Bundestagswahlen zurück, und schon wieder rüsten die Parteien zum Wahlkampf. In vier Bundesländern werden in diesem Jahr die Landtage neugewählt.

Vom Westen enttäuscht

Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in Rom ist der polnische Primas Kardinal Stefan Wyszynski wieder nach Warschau zurückgekehrt.

War es Mord oder eine patriotische Tat?

Am 8. Februar 1962 veröffentlichte das „Bulletin“ des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung einen offiziellen Kommentar mit der Überschrift „Die Rolle Piecks“.

Bayern: Frau Constanzes Gewerbe

Auf dem Schreibtisch des Augsburger Oberstaatsanwalts Dr. Weiß lag kürzlich ein rosa Aktendeckel mit der Aufschrift: „Frau Constanzes Gewerbe“.

Nordrhein-Westfalen: Kaffeewasser aus der Dachrinne

Als sich die Bauern des Dorfes Bleiwäsche im Kreise Büren unlängst zusammenfanden, um den Vorabend einer Dorfhochzeit polternd zu begehen, rempelte einer das Dorfoberhaupt an: „Trink Bier, Wasser ist knapp.

Bremen: Wenn ein Polizist zu schnell fährt

Der Unterschied war eklatant. Während der Staatsanwalt für sein Plädoyer siebzig Minuten benötigt hatte, brauchte der Verteidiger des Wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Polizei-Hauptwachtmeisters nur acht Minuten.

Lockrufe aus dem All?

Können wir mit intelligenten Wesen auf fremden Planeten in Verbindung treten? Dieser Frage war vor einigen Monaten eine Konferenz gewidmet, die auf Einladung des amerikanischen Radio-Observatoriums in Green Bank stattfand.

Scherben...

In Amerika hat es Scherben gegeben. Als ein B-58-Bomber der US Air Force in 2 Stunden, 1 Minute und 39 Sekunden über den Kontinent von Los Angeles nach New York raste – und damit einen neuen Rekord aufstellte –, zersprangen auf der Erde die Fensterscheiben.

Der Mensch ist eingeplant

Wir hatten in der letzten Ausgabe den Platz auf dieser Seite der Begründung zum „Memorandum der Acht“ von Ludwig Raiser, Klaus von Bismarck und Carl Friedrich von Weizsäcker unter dem Titel „Warum wir das Wort ergriffen“ eingeräumt.

Der Schriftsteller und Zeitkritiker Kurt Ziesel

Wenn die Verantwortung endgültig ausverkauft ist, niemand sich mehr eigentlich „in Gesellschaft“ befindet, werden Stimmen laut: Wählerstimmen, Leserstimmen, Hörerstimmen, Seherstimmen; einhundert, vielleicht schon fünfzig „Zuschauerstimmen“, zu einem Fernsehprogramm etwa, das zehn Millionen Augenpaare gesehen haben, können erhebliche Unruhe stiften (manipuliert man diese „Stimmen“, provoziert man sie, hat man genau den demagogischen Nerv getroffen; man braucht sie nur zu „redigieren“ und hat „die Sache in der Hand“).

Kleiner Kunstkalender

Für die Leute, die es einem Maler übelnehmen, wenn er nach zwei oder fünf Jahren noch immer ungefähr die gleichen Bilder malt, ist Willem Grimm uninteressant.

Was ist „richtig“?

Die meisten geistesgeschichtlichen Fragen, auch die zeitgeschichtlichen, unterscheiden sich von der Frage „wieviel ist sieben mal sieben?“ eben dadurch, daß bei ihnen „das Richtige“ immer ein Annäherungswert ist; und eine von vielen Möglichkeiten, diese Annäherung zu vollziehen, besteht darin, „das Richtige“ als so eine Art Quersumme mehrerer richtiger, aufrichtiger Antworten zu verstehen.

Und wieder Karajan

Karajan wieder in unserem Besitz, durften die österreichischen Sonntagszeitungen melden. Der Streit um den Abgang des „künstlerischen Leiters“ der Wiener Staatsoper hat wochenlang in Wien die Gemüter erhitzt.

Zeitmosaik

Der Hauptartikel im politischen Teil der englischen Tageszeitungen vom Sonnabend war – einem Bild gewidmet: Leonardo da Vincis Vorzeichnung zu dem (im Louvre hängenden) Gemälde „Die Madonna und Kind mit Johannes dem Täufer und der heiligen Anna“.

Nichts fällt in Scherben

Zunächst sei fixiert, worüber der Streit geht. Rudolf Walter Leonhardt hat hier vor zwei Wochen darauf hingewiesen, daß dem „Dichter und Dramatiker Hans Baumann“ gegenwärtig Unrecht zu geschehen scheint, und er hat beschrieben, wie es zur Sackgasse kam, in der Baumann sich verrannte.

Der Student sei sittlich, wahrhaft, erfahren und ernst

Ein Gespenst geht um an den Hochschulen des Südweststaates. Kaum hat man einmal gemeint, nun sei es wirklich tot, schon ist es wiederda, immer ein bißchen anders frisiert, propagiert und diskreditiert, stets aber streng geheim.

Ist unser Waldensam echt?

Ich bin an sich kein Mensch, dem leicht Zweifel kommen. Und nie und nimmer wäre es mir eingefallen, an der Echtheit unseres Gemäldes „Abendfriede“ von Tobias Waldensam (1830-1928), das zu seiner Reihe bekannter Kuh-Darstellungen gehört (hier wird gerade eine von der Magd gemolken), zu zweifeln, wäre meine Frau nicht durch die Stuttgarter Rembrandt-Affäre aufgeschreckt worden.

Unsere Sprache: Zeitungsphilologen

Wer in einer Zeitung dafür wirbt, Sprache nicht gedankenlos zu brauchen, kann reinfallen. In der gleichen Nummer, in der er dafür plädiert, etwa ein Relativpronomen „die“, das sich auf einen Plural bezieht, doch bitte mit der Plural-Form des Verbs zu verbinden, obwohl man bei „die“ ja auch an einen weiblichen Singular denken könnte – in der gleichen Nummer also schreibt einer seiner Kollegen, den er nicht rechtzeitig gewarnt hat, just das Verpönte.

Hüben und drüben: Negativ

Kommt schon einmal eine leere Droschke, dann: ist sie besetzt. Wenn sich schon mal eine bundesrepublikanische Tageszeitung entschließt, ihre; Mitarbeiter und Leser über grundsätzliche Probleme der modernen Kunst und Literatur diskutieren zu lassen, dann wird die ganze Diskussion von vornherein durch eine falsche Fragestellung auf eine schiefe Ebene gedrängt.

Nippons Kult der „dicken Männer“

Kyudo wurde als edle Versenkungskunst sogar von einem deutschen Professor in einem schmalen, aber inhaltsschweren Büchlein, das die Wärme des begeisterten Adepten mit der Distanz des kühlen Beobachters verbindet, hoch gepriesen.

Film

„Zärtlich ist die Nacht“ (USA; Verleih: Centfox): Scott Fitzgerald, literarisch hochtalentierter Playboy im Amerika der „roaring twenties“ und der „verlorenen Generation“, der eleganteste und wohl zugleich tieftraurigste Schriftsteller jener Jahre, nennt sein Werk, das diesem Film zugrunde liegt und dessen subtil-ironischen Titel er einem Gedicht von Keats entlehnte, einen „Roman der Verelendung“.

Lollypop – mein Name ist Jensen

Der Lollypop ist nichts anderes als unser deutscher Schnuller, ein unentbehrliches Gerät zur Säuglingsberuhigung. Leif Panduro, ein erfolgreicher dänischer Schriftsteller, erkannte, daß diesem einzigartigen Sedativum eine die Kleinkindbeeinflussung weit überragende, allgemein sozialtherapeutische Bedeutung zukommt.

Fernsehen: Statt Planung – lauter Zufälle

Die wichtigen Dinge dieser Woche waren Wederholungen Claudels „Jeanne d‘Arc“ und Wilden Königinnen von Frankreich“. Blieben Paul Helwigs extrem läppisches Lustspiel „Flitterwochen“ und einige Komödien und Schwanke – die ganze Woche hindurch war man lustig gestimmt, und selbst Peter von Zahns Windrosen-Sendung Jeunesse dorée“ galt dem holden Larifari.

Theater

Ganz anders, als es Ballett-Fans erwartet hatten, ging der weltberühmte, russisch-amerikanische Choreograph als Regisseur an die Oper Tschaikowskijs heran.

Eine Milliarde für das Pfund

Bei den deutsch-britischen Finanzverhandlungen fiel am vergangenen Wochenende der Vorhang, allerdings ohne die Gewißheit, daß dem dritten Akt nicht doch noch ein Finale folgen wird.

Puzzle-Spiel in Brüssel

Der europäische Terminkalender ist voll. Die Reserven der beteiligten Regierungen an Experten sind erschöpft. Die Fachleute selbst zeitweise auch.

Porträt einer Marke: Rama: Das Lächeln der Frau M.

Ursprünglich hatte ich Zoologe werden wollen; meine Liebe galt den Fischen. Doch dann überlegte ich es mir anders...“ Dem Chefpsychologen einer der größten deutschen Werbeagenturen blitzt der Schalk aus den Augen.

Ärger mit Blei

Der amerikanische Senat geht wieder einmal seiner Lieblingsbeschäftigung nach, dem Untersuchen. Dieses Mal hat er sich nicht die Un-Amerikaner aufs Korn genommen, sondern die „Stockpiles“, d.

Therapie für die Preisbindung

In dem sich pausenlos produzierenden und leider auch nicht immer wohlklingenden Chor der Stimmen, mit denen die Interessenorganisationen der Bundesrepublik das Herz von Regierung und Gesetzgeber zu erweichen sich bemühen, verdient die des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), der Spitzenvertretung der Industrie- und Handelskammern, besondere Aufmerksamkeit.

Billigeres Pfund

Die Senkung des englischen Diskontsatzes vor einer Woche von 6% auf 5 1/2 %kann nur mit etwas „Zwang“ neben die gleichzeitig vereinbarte Devisenhilfe der Bundesrepublik an Großbritannien gestellt werden.

Horoskope für die Konjunktur

Gute Wirtschaftspolitik kann nur dann betrieben werden, wenn sich in Ansichten und Vorstellungen alle am Wirtschaftsprozeß Beteiligten ein richtiges Bild vom Geschehen machen können.

Der Unterschied

Taxichauffeure zählen zu den interessantesten und lohnendsten Informanden, die man in einer fremden Stadt überhaupt finden kann.

Weltmarktchance für Heinkel?

Was die Ernst Henkel Flugzeugbau GmbH in Speyer – zwar verspätet, aber noch nicht „zu spät“ – jetzt vorstellte, wird der Luftfahrtindustrie der Bundesrepublik vielleicht eine echte Exportchance für Verkehrsflugzeuge bieten.

Zeitraffer

Die Tarifverhandlungen im Baugewerbe sind nach vergeblichen Schlichtungsbemühungen endgültig gescheitert. Damit tritt ab 1. April in diesem Wirtschaftsbereich ein tarifloser Zustand ein.

Betriebs–Paten?

Wohl dem, der einen Paten hat. Das gilt nicht nur für den privaten Bereich. Auch im betrieblichen Alltag können Paten oftmals Wunder wirken und das schaffen helfen, was man heute ein gutes „Betriebsklima“ nennt.

Tauschgeschäft: Autos gegen Reifen

Trotz energischer Dementis wollen die Gerüchte über eine baldige Fusion der beiden großen französischen Automobilfirmen Citroën und Simca mit dem italienischen Fiat-Konzern nicht verstummen.

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