Feuilleton

Flötentöne von einst

Der Aufsatz Rudolf Walter Leonhardts läßt alles andere als Zwanglosigkeit und Unbefangenheit erkennen.

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DIE ZEIT

Ohne Maß

Als im Koalitionsausschuß kürzlich über die sich, bedrohlich verschärfende Finanz- und die schwieriger werdende Wirtschaftssituation gesprochen wurde, wies einer darauf hin, daß man der Masse der Bevölkerung nur dann werde mit gutem Gewissen die unvermeidlichen Sparmaßnahmen auferlegen können, wenn der provozierenden Genußsucht einiger Reichen – beispielsweise durch! entsprechende Steuermaßnahmen – entgegengetreten würde.

Kanonen statt Butter

Vor die Frage „Kanonen oder Butter?“ gestellt, * entschied sich Hermann Göring für Kanonen, weil ein totalitäres System nun einmal glaubt, ohne Kanonen verloren zu sein, während es meint, den Mangel an Butter mit Disziplin und Terror ohne weites überstehen zu können.

Tarnorganisation?

Wen lud sich die VVN (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes) zur Feier ihres 15jährigen Bestehens nach Frankfurt ein? Den SED-Staatssekretär Seigewasser diesen berufsmäßigen Kirchenverfolger, diesen Einpeitscher für die Jugendweihe.

De Gaulles Triumph

Es hat wenig Sinn zu fragen, welches Sprichwortanzuwenden sei, das deutsche "Was lange währt, wird endlich gut" oder das französische "mieux vaut tard que jemals" (besser spät als gar nicht): Zwar hört und liest man in Paris das eine wie das andere, samt den dazwischenliegenden Nuancen.

Zeitspiegel

Die Wahlstrategen der Republikaner haben eine Entdeckung gemacht, auf die sie sehr stolz sind: Sie haben herausgefunden, daß alle sieben Astronauten bei den Präsidentschaftswahlen 1960 für ein und denselben Kandidaten gestimmt hatten – für Kennedys Gegner Richard Nixon.

Washington wartet

Die Beziehungen Washingtons zu Moskau sind vielschichtig, und die Nachrichten aus Genf können infolgedessen kaum eindeutig sein.

Dehler nach dem Sturm

Unwillkürlich muß man an das Bild vom Wirbelsturm denken, in dessen Auge Windstille herrscht, während ringsum die Gewalten toben.

Englands Liberale im Vormarsch

Befinden sich Englands Konservative auf dem absteigenden Ast und sind dafür die Liberalen im Kommen? Seit die Ergebnisse der letzten Nachwahlen zum Unterhaus bekanntgeworden sind, wird diese Frage in England heftig diskutiert.

Das Vertragswerk von Evian

In Algerien schweigen nach sieben Jahren Krieg die Waffen. Die ganze Welt atmet auf – doch Frankreich hält den Atem an. Niemand bricht in euphorische Freudensbekundungen aus: die Franzosen bleiben nüchtern, abwartend, besorgt.

Um die Macht im Staate

„Ich muß Sie wohl mal wieder anschießen“, sagte der Kriminaloberkommissar zum Inspekteur der Polizei. Er schoß auch prompt – mit einer Presseverlautbarung, denn diese Episode stammt nicht aus einem Kriminalroman, sondern aus dem Düsseldorfer Polizeistreit (siehe DIE ZEIT Nr.

Kronprinz ohne Krone?

Die Macht des künftigen CDU-Generalsekretärs Dufhues soll beschnitten werden

Europa muß noch länger warten

Im Terres-Rouge-Gebäude am Boulevard Roosevelt in Luxemburg sollte am Dienstag europäische Geschichte gemacht werden. Die Außenminister der sechs Länder der Europäischen Gemeinschaft wollten – dies der Plan, dies, jedenfalls die Hoffnung – im gemeinsamen Anlauf die letzten Hürden nehmen, die die Götter des Mißverständnisses noch vor der politischen Union Europas aufgerichtet haben.

Nach Adam Riese

Was die Zeitungen den Autofahrern seit Jahren als Zukunftstraum verhießen hatten, wurde am vergangenen Mittwoch auf sieben Kilometern Bundesautobahn Wirklichkeit: Bundesverkehrsminister Dr.

Hamburs:: Streitwert: fünf Mark

Ein Hamburger Kaufmann wurde beschuldigt, seinen Wagen falsch geparkt zu haben, und sollte dafür auf der Stelle eine Buße zahlen: fünf Mark.

Mitbringsel

Am Montag kam ich an. Der Boy trug meinen. Koffer in den Fahrstuhl. Ich gab ihm fünfzig Pfennig. Er ließ das Fünfzigpfennigstück aber fallen und hob es erst auf, als ich sagte: „Da liegt es!“ Ich setzte mich ans Fenster und blickte auf den See und die Berge.

Gehören Intellektuelle in die Politik?

Das Wort. „Intellektueller“ ruft in Deutschland fast überall eine doppelte Assoziation hervor. Die eine gleicht jener, die sich bei den Amerikanern einstellt, wenn jemand als „Eierkopf“ bezeichnet wird.

Entrüstung über Henry Miller, 1962

Los Angeles – Chikago – Philadelphia – Atlanta – Seattle – St. Louis – Buffalo – Phoenix – Oklahoma City und, und, und... halten im Jahre 1962 eine Ko-Existenz ihrer Stadt mit Henry Millers Buch „Wendekreis des Krebses“ für nicht möglich.

Kleiner Kunstkalender

Der Kunsthändler Wolfgang Gurlitt hat vor fünfzig Jahren angefangen, manieristische Bilder zu sammeln, zu einer Zeit, als Manierismus etwas Negatives bedeutete, eine Verfallserscheinung, das Wellental zwischen Renaissance und Barock.

Mein Stück – meine „Lehre“

Einige Tage bevor Marcel (Reich-Ranickis) Erwiderung auf R.W. Leonhardts eingehenden Artikel über mich in der ZEIT erschien, erhielt ich von Leonhardt einen Brief, in dem es heißt: „Wenn wir es nicht lernen, Brücken der Fairneß von Welt zu Welt zu finden, dann wird es vielleicht bald überhaupt keine Welt mehr geben.

Die eine Unterlassungssünde

Eine andere Frage ist: Wer kann und wer darf verzeihen? Nun, nach meiner Ansicht niemand, weder die Juden noch die politisch Verfolgten noch sonst jemand, der unter dem Dritten Reich gelitten hat.

Werner Haftmann

Der Festakt im Hamburger Rathaus soll am 28. März stattfinden. Der Preisträger wird eine Rede über Lessing halten. Das mag überraschen, denn man kennt Haftmann meist nur als Verfasser von viel beachteten (auch in fremde Sprachen übersetzten) Büchern und Aufsätzen über die bildenden Künste der Gegenwart.

Verwalter des Jammers

Schon die Auseinandersetzung, die dem Erscheinen von Leonhardts Artikel „der Dichter und Dramatiker Hans Baumann“ vorausging, leuchtet nicht ein.

Ein schöner Trost

Für Menschen, die häufig an Kummer leiden, kommt tröstliche Kunde. Bekanntlich war es schon immer leicht, den Erreger eines Kummers, etwa eines Liebeskummers, zu lokalisieren, aber bisher unmöglich, eine wirksame Heilmethode zu entwickeln.

Was geschieht, wenn..?

Ich habe das Stück nur gelesen, nicht gesehen; mit meiner Legitimation, über die Ergiebigkeit einer bühnenmäßigen Realisierung der „Fische“ zu reden, ist es also ziemlich bescheiden bestellt.

Die Oper ist zum Singen da

Doch der Verlag gab den Zuschlag für die deutschsprachige Erstaufführung dem novitätenfreudigen Wiener Burgtheaterdirektor Ernst Häußermann, der auch Anouilhs Stück zuerst in deutscher Sprache aufgeführt hatte.

Zeitmosaik

Das Goethe-Institut zur Pflege deutscher Sprache und Kultur im Ausland feierte dieser Tage sein zehnjähriges Bestehen. Seine Unterrichtsstätten in der Bundesrepublik und in Westberlin wurden bis Anfang dieses Jahres von rund 30 000 Studenten und Praktikanten aus 107 Ländern besucht.

Vor den Türen des Spaniers Antonio Tapies

Aktuell waren vor ein paar Jahren Pollock und Wols, waren Dubuffet und de Stael. Heute ist es der Spanier Antonio Tapies, den vor zehn Jahren niemand kannte.

Nr. 12 vom 20. März 1952: Notenlesen

Als der Inhalt der sowjetischen Note über den deutschen Friedensvertrag bekannt wurde, war man sich im Westen – ohne vorherige Verabredung – völlig einig darüber, daß sie ein schlechtes Machwerk sei, nur dazu fabriziert, die Verhandlungen über einen deutschen Wehrbeitrag zu stören.

Sehr tragisch, sehr human

Da ist, um mit dem zu beginnen, was mir als das Bedeutendste erscheint, der achtzig Jahre alte Tolstoj, der weiß, was das absolut Gute ist, mit wahnsinniger Kraft dazu auffordert (andere – aber auch sich selber) und es doch nicht tun kann, weil er Mitleid mit seiner Frau hat, die ihn unendlich und gleichfalls ins Unmögliche vorstoßend, aber doch auch ganz menschlich liebt.

Die Nacht ist voller Clowns

Fragt man einen sachverständigen Deutschen, was das „absurde Theater“ der Ionesco Beckett, Adamov eigentlich sei, wird er vermutlich antworten: ein Stück Weltanschauung, als Clownerie verkleidet.

Hüben und drüben: Unbarmherzig

„Immer ist es bei ihm (Holthusen) der ‚Mensch überhaupt und von Herzens, wegen‘, der als Pendel die kritische Uhr ins Lot bringt, und da dieses Pendel im leeren Raum der Brust schwingt und so Verschiedenartiges ausbalancieren muß, kann man es wohl utopisch nennen.

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK 14. März, das Hörspiel:: „Der Gerechte“

Ein gutwilliger Kommandant der deutschen Besatzungsarmee sucht den jugoslawischen Kreisrichter seines Ortes zu bestimmen, ihm unter zehn unschuldigen Geiseln einen als Schuldigen an einem nicht mehr aufzuklärenden Überfall der Maquisards zu bezeichnete Das ist die Ausgangssituation des Hörspiels von Mirko Bozic.

Film

„Die Siebzehnjährigen“ (Frankreich; Verleih: Pallas): Der französische Titel „Les Nouveaux Aristocrates“ (Die neuen Aristokraten) trifft den Fall besser.

Theater

„Eli“ von Nelly Sachs Die Woche der Brüderlichkeit bildete den Anlaß, einen von der Stadt Dortmund neu gestifteten Kulturpreis der 70jährigen Nelly Sachs zu verleihen.

Fernsehen

Eine Woche, die – vom unaufhörlich auf allen Kanälen vonstatten gehenden Eisgehüpfe abgesehen – ganz und gar im Schatten der Politik stand.

Das „Positive“ in sowjetischen Filmen

Nicht aus irgendeinem Dutzendfilm der Stalinzeit stammt dieser Dialog, sondern aus einem Film neuester sowjetischer Produktion, dessen Regisseur Kalatosow bereits Aufsehen erregte.

Rebellion in der Baubude

Georg Leber riß der Geduldsfaden – Lohnpolitik, mit allen Konsequenzen, „sachlich“ gehandhabt

Ostblock bescheiden

Vor einem Jahr publizierte die Organisation für Europäische Zusammenarbeit (OEEC) einen Bericht über den Umfang der Mittel, die den Entwicklungsländern aus Industriestaaten zuflössen.

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