Von Johannes Jacohi

Von der Buchausgabe des neuen Stückes von Max Frisch, „Andorra“, ist soeben, wie der Suhrkamp Verlag mitteilt, das zwanzigste Tausend erschienen. Dieses Stück, das auf so starkes Leserinteresse stößt, wurde bisher an fünf deutschen Bühnen gespielt. Der Theaterkritiker der ZEIT war, vermuten wir, der einzige, der alle fünf Aufführungen gesehen hat. Er schildert hier Frischs Stück, wie es sich auf fünf Bühnen bewährte – fünf Bühnen, wie sie sich bewährten an Frischs Stück.

Bei der Uraufführung von „Andorra“ stand fest: dies ist für deutschsprachige Theater „das Stück des Jahres“.

Es wurde damals, im November 1961, aber auch schon die Möglichkeit angedeutet, in Deutschland könnte Max Frischs „Modell“ Variationen erfahren. Gemeint waren Variationen durch die Zuschauerresonanz und durch die Inszenierungen.

Überraschenderweise ergaben sich bei der „deutschen Erstaufführung“ keine besonderen Gesichtspunkte. Diese Erstaufführung hatte gleichzeitig in München, Düsseldorf und Frankfurt stattgefunden. Das wurden drei lokale Premieren, mehr oder weniger gut. Den Rang und die Schlüssigkeit der Zürcher Uraufführung erreichte keine.

Erst jetzt, durch die Berliner „Andorf-Inszenierung, gibt es eine bemerkenswerte „Variante“. Sie ist das Werk des Regisseurs Fritz Kortner und des Bühnenbildners Hansheinrich Palitzsch.

Das Barlog-Ensemble erwies sich als Wachs in Kortners Hand. Der Regie-Gast konnte sich im Berliner Schiller-Theater eine Traumbesetzung wählen und mit ihr so lange proben, bis seine eigene Werk-Vision Gestalt geworden war.