Von Johannes Jacobi

Der Kampf um ein Theaterstück, "Die Teufel" von John Whiting, hat in Berlin den Blick in Hintergründe freigegeben, die mehr als einen lokalen Streit erkennen lassen. In der ZEIT haben wir am 9. März berichtet, daß Whitings Schauspiel von der Berliner Theaterkritik (trotz der Aufführungsleistung des Schillertheaters, die die meisten anerkannten) "verrissen" wurde; und den Buh-Rufen von Zuschauern gegen den anwesenden britischen Autor seien Proteste katholischer Stellen in Berlin gegen die Stückwahl gefolgt.

Den Angriffen gegen die Intendanz des Schillertheaters schloß sich in einer vom Sender RIAS veranstalteten Diskussion überraschenderweise auch der Berliner Senator für Volksbildung, Professor Tiburtius, an. Daß er dieses Stück als eine Kränkung für Gläubige empfinde, habe er, der für die städtischen Theater zuständige Senator, schon nach der Lektüre dem Intendanten Barlog und dessen Chefdramaturgen Albert Beßler zu verstehen gegeben; ebenso, daß er es lieber nicht gespielt sähe. Doch: "Bei uns macht den Spielplan der Intendant, nicht der Senator."

Die Vertreter der Berliner Katholiken brauchten auf solche Loyalitäten keine Rücksicht zu nehmen. Daß Monsignore Erich Klausener, Chefredakteur und Kulturpolitiker der Berliner Kirchenzeitung, in seinem "Petrusblatt" Whitings "Teufel" und den Spielplan der Barlog-Bühnen vom katholischen Standpunkt aus kritisierte, war sein gutes Recht.

Ein Protest des Berliner Katholikenausschusses ließ jedoch aufhorchen. Schließlich stellte sich heraus, daß aus diesen Kreisen schon vor der Premiere recht merkwürdige Schritte unternommen worden waren. So hat sich das erzbischöfliche Ordinariat mit der Forderung an den Regierenden Bürgermeister und an das Abgeordnetenhaus gewandt, sie möchten auf den Spielplan der öffentlich subventionierten Barlog-Bühnen Einfluß nehmen und die Aufführung von Whitings Teufeln verhindern.

Es ging also doch um mehr als um eine Stellungnahme zu der Frage: "Soll man heute Brecht spielen?", als im Oktober vergangenen Jahres 68 Bühnenleiter der Bundesrepublik und Westberlins mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit traten, in der sie an "die persönliche Verantwortung des Intendanten für den Spielplan" erinnerten. "Es ist bekannt", hatte der Vorsitzende der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein bei der Bekanntgabe der Erklärung hinzugefügt, "daß in einer Stadt konfessionelle Jugendverbände es abgelehnt haben, Lessings ‚Nathan‘ zu besuchen. Was heute mit Brecht geschieht, kann morgen auch Claudel blühen."

Und ob es blüht! In Hamburg nahm vor kurzem die "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit" die Aufführung des Schauspiels "Im Zeichen der Fische" von Hans Baumann zum Anlaß, bei der Jugendbehörde und der Kulturbehörde des Senats zu protestieren. Das Stück war vom Kulturring der Jugend und von der Volksbühne besucht worden, womit die Grundlage für eine längere Vorstellungsreihe geschaffen wurde. "Wir dürfen wohl erwarten", hieß es in dem Brief an zwei Hamburger Senatoren, "daß es möglich sein wird, diesen Fehlgriff im Veranstaltungsplan des Kulturrings der Jugend (bzw. der Volksbühne) zu korrigieren und Baumanns Stück abzusetzen."