Politik

Die Seuche in Ostberlin

T n unserem Tal des deutschen Jammers ist ■■ Krankheit nicht mehr für alle ein beklagenswerter, hilfeheischender Zustand, sondern oft eher Anlaß zu politischer Auseinandersetzung.

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DIE ZEIT

Adresse verloren

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, türmten sich in Deutschland die Geröllhalden. Als man daranging, die Schäden zu registrieren, stellte sich heraus, daß vier Millionen Wohnungen in der Bundesrepublik zerstört worden waren.

Ein Europa der offenen Tür

Gerhard Schröder, der als Innenminister durch mancherlei von sich reden gemacht hat, nur nicht durch gewandte Kompromißbereitschaft, hat nun als Außenminister die Chance, einen ersten bemerkenswerten Erfolg eben durch einen Kompromiß zu erzielen.

Ja für de Gaulle

An diesem Ja gibt es nichts zu deuteln. Das französische Volk hat die Vereinbarungen von Evian ratifiziert, Algerien aus dem französischen Staatsverband entlassen und die Ambitionen der OAS in der Metropole vom Tisch gefegt.

Was Strauß jetzt will

Regierungserklärungen sind nicht für die Ewigkeit gezimmert; manche veralten schon binnen weniger Monate. Letzte Woche wurde vor aller Öffentlichkeit eine der Planken aus der Plattform herausgebrochen, auf der die Bundesregierung im vorigen November vor das Parlament getreten war: die Planke „Vierte Atommacht NATO“.

Debatte vor leeren Kassen

Leere Kassen wirken erzieherisch. Früher haben sich die Fraktionen bei Haushaltsdebatten in kostspieligen Verbesserungsvorschlägen gegenseitig überboten, jetzt sind sie damit sehr viel zurückhaltender.

„Uhuru“ für Kenia

Die britische Regierung kann zufrieden sein – die Kenia-Konferenz kam ihr nicht allzu teuer zu stehen. Sie dauerte zwar sieben Wochen, kostete aber nur knapp vier Millionen Mark.

wer....was....wo....warum...

Wiederholt sich damit in Syrien, was sich im letzten Jahr in der Türkei abspielte? Auch in Damaskus scheinen die Militärs nicht willens zu sein, die einmal gewonnene Macht völlig aus der Hand zu geben.

Zeitspiegel

Nach Meldungen aus Belgrad hat Moskau unlängst den Wunsch geäußert, die Beziehungen zu Jugoslawien wieder zu verbessern und einen Ausgleich der noch bestehenden Gegensätze zwischen den beiden Ländern anzubahnen.

Zurück nach Washington

Ich bleibe in Berlin, solange Präsident Kennedy und die Berliner mich brauchen“, hatte General Clay im vorigen September gesagt, ehe er als Sonderbotschafter des Weißen Hauses nach Berlin ging.

Gestern Häftling, heute Präsident

Er ist klein, und alles an ihm hat eine rundliche Form – seine Gestalt, seine Gesten. Der Schnurrbart, die starken Augenbrauen, die lebhaften Augen haben die Farben von Anthrazit.

Ping-Pong mit dem Osten

Es standen auch beim dreizehnten deutsch-englischen Gespräch von Königswinter noch manche altehrwürdigen Skelette im Schrank.

Was gelten die Beamten?

Die englische Öffentlichkeit weiß wenig von den Männern an der Spitze des Civil Service, und am allerwenigsten von den Beamten im Schatzamt.

Keine Chance für Tschiang

Die Lage ist so, daß wir nicht länger passiv abwarten können, ob irgendetwas passiert. Die heilige Expedition, die unser Volk retten und die Verräter ihrer Strafe zuführen wird, kann jederzeit beginnen Es war Generalissimus Tschiang Kaischek, der greise Herrscher über Formosa, der in der vorigen Woche so starke Worte gebrauchte.

Europas Politische Union – schon heute?

In den beiden letzten Nummern der ZEIT hat Lord Gladwyn die Schwierigkeiten geschildert, die einem Beitritt Englands zur EWG vorläufig noch entgegenstehen.

Wie hoch ist die höhere Schule?

Aus der Schule plaudern“ – das galt früher als unfein, wenn nicht gar als unrecht. Man hat es alle Zeit für besser gehalten, der Schule „kräftig dreinzureden“.

Hüben und drüben: Gesinnung

Neulich habe ich eine gute Buchbesprechung gelesen. Sie endete mit den Sätzen: „Was ich hier also wünsche, wäre dieses, daß die Beziehung aller einzelnen Glieder des Romans auf jenen philosophischen Begriff noch etwas klarer gemacht würde.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT 50 Seiten aus dem „Buch der Lieder“, 36 Seiten aus den „Neuen Gedichten“, 88 Seiten aus den „Zeit- und Kampfgedichten“, 12 Seiten aus dem „Atta Troll“, 26 Seiten aus „Deutschland – ein Wintermärchen“, 138 Seiten aus dem Romanzero, 9 Seiten nützliche Anmerkungen und 24 höchst lesenswerte Seiten Vorwort des Herausgebers.

Angesichts einer todkranken Epoche

Spät, erst als der Nachschub ausging, hat man sich im verlegerischen Produktionsfieber unserer Tage darauf besonnen, daß wir es ohne die ältere schwerlich zu einer modernen Literatur bringen werden.

Schwarz und Weiß

handeln von Schwarzen, denen die Flucht unmöglich ist und auch nichts nützen würde. Denn das Paria-Dasein, zu dem sie verurteilt sind, hat sie rettungslos demoralisiert und verstört.

Trockenes Salz der Wirklichkeit

Wallace Stevens hätte, wäre er seinem Beruf poetisch verbunden gewesen, Ezra Pounds grandios-blödsinnige Wirtschaftstheorien in den Cantos berichtigen können.

Im ebbenden Meer zu vergessen

Daß ein vierundzwanzigjähriger Anfänger namens Christoph Mangold ein langweiliges und sehr schlechtes Romanmanuskript verfertigt hat – was kann uns das kümmern? Nichts.

Shaw im Stile Shaws

zum Opfer gefallen. Shaw läßt seinen resignierten Helden vom NATO-Schreibtisch in Paris nach Rom ins Filmatelier fliegen. Dort begegnet er den Partnern seiner frühen, erfolgreichen Jahre wieder, muß sich mit derzeit jungen Leuten auseinandersetzen, trifft die charmant gealterte erste Frau und wird von ihr wieder zum fühlenden Wesen gemacht.

Verwickelter Urlaub

Auf diesem Korso lernen die beiden eine Reihe von Menschen kennen, die sie zu einem Urlaubs-Bekanntenkreis zu einigen versuchen, ohne die sozialen Unterschiede oder die verborgenen Spannungen und Leidenschaften zwischen ihnen zu erkennen.

Vogel im Spind?

Karl Valentin, der Münchner Humorist und Poet ohne Reime, hat einmal, wie er dem Publikum erzählte, „probeweise den Kanarienvogel ins Aquarium und den Goldfisch ins Vogelhäusel getan.

Mittelpunkt schwankender Bilder

heute den fünften Band der sich langsam vollendenden Gesamtausgabe. Es ist eigentlich kein Roman, sondern „eine Biographie“.

Offener Brief über Offene Briefe

In der Aprilnummer der Zeitschrift „Das Schönste“ hatte einer der beiden Chefredakteure dieser Zeitschrift, Herr Dr. Kurt Fassmann, einen Offenen Brief an den „lieben Herrn Kesten“ und den „sehr geehrten Herrn Johnson“ gerichtet, in dem er den alten Mailänder Streit noch einmal aufwärmte und auf nicht besonders glückliche Weise den beiden Adressaten ins Gewissen redete.

Zum Lachen oder Weinen?

In Amerika ist ein Buch erschienen (,The Image – what happened to the American Dream‘), in dem Professor D. J. Boorstin seinen Landsleuten vorwirft, es gebe kein Volk auf Erden, das die Wirklichkeit so sehr durch Wunschbilder von der Wirklichkeit ersetzt.

Brief an einen ganz jungen Autor

Geht es hier um „Interna“ des Literaturbetriebes? Gewiß insofern, als die von Martin Walser geschilderten Szenen nur einem kleinen Kreis von Literaten vertraut sind.

Das verlorene Lachen

Dreißig Minuten später klingelte Dr. Mahési nach seiner Assistentin, da sie keinen der draußen wartenden Patienten hereinführte.

7. April, das Hörspiel:: „Der Karpfen“

Das Thema Ehe läßt die zeitgenössische Literatur nicht los. Aber es ist weniger die erfüllte, die glückliche Ehe, von der sich die Autoren inspirieren lassen, als vor allem das trübselige Dahinvegetieren, die endlose Gefangenschaft.

Dramaturgen sollten Romane prüfen

Vergangene Woche hatte man mehrere Male Anlaß, über das Verhältnis von Erzählwerk, Drama und Fernsehen zu meditieren. Zwei Bühnenwerke und zwei Romane waren für den Bildschirm zurechtgemacht worden, wobei die Gewichte auch sonst noch ziemlich gleichmäßig verteilt waren; beide Gattungen waren mit je einem klassischen und einem modernen Produkt vertreten: Neben Raimunds poetischem Zaubermärchen „Alpenkönig und Menschenfeind“ stand Henry James’ geheimnisvoll-übersinnlicher Geisterroman „Die sündigen Engel“, außer mit dem angestrengt-kurzatmigen „Hausmeister“ Harold Pinters sah man sich mit Dieter Meichsners Roman „Die Studenten von Berlin“ konfrontiert, aus dem der Autor einen erzählerischen Nebenstrang zu einem Fernsehspiel verarbeitet hatte.

Film

„Ein Pyjama für zwei“ (USA; Verleih: Universal): Weniger seiner eigenen Qualitäten wegen, mehr als typisches Beispiel einer neuen Serie ist dieser Film bemerkenswert.

Theater

Ein Jahr nach dem – politisch mitbedingten – Uraufführungsskandal in Venedig fand die deutsche Erstaufführung von Nonos „lyrisch-epischem Pamphlet gegen die Grausamkeit, die Intoleranz“ unseres Jahrhunderts in Köln „ein weltstädtisches Premierenpublikum, das atemlos sah und hörte und dann erst seinen Meinungen und Leidenschaften freien Lauf ließ“: 18 Minuten Kampf zwischen „Buh“ und Beifall.

Kleiner Kunstkalender

„Affen und Alphabete“ heißt das neueste Opus von HAP Grieshaber, dem exzentrischen, angriffsfreudigen Schwaben, der seine künstlerischen Wahrheiten ausschließlich in Holz schneidet, weil ihn das harte, widerspenstige Material zur Härte, zur klaren Form, zur eindeutigen Aussage zwingt, und der mit bestem Erfolg die Rolle des Hechts im Karpfenteich eines konformistischen Kunstbetriebes spielt.

Nr. 15 vom 10. April 1952: Verbotene Trauer

Gegen den deutschen Kompaniechef einer in Werl stationierten Arbeitseinheit der Besatzungstruppen ist auf Anweisung britischer Dienststellen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, weil vier Männer seiner Einheit in Uniform am Sarge des im Gefängnis in Werl verstorbenen deutschen Generals Mälzer einen Kranz niedergelegt haben.

Ärger in Prozenten

Als betrübliches Resultat hat sich ergeben, daß 59 Prozent der Befragten sich „in den letzten sieben Tagen über irgendeinen Menschen besonders geärgert haben“.

Herr Karl in München

Man mag bedauern, daß er seit seinem explosiven Fernseherfolg zu ausgiebig beredet worden ist, daß manche seiner drastischsten Pointen schon wochenlang durch den Blätterwald gezerrt und somit bereits verbraucht waren, bevor der g’waltigt Helmut Qualtinger sein und seines Mitautors Carl Merz gemeinsames Produkt in beinahe einstündiger Soloszene leibhaftig präsentierte.

Unsere Sprache: Ihr großes Ich

bitte stoßen Sie sich nicht an der Vertraulichkeit der Anrede – wie Sie mir, so ich Ihnen. Die Sache ist die: auf einer vorgedruckten Karte, himbeerroter Karton, Format DIN A 5, die mir aus einem Ihrer schönen Bücher entgegenflatterte und mich als einen Freund Ihres Hauses begrüßte (guten Tag auch), bitten Sie mich, Ihnen zu bestätigen, daß mir Ihr Buch (den Titel darf ich immerhin nach Belieben selber einsetzen) gut gefallen habe und daß sowohl ich als auch meine Freunde und Bekannten der Produktion Ihres Verlages weiterhin mit unverbindlicher Kauflust gegenüberzustehen gedenken.

Mein Bild

Es ist wohl an die zwölf Jahre her, daß ich mein Bild im Hause eines Schweizer Freundes zum ersten Mal sah. Er ist ein Kenner der modernen Malerei und zudem Besitzer einer Sammlung von ausnahmslos nicht-gegenständlichen Bildern.

Letztes Jahr in Omaha

ich weiß nicht, ob Ihnen viele Leute das geschrieben haben – aber ich muß Ihnen doch sagen, daß ich heilfroh und schrecklich dankbar bin, weil doch noch einmal alles gut gegangen ist.

Zeitmosaik

Die „Oscars“ der amerikanischen Filmakademie sind in Santa Monica bei Hollywood vergeben worden. Den Oscar für den besten Film des Jahres 1961 erhielt „West Side Story“ (United Artists), den Oscar als beste Schauspielerin bekam die Italienerin Sophia Loren für die Hauptrolle in dem Film „.

Atomstaub für Westberlin

Helle Aufregung herrschte im zonalen „Kontrollobiekt“ , von Marienborn bei Helmstedt: Der Fahrer eines westdeutschen Fernlastzuges mit großen Kesselaufbauten wollte endlich einmal der vielen Fragerei nach dem Ziel, der Ladung und den üblichen Papieren ein schnelles Ende setzen.

Bayern: Pro Jahr nur eine Büste

Zwischen einem Gesangsvortrag der Regensburger Domspatzen und weiteren. musikalischen Darbietungen wird Bayerns Kultusminister Maunz die Büste des Hygienikers Max Pettenkofer enthüllen – in der Walhalla bei Donaustauf.

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