DIE ZEIT

Ostern

Als ER in die Hauptstadt einritt, bereitete IHM die Bevölkerung einen demonstrativen Empfang. Aus sehr unterschiedlichen Motiven! Die einen hofften, ER würde für Brot sorgen, wirksame Maßnahmen gegen die Seuchen ergreifen und die Anmaßung der Reichen eindämmen.

Lektion der Mauer

Hat das deutsche Volk die Lektion des 13. August 1961 ebensowenig begriffen, wie es fünf Jahre zuvor die Lehre aus dem tragischen Scheitern der ungarischen Revolution gezogen hat? Es will so scheinen.

Wer hat den Schaden?

Die Bonner Indiskretion hat nach hiesiger Auffassung Außenminister Rusks Verhandlungsposition gegenüber Botschafter Dobrynin empfindlich geschwächt.

Der Zwist mit Washington

Es war ein großes Wort, gelassen ausgesprochen „Meine Damen und Herren“, so der Bundeskanzler am Freitagvormittag im Bundestag, „das möchte ich Ihnen hier sagen, und jedes Wort davon ist überlegt: Die Beziehungen zwischen uns und den Vereinigten Staaten und auch die Beziehungen zwischen Präsident Kennedy und mir sind so gut, wie sie nur je gewesen sind, einschließlich der Administration Eisenhower-Dulles, und das ist doch das Wichtigste von allem.

Faust oder Auge

Die Berlin-Politik Kennedys ist vorsichtig, geduldig, aber im Kern fest. Er hatte den General Clay als sein wachsames Auge entsandt und als ein Symbol.

Schnell, brillant – und unbefriedigend

Bundesverteidigungsminister Strauß hat als Zeuge vor dem Fibag-Auschuß keine schlechte Figur gemacht. Geschickt in seiner Argumentation, robust im Angriff wie in der Parade, nie um eine Deutung verlegen, die wenigstens im Augenblick bestechen konnte, überspielte er seine kritischen Ausfrager von der Linken leicht – mitunter sogar brillant.

wer....was....wo....warum....

• GENF – Auch die sechste Woche der Genfer Abrüstungsverhandlungen brachte keine Fortschritte. Im Brennpunkt der Diskussion steht jetzt ein Vermittlungsvorschlag der Neutralen, der Elemente der westlichen und der östlichen Pläne verbindet: vorwiegend nationale Kontrollposten, doch internationale Inspektionen – eventuell durch Neutrale – bei Feststellung verdächtigter Ereignisse.

Noch einen Koffer in Berlin?

Im Gästehaus des Senats, genau da gelegen, wo der Grunewald endlich anfängt ein Wald zu werden, empfing Berlins Regierender Bürgermeister, Willy Brandt, am Dienstag, dem 10.

Kompromiß in Helsinki

Nach sechs Wochen ist es Finnlands neuem Regierungschef Ahti Karjalainen endlich gelungen, eine Mehrheitsregierung zu bilden.

Zeitspiegel

Die französische Regierung hat den „Vertrag über gute Nachbarschaft und gegenseitige Verwaltungshilfe“ gekündigt, den Frankreich im Jahre 1951 mit dem Fürstentum Monaco geschlossen hatte.

Der Prozeß gegen die „Geheimarmee“

Jetzt geht es bei einem Manne, der die Welt erschüttern half, um Leben und Tod. Aber die vergoldeten Gitter vor dem Justizpalast auf der Seine-Insel glänzen heiter im ersten, warmen Frühlingslicht.

Vertrauensmann Pompidou

Die Fünfte Republik ist in eine neue Phase eingetreten. Doch beginnt sie nicht mit einer Neubestellung des Parlaments, sondern mit einer Kabinettsumbildung.

Kein Rat aus Rapallo

Vierzig Jahre nach dem deutsch-sowjetischen Vertrag: Die historischen Akten und die politische Gegenwart

Versöhnungsfühler Moskau – Peking?

Die Beziehungen zwischen Moskau und Peking bieten der Welt aufs neue Stoff zum Rätselraten. Die Tagung des chinesischen Volkskongresses hinter verschlossenen Türen, eine angekündigte Schwenkung der chinesischen Wirtschaftspolitik, die erneute Veröffentlichung chinesischer parteioffizieller Artikel in der Sowjetpresse und eine (wenn auch begrenzte) Zustimmung Pekings zu den sowjetischen Abrüstungsvorschlägen – diese Vorgänge der letzten Wochen haben zu einer Fülle von Vermutungen Anlaß gegeben.

Bremen: Wahrheit, klug dosiert

Wenn es um unangenehme Wahrheiten geht, von denen es bei einem so heiklen Thema wie dem zivilen Bevölkerungsschutz einige gibt, scheint Bundesinnenminister Hermann Höchel mit zweierlei Zungen zu reden.

Schleswig-Holstein: Ein Anwalt tut das nicht

Streit um Tonbandaufnahmen hat es schon oft gegeben; nicht nur in Bonn. Mit einem gar seltsamen Tonbandstreit indes hatte sich unlängst der Siebente Zivilsenat des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichtes zu befassen.

Bayern: Wer dem bayerischen Staat glaubt...

Möglicherweise klingt es respektlos, aber es ist gerichtsnotorisch: Wer dem bayerischen Staat glaubt, nachdem ihn der bayerische Staat ruiniert hat, ist dämlich und an seiner Dämlichkeit selber schuld.

Flucht über die Oder

Erst vor wenigen Tagen standen wieder zwei junge Männer vor dem Kreisgericht in Frankfurt (Oder). Sie hatten versucht nach Polen zu fliehen.

Hamburg: Und zum Abschied Gulasch

Die ältliche Verkäuferin an Tisch vier seufzte: "Soviel Gulasch – und ich esse wie ein Spatz." Die Kartoffeln aß sie nicht, und auf ein ganz kleines Stück Fleisch legte sie ein kleines Stück Gurke.

Später Sieg Lacombes

Der heißumstrittene Wasserturm auf dem S-Bahngelände am Gesundbrunnen wird jetzt von Arbeitern aus Ostberlin abgetragen. Der Turm stand in Westberlin, aber auf dem Gelände der Ostberliner Reichsbahn.

Von Adam bis Adenauer

Auch die höhere Schule, die durch Wissen bildet, bleibt eine Schule für das Leben. Das „Leben lernen“ und das „Lernen lernen“ müssen Hand in Hand gehen.

Der Schriftsteller und Philosoph Ernst Jünger

Mit Recht sind Bedenken geltend gemacht worden: Es sei ein Unding, in einer offenbar doch auf Zusammenhang bedachten Artikelfolge Hans Baumann, Kurt Ziesel und Ernst Jünger hintereinanderzustellen.

Kleiner Kunstkalender

Radierungen von Max Klinger (1858–1920) – ist das ein Zufall, eine Verlegenheitslösung, um eine Lücke im Ausstellungsprogramm zu füllen, oder ein ernsthafter Versuch, den Künstler aus der Versenkung, in der wir ihn für immer verschwunden glaubten, ans Licht zu ziehen? Der Jugendstil wurde, mit halbem Erfolg, rehabilitiert.

Die Macht der Schauspieler

Wenn sie alle beisammen sind, heimgekehrt von Auslandsgastspielen und auswärtigen Teilverträgen, von Film- und Fernsehverpflichtungen, dann kann man bei Gründgens in Hamburg wieder einmal ein Stück spielen, das es eigentlich gar nicht mehr gibt, an das sich heute keine schwache Besetzung wagen dürfte: „Vom Teufel geholt“.

Sechs Millionen zum Vergnügen

Bilder werden zum Vergnügen gekauft, als Statussymbol oder (vorläufig noch) als gute Kapitalanlage – und verkauft, wenn man keine rechte Freude mehr an ihnen findet; wenn man das Zeitliche gesegnet hat oder weil sich (vorläufig noch) ein schöner Kapitalgewinn herausschlagen läßt.

Ebert:: Die Frauen der Freunde

Im Grunde kann ich nicht begreifen, warum meine Freunde überhaupt heiraten müssen. Von mir aus gesehen, besteht dazu nicht die geringste Notwendigkeit, und unserer Freundschaft leisten sie damit gewiß keinen guten Dienst, Allerdings habe ich eine viel zu hohe Meinung von meinen Freunden, als daß ich ihnen die Schuld dafür geben würde.

Zeitmosaik

Max Frischs Schauspiel „Andorra“ wurde in Lissabon, sein „Graf Oederland“ in Rom von der Zensur verboten. Wir können den Zensoren nicht Recht geben.

Mein Bild

Für mich als Museumsmann ist „mein Bild“ immer in sehr aktuellem Sinne – und also häufiger wechselnd – die jüngste Erwerbung, sei es eine Tiepolo-Skizze oder ein Picasso-Linolschnitt.

Zu empfehlen

„Französische Geschichten aus Mittelalter und Renaissance“, herausgegeben und mit einem Nachwort von Prof. Dr. Werner Bahner, Ausstattung und Illustrationen von Werner Klemke; Winkler-Verlag, München; 624 S.

Ein Zorniger wird flügge

Am unbegabtesten unter der zufällig zur gleichen Zeit aufgetretenen Schar zorniger junger Männer erschien mir anfangs der jüngste, Colin Wilson, heute dreißig; oder vielmehr am ungeschicktesten.

Aufrüttler und Außenseiter

Wir empfinden Fremdheiten am ärgerlichsten dann, wenn wir an irgend wesentlichen Stellen einig sind – und wir sind über Übereinstimmungen nie so erfreut als dann, wenn uns Fremdheiten ärgern.

Hüben und drüben: Übersetzungen

Ort der Handlung ist Warschau etwa um 1955. Ein etwas zynischer Journalist unterhält sich mit einer etwas skeptischen Studentin der Philosophie.

12. April, die Sendung:: Jugend und Kirche

Zu einem „Abend mit dem Jugendfunk“ hatte der Süddeutsche Rundfunk in den Sendesaal von Studio Karlsruhe eingeladen. Es ging um die Fragen: „Wie kann die Kirche die Jugend gewinnen und „Soll die Kirche modern sein?“ Chefreporter Patzschke führte einige Bandaufnahmen von erstaunlich freimütigen Interviews mit jungen Leuten über ihr Verhältnis zu Kirche und Glauben vor, die er während einer Kreuz- und Querfahrt durchs Land gesammelt hatte.

Theater

Das rührige Werkraumtheater der Kammerspiele ließ den vierzigjährigen Dramaturgen und Bühnenautor Heinar Kipphardt mit einer Uraufführung zu Worte kommen.

Fernsehen: Ein wohnungsloser Herr

Zwei bemerkenswerte Reportagen: Vom Sender Köln und am Beispiel Kölns untersuchte Heinz Stuckmann die Obdachlosensituation in „Die im Dunkeln sieht man nicht“, und Sven Schürenberg (vom Hessischen Rundfunk) beschäftigte sich mit dem Interesse der Jugend für die Politik: „Die langweilige Demokratie“.

Film

„Viridiana“ (Spanien, Verleih: Constantin): Der Spanier Luis Buñuel ist ein Altmeister des filmischen Surrealismus. Seine Experimentalwerke „Un Chien Andalou“ und „L’Age d’or“ übersetzten zur ausgehenden Stummfilmzeit die Ästhetik des Traums und des Irrationalen in provozierende Sequenzen auf die Leinwand.

Psycho-Logik oder Markt-Logik?

Offen gestanden, wir möchten nicht in der Haut des Vorstandsvorsitzers der Volkswagenwerke stecken. Müßten wir doch um unseren Posten und um unser Renommé obendrein bangen! Was ist geschehen? Professor Nordhoff hat die Stirn besessen, eine unternehmerische Entscheidung zu treffen, nämlich neue, höhere Preise für die Produkte seines ihm anvertrauten Werkes festzusetzen.

Ein „Notgroschen“ für den Film

Die deutsche Filmwirtschaft ist jetzt offenbar gewillt, das zu tun, was man von ihr bereits seit langem erwartet: die Krise mit eigenen Mitteln zu beheben.

Zu streng sind hier die Bräuche

Mit dieser Frage ist der Autor vor Jahren zum ersten Male auf das wettbewerbsrechtliche Glatteis geführt worden – und prompt ausgeglitten.

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