MÜNCHEN (Kammerspiele):

„Der Hund des Generals“ von Heinar Kipphardt

Das rührige Werkraumtheater der Kammerspiele ließ den vierzigjährigen Dramaturgen und Bühnenautor Heinar Kipphardt mit einer Uraufführung zu Worte kommen. „Der Hund des Generals“ ist allerdings kein eigentliches Drama, sondern mehr eine aktuelle Reportage in Dialogform. Der einstige General muß sich vor einer Untersuchungskommission gegen die Beschuldigung verteidigen, einen Trupp Soldaten auf ein sinnloses Himmelfahrtskommando geschickt zu haben, nur weil einer von ihnen in Notwehr den Schäferhund des Generals erschossen hatte. Die Verhandlung erweist ziemlich klar, daß die Beschuldigung zu Recht erhoben wird. Aber ebenso klar, daß der Beweis nicht rechtsgültig zu erbringen ist, weil wesentliche Entlastungsgründe nicht zu entkräften sind. Ein Tendenzstück also, welches nicht weniger die Gegenwart als die Vergangenheit trifft und für das es bereits allzu lebenswahre Modellfälle gibt. Am Ende bleibt der Krieg mit seiner totalen Verdrehung aller menschlichen Begriffe und Impulse der eigentliche Angeklagte. Daher denn auch die handelnden Figuren erschütternd echt geraten sind und unter August Everdings realistischer Regie ebenso in Erscheinung traten: der reduzierte Stratege Rampf (Paul Hoff mann), die beiden Landsertypen Pfeiffer (Robert Graf) und Csymek (Norbert Kappen), der Oberstaatsanwalt (Herbert Hühner, dem einige Gedächtnispannen unterliefen) und der Divisionspfarrer Schlievland (Otto Brüggemann). – Starker Beifall nach kurzem, betretenem Schweigen. A-th

LUZERN (Stadttheater):

Shakespeares „Wintermärchen“ nach Rothes Text

Horst Gnekow, früher Intendant in Schleswig, brachte als Direktor des Luzerner Stadttheaters jetzt seine 16. Shakespeare-Inszenierung heraus, der, wie allen früheren, der deutsche Text Hans Rothes zugrunde lag. „Daß das Publikum vom ersten Teil an gefesselt wurde, ist ein Verdienst Rothes“, bemerkt die Zeitung Innerschweiz. In Gnekows Inszenierung, der von den Luzerner Neuesten Nachrichten „ein großer Zug zugebilligt“ wird, fiel als Hermione Ursula Burg auf, die das Deutsche Theater in Ostberlin verlassen hat und nach Luzern verpflichtet wurde.

DÜSSELDORF (Schauspielhaus):