DIE ZEIT

Kein Platz für Neutrale?

Gehört Kamerun zu Europa – und Österreich nicht? Werden der Kongo und Mauretanien bald enger mit der neuen europäischen Gemeinschaft verklammert sein als Schweden und die Schweiz? So absurd die erste dieser beiden Fragen klingen mag – die zweite führt heran an die in der Tat ein bißchen absurde Wirklichkeit des Jahres 1962.

Diplomatie-Konzert

Das weltpolitische Spiel vollzieht sich in diesen Tagen auf halb verhängter Szene. Der Zeitgenosse spürt, daß sich etwas tut; er hört, daß neue Kulissen aufgebaut und alte Versatzstücke umhergeschoben werden; er erspäht zuweilen wohl auch tuschelnde Akteure oder erhascht ein paar Dialogfetzen.

OAS-Chefs in der Santé

In Paris sah man Inschriften an den Häuserwänden: „Jouhaud aufs Schafott.“ Oder: „Die Kugel für Jouhaud.“ Das war die Handschrift der Kommunisten.

Zeitspiegel

Mit viel technischem Zauberspiel wurde am Sonnabend die Weltausstellung in Seattle eröffnet. Präsident Kennedy drehte an seinem 4000 Meilen entfernten Ferienort Palm Beach einen goldenen Schlüssel um und löste damit ein Funksignal aus, das in Seattle ein Glockenspiel und das rotierende Restaurant auf der Spitze eines fast 200 Meter hohen Turmes in Bewegung setzte.

wer....was....wo....warum...

Staatssekretär Thedieck vom Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen kommentierte diesen Beschluß: „Totaler Ausverkauf der Sowjetzone.

Gelder für Parteien

Still und schnell und fast ohne Diskussion – gerade so, wie es in diesem Falle nicht hätte geschehen sollen – hat die parlamentarische Mehrheit bei der Verabschiedung des Bundeshaushalts eine ansehnliche Finanzierung der Parteien aus Steuergeldern beschlossen.

Falsches Zögern

Bundesaußenminister Schröder gab vor kurzem im Bundestag auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Mommer bekannt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten nicht mehr bereit sei, mit der Bundesrepublik über die Freigabe des im Krieg beschlagnahmten deutschen Vermögens zu verhandeln.

Aus Ludwig Erhards Briefmappe

Ludwig Erhards Appell zum Maßhalten hat in der Bevölkerung eine starke Resonanz gefunden. An die dreitausend Schreiben – ein Vielfaches mehr als sonst bei ähnlichen Anlässen – sind seit seinem ersten Fernsehappell im Bundeswirtschaftsministerium eingegangen.

Das arabische Mädchen Djamila

Aber Picasso hat eine Zeichnung von ihr gemacht, Er tat dies, um ihr zu helfen. Simone de Beauvoir, die Schriftstellerin und Gefährtin des Philosophen Sartre, hat für sie gezeugt; desgleichen André Philip, ein Prominenter im Lager der Sozialisten, und Jules Roy, der Fliegeroberst außer Dienst, der – wie der einstige Fliegergeneral Jouhaud – ein Pied noir ist, also ein gebürtiger Algerier; auch Françoise Sagan schrieb zu ihren Gunsten, die Romanautorin, und schließlich Monsieur de Bollardière, der jüngste General der französischen Armee, der seinen Dienst aufkündigte.

Unter der grünen Fahne des Propheten

Als Straße begann es, und es endete als Karussell. Am Morgen waren wir abgefahren. Ahmed der Fahrer, hatte den Wagen elegant unter Kamelhälsen, zwischen Eselskarren und Händlern durchgesteuert, war – den Fuß fest auf dem Gaspedal – durch die Ebene gesaust; dann aber beganner die grünen Berge von Murree und die Serpentinen Hupend kurbelte sich Ahmed durch die Kurven Daß der Gang immer wieder heraussprang, daß das Kühlerwasser kochte – es minderte sein Vergnügen nicht.

Unzufriedener Castro

Fidel Castro hat den Leninpreis erhalten, aber noch wichtiger dürfte für ihn ein weiteres Geschenk sein, das ihm aus Moskau zugekommen ist: In der „Prawda“ ist er unlängst zum ersten Male mit der Anrede „Genosse“ beehrt worden.

Klassenlose Gesellschaft

Wir fahren die Rheinuferstraße von Köln entlang – ein Volkswagen, ein Porsche, ein Goggomobil. Wir fahren mal Tempo 40, mal Tempo 50.

SED-Agenten auf dem Bahngelände

Als neulich in Westberlin zwei Kameramänner des Ostberliner Fernsehfunks verhaftet wurden, zeigte es sich erneut, daß die Mauer verschiedene Grade der Durchlässigkeit besitzt.

Angenforts Erzählungen

Jupp Angenfort, 1955 als Chef der westdeutschen FDJ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, 1957 begnadigt, 1962 wieder verhaftet und wenig später dem Münchener Polizeigewahrsam entflohen, stellte sich am 17.

Bayern: Justitia in der „Murksburg“

In München steht ein Hofbräuhaus und – die Maxburg. Wer als Tourist die Sehenswürdigkeiten der Isar-Metropole betrachten will, sollte es nicht versäumen, auch diesem modernen Glaspalast sein Interesse zuzuwenden.

Eben:: Ich komme nicht zu Wort

Zugegeben: auch schweigsame Menschen, und besonders die Verschwiegenen unter ihnen, können einem auf die Nerven gehen; entweder, well sie nur darum nichts sagen, weil sie nichts zu sagen haben; oder weil man hinter ihrem Schweigen eine vielsagende Tiefe, ja gar eine gewisse Dämonie vermutet.

Zeitfragen: Was kostet eine unabhängige Meinung?

Rolf Schroers ist zu einem der besten politischen Schriftsteller geworden, die es hierzulande gibt. Man kann den Finger auf den Punkt legen, wo der Durchbruch erfolgte: als Schroers sich entschloß, dem nach taktischen Erwägungen immer einmal wieder neu festgelegten Parteikurs nicht von Schwenkung zu Schwenkung zu folgen.

Kleiner Kunstkalender

Es wird off (und meistens vergeblich) versucht, einen Künstler, der tot und fast vergessen ist, durch eine Ausstellung wiederzubeleben.

Bücher sehen mich an

Von Zeit zu Zeit veranstalten die Blätter Rundfragen darüber, welche Bücher empfehlenswert wären: um sie auf die Sommerreise mitzunehmen oder auf den Winterurlaub, oder um sie auf den Weihnachtstisch zu legen.

Zeitmosaik

Einen neuen Versuch, das Fernsehspiel über abgelagerte Filme oder Ersatz-Theater hinausgedeihen zu lassen, unternahm die BBC, London, in Zusammenarbeit mit den Kollegen von der Eurovision.

Der Verwundete

Er hieß Rolf Pauli, wurde aber immer Paulus genannt und fiel in der Klasse dadurch auf, daß er mit einem etwas zu großen Spazierstock, einem Erwachsenenspazierstock, in die Schule kam und sich schwer darauf stützte.

Ein anachronistisches Ideal?

Es steht zwischen den Zeilen, daß der „an der Wirklichkeit messende“ Siegfried Lenz den „ritterlichen Verhaltenskodex“ als „befremdlichen Anachronismus“ betrachtet.

Ein kritischer Querschnitt

Die allgemeine Ratlosigkeit gegenüber dem Sachbuch wirkt sich in ganz besonderer Weise aus, wo durch das Thema des Buches Emotionen ins Spiel gebracht werden.

Hüben und drüben: Konjunktur

Heute gibt es noch eine dritte Möglichkeit: Ein Buch wird schlecht verkauft und bringt Geld ein. Warum? Weil der geschäftliche Erfolg eines Romans etwa oder eines Novellenbandes nur zu einem geringen Teil vom Absatz der eigentlichen Ausgabe abhängt, zum großen Teil aber vom Verkauf der sogenannten Zweitrechte (Taschenbücher und Editionen für Buchgemeinschaften) und vor allem den Nebenrechte – für Fernsehen, Film und Funk.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Gedichte von Gerard Manley Hopkins, William Butler Yeats, Walter De la Mare, D. H. Lawrence, Edwin Muir, H. D., Edith Sitwell, T.

Leben mit einem großen L

Ein Kerl war’s: mit seiner lüsternen, nach schlagendem Wind lechzenden Flibustiervisage, mit seinen Aufschneidereien und seinen verletzenden Späßen, ein Kerl, für den der deutsche Verlag, seine ersten Übersetzungen anzeigend, kein besseres Werbelob fand als: „.

Am Ende war das Wort

Richard Ellmanns monumentale Joyce-Biographie, ein Werk von amerikanischer Gründlichkeit

Buch für KF

Hundefreund zu sein, ehrt hierzulande einen Menschen, denn der Hund ist edel, hilfreich und gut.............................

Erich Pfeiffer-Belli als Gastkritiker:: Das perfekte Sachbuch

Es ist leicht gesagt, daß ein Buch wie dieses, geschrieben von einer Reihe erstklassiger Archäologen, eine Lücke schon darum ausfüllt, weil es einen weitgespannten Überblick vermittelt und weil es bei relativ knappem Text eine so reichhaltige Bebilderung enthält – zwei Tatsachen, die für den kulturell interessierten Laien eine kleine Bibliothek von oft schwer zugänglicher Fachliteratur ersetzen.

Theater

In dreijähriger konsequenter Bemühung haben die Wuppertaler Bühnen das musikalisch-szenische Werk Claudio Monteverdis erarbeitet.

Funk: „The Life of Man“

Das Manuskript des 1956 von der BBC preisgekrönten Spiels behauptet in der zweiten Zeile: „Straßengeräusch irgendwann 1856 nachts.

Film

„Privatleben“ (Frankreich; Verleih: MGM): Frankreichs Jungregisseur Louis Malle inszenierte das Lebens- und Publicity-Drama der Brigitte Bardot (mit ihr selbst in der Hauptrolle) im modisch verfremdeten Stil eleganter Magazine.

Fernsehen: „Wallenstein“ ohne Thekla

Auf der Bildröhre gehen einige interessante Experimente vonstatten. Entschiedener als zuvor wird erkundet, in welchem Maße die Bühnenliteratur sich für das neue Medium zubereiten läßt – womit nicht nur und nicht einmal zuerst Inszenatorisches, sondern Dramaturgisches gemeint ist.

Das Erbe Europas ist kein Himmelsgeschenk

Die Wechselbeziehungen zwischen Europa und den südamerikanischen Staaten werden im Mittelpunkt des Latein amerika-Wirtschaftstages der Hannover-Messe 1962 stehen.

Abhängig von Strauß

Die deutsche. Luftfahrtindustrie lebt vom Verteidigungsministerium. Und sie erkennt dies an, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn durch das Lizenzbauprogramm für die deutsche Luftwaffe hat sie den Anschluß an den internationalen Standard gewonnen.

Sturm um eine Preiserhöhung

Eine Stahlpreiserhöhung ist eine wirtschaftliche Angelegenheit, die an und für sich nicht dazu angetan ist, politische Erregung hervorzurufen Und niemand war von dem politischen Sturm, in dessen Mittelpunkt die Stahlpreise plötzlich geraten waren, wohl mehr überrascht als Mr.

Nachgeben oder zurücktreten

Der Interessenkonflikt zwischen Paris und dem kleinen Fürstentum und Steuerparadies Monaco hat sich nach Abbruch der französischmonegassischen Verhandlungen so zugespitzt, daß Prinz Rainer III.

Politischer Weizen

In den letzten Wochen waren viele Minister all jener Staaten, die mittelbar oder unmittelbar mit den jetzt stark forcierten Gesprächen Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt in Verbindung stehen, auf Reisen: Es begann mit einem Besuch des britischen Landwirtschaftsministers Soames bei seinem französischen Kollegen Pisani in Paris.

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