WUPPERTAL (Opernhaus):

Monteverdi-Woche

In dreijähriger konsequenter Bemühung haben die Wuppertaler Bühnen das musikalisch-szenische Werk Claudio Monteverdis erarbeitet. Der Bearbeiten Erich Kraack hat seinen „Versuch einer Monteverdi-Renaissance“ erklärtermaßen „für das heutige Repertoiretheater“ unternommen. Rund zwanzig Vorstellungen hatten sowohl die (italienisch gesungene) Oper „Die Heimkehr des Odysseus“ als auch das Ballett „Orfeo“ bereits vor Beginn der festlich-zusammenfassenden „Woche“ in Wuppertal hinter sich. Ein zweiter Ballettabend – „Ariadne“, „Der Tanz der Spröden“ und „Der Zweikampf“ – wurde im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Als abschließende Novität der Monteverdi-Woche fand Kraacks Neufassung der (ebenfalls italienisch gesungenen) Oper „Die Krönung der Poppea“ ihre „deutsche Erstaufführung“. (In der deutschsprachigen Goehrschen Fassung steht dieses Werk im Repertoire der Hamburgischen Staatsoper.) Das Wuppertaler Führungsteam für die Rückgewinnung Monteverdis besteht aus Hans Georg Ratjen und Hans Drewanz (Dirigenten), Georg Reinhardt (Regie), Erich Walter (Choreographie) und Heinrich Wendel (Bühnenbilder). Ein Kritiker, der die zurückliegenden Premieren mit dem gegenwärtigen Aufführungsstand vergleichen konnte, Horst Koegler, zählt in der Stuttgarter Zeitung zu „den erfreulichsten Erkenntnissen dieser Woche“ einen ganz erstaunlichen „Qualitätszuwachs“. Er bestätigt den Wuppertaler Monteverdi-Aufführungen eine „dramatisch – theatralische Überzeugungskraft, wie man sie ... keineswegs für möglich gehalten hätte“. Auch der „Poppea“-Premiere weiß die FAZ „nur Gutes nachzusagen“. Für seine Herstellung eines neuen Klangkostüms erhebt der Bearbeiter „nicht den Anspruch alleiniger Authentizität“. Umstritten bleibt an der enormen Leistung Kraacks neben manchen Stilkriterien die Frage, ob er „den musikalischen Expressionismus nicht kühn um drei Jahrhunderte vorverlegt habe“.

BERLIN (Schloßparktheater):

„Der Liebestrank“ von Frank Wedekind

Nach „Frühlingserwachen“ beteiligten sich die Barlog-Bühnen an der „Wedekind-Renaissance“ mit einem vergessenen Schwank, der von Walter Henns Regiebegabung zu einer „Posse mit Tausenden von Einfällen“ aufgepulvert worden ist. Walter Karsch findet die Aufführung (mit Rolf Henniger als Zentralfigur) im Tagesspiegel hinreißend: „Man lacht sich krank und wieder gesund.“ Der Kritiker möchte aber die „Wedekind-Renaissance nicht mit so zweitklassigen Stücken“ vorangetrieben sehen, sondern mit „Erdgeist“, „Die Büchse der Pandora“, „König Nicolo“ und „Der Marquis von Keith“ (mit denen andernorts schon neue Theatererfahrungen gesammelt worden sind).

BERLIN (Theater am Kurfürstendamm):