Von Erwin Topf

Der Landesverband bayrischer Agrarjournalisten hat den diabolischen Einfall gehabt, Abgeordnete aller Parteien zu einem Forum-Gespräch (zusammen mit Vertretern der Tagespresse) einzuladen, und ihnen die Frage vorzulegen: "Was sagen Sie jetzt, Herr Abgeordneter, Ihren bäuerlichen Wählern über die Konsequenzen der agrarpolitischen Einigung in der EWG?" Das Ergebnis war, wie vorauszusehen, eine große Steckenpferd-Parade, ohne jedes praktisch verwendbare Ergebnis. Nach- und nebeneinander wurden empfohlen: vermehrter Anbau von Braugerste in Bayern, für das gesamte EWG-Gebiet – verstärkte Propaganda für Roggenanbau und Roggenbrot – forcierte betriebswirtschaftliche Spezialisierung – Senkung der Erzeugungskosten durch weitere Rationalisierung – mehr Futteranbau, oder mehr Geflügelhaltung, oder mehr Schweinemast.

Natürlich fehlte auch der Vorschlag nicht, die genossenschaftliche Vermarktung auszubauen. Dafür gibt es seit einiger Zeit das Schlagwort "vertikale Integration". Will man wissen, was damit eigentlich gemeint ist, so tut man gut, sich nicht an irgendwelche vagen Ideen zu halten, sondern den Mann zur Sache zu hören, der, seit kurzem an der Spitze der Raiffeisen-Organisation stehend, die vertikale Integration durchsetzen möchte: das ist also Dr. Sonnemann, der (zuletzt unter den Ministern Lübke und Schwarz) lange Jahre als Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gewirkt hat.

Zunächst einmal: die genossenschaftliche Organisation der Vermarktung strebt keine Monopolstellung an. Das hat Sonnemann klipp und klar gesagt:

"Eine Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmungen... ... bietet sich an, aus der einfachen Überlegung, daß vor den Genossenschaften schon andere auf den Märkten ‚da‘ waren"

Es sei ein aussichtsloses Unterfangen, so meint Sonnemann, wenn die Genossenschaften "eine marktbeherrschende Stellung" in jenen Bereichen anstreben würden, wo sie "mit kapitalstarken Großunternehmen der Erwerbswirtschaft konkurrieren müßten". Das ist realistisch gedacht – und zweifellos auch ehrlich gemeint.

Darüber hinaus haben die ländlichen Genossenschaften bereits erklärt, daß sie sich grundsätzlich nicht auf der "Ladenstufe" betätigen wollen, also insoweit dem Einzelhandel keine Konkurrenz machen werden – wobei das Wort "grundsätzlich" hier wohl so zu verstehen ist, daß unter besonders gelagerten Verhältnissen eben auch Ausnahmen von der Norm möglich sein sollen. Theodor Sonnemann hat diese Grundsatzentscheidung dahingehend kommentiert, daß damit von den Raiffeisengenossenschaften hier "die Plattform zu einem sinnvollen Hand-in-Hand-Arbeiten mit diesen mittelständischen Gruppen" geschaffen sei. Denn für den Lebensmittel-Einzelhandel könne es ja nur ein Vorteil sein, seitens der ländlichen Genossenschaften"gleichmäßig mit ausreichend großen Partien von marktgeredeter Beschaffenheit aus erster Hand beliefert zu werden."