Ich bin entsetzt über Ihre Rückständigkeit. Haben Sie den Säugling denn ganz vergessen? Ja, meine lieben Fabrikanten und Händler, es sieht tatsächlich so aus, als wollten Sie auch weiterhin achtlos an ihm vorbeigehn. Das ist eine beleidigende Unterschätzung des Babys schlechthin und – im Vertrauen gesagt – auch ein großer geschäftlicher Nachteil für Sie!

Betrachten wir die leidige Angelegenheit sachlich. Das Kind von 0 bis 1 Jahr ist – bildlich gesprochen – im Rahmen Ihrer Werbefeldzüge völliges Niemandsland. Ein Individuum, Kunde von morgen, darüber hinaus vom ersten Schrei an imstande, mit Wohlbefinden und Unbehagen die Eltern zu beeinflussen, lebt ein Jahr ohne die suggestiven Einwirkungen der Reklame!

Warum, so frage ich mich angesichts Ihrer sonst so bewundernswerten Aktivität, sind Sie auf diesem Gebiet zurückhaltend? Doch nicht etwa, um den Säugling zu schonen? Das wäre unnütz. Es ist sogar gut, wenn ein Kind früh mit dem bekannt wird, was dann doch später unausbleiblich hereinbricht; im Gegenteil, allmähliche Gewöhnung von klein auf kann spätere Schockwirkungen verhindern.

Sollten Sie nur unsicher sein, wie man eine Werbung an dieses Alter herantrage, nun, so glaube ich, Sie dürfen diese Aufgabe vertrauensvoll in die Hände Ihrer bewährten Fachleute legen. Die werden das schaffen. Was sie bei Kindern im allgemeinen erreicht haben, spricht für ihr feines Einfühlungsvermögen und berechtigt auch in bezug auf den Säugling zu den schönsten Hoffnungen. Oder ist es nicht der beste Beweis für ein achtunggebietendes Können, daß das Kinderlied schon weitgehend vom gesungenen Werbeverslein verdrängt ist?

Zweifellos ist gründliche Forschung Voraussetzung für den Erfolg. Es gilt zu untersuchen, wie das Baby auf Musik oder Geräusch reagiert, welche Farben es bevorzugt (die Mär von Himmelblau und Rosa bedarf längst der Berichtigung), ob es als Kind fortschrittlicher Eltern an den Genüssen des Fernsehprogramms teilhat und um welche Uhrzeit. Man muß wissen, wie oft es mit acht, wie oft mit zehn Monaten den Namen einer naturreinen Kondensmilch hören muß, um ihn zu behalten, und was am sichersten die Gewähr dafür bietet, daß dieser Name in guter Erinnerung in ein kauffähiges Alter mit hinübergenommen wird. Schließlich ist zu prüfen, inwieweit Babygeschrei die Kauflust der Eltern steigert.

Nach solchen Vorarbeiten lassen sich schon die richtigen Werbemittel entwickeln. Ich denke da zum Beispiel an eine sogenannte „Schlicht“-Sendung im Radio, der geistigen Entwicklung des Säuglings entsprechend, an tönende Kinderrasseln oder bunte Spieldosen, die möglicherweise zur nachhaltigen Einprägung eines Feinwaschmittels beitragen können, endlich an Bemühungen Ihrer Vertreter, bei einem Besuch am Kinderwagen mit ihm – dem Säugling – ins Gespräch zu kommen.

Dank Ihren jahrelangen Erfahrungen werden Sie bald Methoden finden, den Säugling unbemerkt einzukreisen, seine Wünsche zu wecken und zu lenken. Er wird – dies dürfen Sie getrost annehmen – Ihre Mühe reichlich lohnen, steht er Ihnen doch ohne Mißtrauen gegenüber; lästige Schlagworte wie „vernünftig Geld ausgeben“ oder „beizeiten sparen“ sind ihm noch völlig fremd.