Bleibt der Kapitalszins bei 5 3/4 Prozent?

Um die Anleihewünsche des Bundes ist es auffällig still geworden. Fast sieht es danach aus, als sei auch in diesem Jahr die „Alarmglocke“ entschieden zu früh geläutet worden. Nachdem sich der Kapitalmarktausschuß auf seiner letzten Sitzung noch nicht mit der Bundesanleihe beschäftigte, ist der Juni jetzt wohl der früheste Termin für diese (gefürchtete) Emission. Da jedoch am Kapitalmarkt die Sommerpause im allgemeinen nicht für große Anleihebrocken geeignet ist, würde, eine weitere „Prolongation“ keinesfalls überraschen.

Dem Rentenmarkt, der nach den geradezu sensationellen Placierungserfolgen seit Jahresanfang in den letzten Tagen erstmals eine gewisse Beruhigung zeigt, kommt die weise Zurückhaltung sicher nur zugute. In der Zwischenzeit kann sich der Kapitalzins soweit konsolidieren, daß die Ausstattung der Bundesanleihe mit 5 1/2 % vermutlich kein Risiko mehr wäre. Bei den nächsten Emissionen will man offenbar noch an dem ungeraden Satz von 5 3/4 % festhalten. Dieser Auffassung war der Kapitalmarktausschuß jedenfalls noch vor Ostern. Die Spekulationen, der nächste Emittent, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), könnte mit ihrer für Anfang Mai vorgesehenen 200 Millionen DM-Anleihe bereits zum 5 1/2-prozentigen Zins übergehen, werden daher meist als nicht sehr realistisch betrachtet. Immerhin muß der Rentenmarkt in den nächsten Wochen etwa 500 Mill. DM verdauen: die KfW, die Ilseder Hütte, die Stadt Stuttgart, der Lastenausgleichsfonds, die Hamburger Elektrizitätswerke und andere. Als Schrittmacher für eine weitere Zinssenkung auf 5 1/2 % käme aus dieser Reihe bestenfalls nur die KfW in Frage, die dank ihrer guten Kurspflege als Schuldner einen überaus guten Ruf genießt. Der 5 3/4-prozentige Zins gehörte damit freilich noch nicht der Vergangenheit an. Für andere Emittenten bliebe er vorerst mit Sicherheit noch richtungweisend. lz