H. W., Flensburg

Friedlich, ja durchaus angenehm waren die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Buchhandel und dem Stadtschulamt in Flensburg – bis zum 1. September des letzten Jahres. Seither sind die Beziehungen immer frostiger geworden, und von Geschäft kann man nicht mehr reden. Der gesamte Schulbuchauftrag für 50 000 Mark, den das Stadtschulamt zu vergeben hat, ging jetzt nach Berlin. Ein Berliner Buchhändler hatte seine Flensburg Kollegen mit einem günstigeren Angebot aus dem Felde geschlagen. Auf die bei ihm bestellten Schulbücher gewährte er einen Rabatt von 10 Prozeit, plus 2 Prozent Skonto.

„Das aber“, so empörten sich die Flensburger Buchhändler, „geht auf keine Kuhhaut mehr.“ Sie hatten durchaus nichts dagegen, Berlin zu unterstützen. Aber durfte der Berliner Kollege ihnen ihr Geschäft verderben, weil er dank der Berliner Steuervergünstigung mit Rabatten aufwarten konnte, die sie nicht zu geben imstande waren? So hatten sie sich die Unterstützung jedenfalls nicht vorgestellt.

Begonnen hatte die Geschichte indes mit einem Brief, den das Stadtschulamt am 1. September 1961 an die Flensburger Buchhändler geschrieben hatte. Darin hieß es: Aufgrund einer Mitteilung des deutschen Städtetages und durch Nachfrage bei verschiedenen Gemeinden im Lande Schleswig-Holstein habe man festgestellt, daß die anderen Gemeinden einen höheren Nachlaß erhielten als Flensburg. Der Schulausschuß habe daher das Schulamt beauftragt, den Vertrag mit den Buchhändlern zu kündigen. Ehe dies geschehe, wolle man aber doch die Buchhändler fragen, ob sie bereit seien, einen höheren Nachlaß – etwa um 5 Prozent herum – zu gewähren. Bisher hatte der Rabatt zwei Prozent betragen.

Mit diesem höflichen stadtamtlichen Schreiben begann der Krieg zwischen dem Stadtschulamt und den Flensburger Buchhändlern. Die Buchhändler, die in dem Schreiben schon eine Art Erpressung sahen, antworteten, sie seien außerstande, von ihrem bisherigen Standpunkt abzugehen, schon aus Gründen der Kalkulation. „Im Bundesdurchschnitt“, so erklärten sie in einem Deutsch, von dem man nur hoffen kann, daß sie es nicht aus den Schulbüchern gelernt haben, „hat der Sortimentsbuchhandel mit einem Unkostensatz von 27 Prozent des Umsatzes zu arbeiten. Da sämtliche Fach- und Schulbücher mit einer Handelsspanne von 25 Prozent geliefert werden, ergibt sich schon hier ein glattes Zusatzgeschäft des Buchhandels als solchen. Ein Buchhändler, der nur Fach- und Schulbücher verkaufen würde, wäre nicht lebensfähig.“

Und ein Sprecher der Flensburger Buchhändler grollte: „Man muß bedenken, daß allein die Flensburger Schulen 350 bis 400 verschiedene Schulbuchtitel führen. Und diese Schulbücher werden dauernd gewechselt, weil immer neue Schulbücher geschrieben werden. Das, was wir Buchhändler in den 14 Tagen nach Beginn des Schuljahres nicht verkaufen, können wir getrost in den Ofen stecken, da in den meisten Fällen nach einem Jahr neue Bücher oder geänderte Auflagen eingeführt werden. Die Verlage nehmen nichts zurück.“

Das Stadtschulamt indes hielt sich an Empfehlungen des Deutschen Städtetages und des Landesrechnungshofes. Seine Antwort lautete daher kurz und bündig: Mehr Rabatt, oder Ihr verliert Euren Auftrag. Wir sind erstens verpflichtet, uns an die Empfehlungen, vor allem des Landesrechnungshofes zu halten, und zweitens haben wir Steuergelder zu verwalten. Und deren Ausgabe müssen wir so sorgfältig prüfen wie es möglich ist.