In der Sowjetzone wurde nun endgültig beschlossen, die Produktion der Kleinwagen „P 70“ und „Trabant“ einzustellen. Damit realisiert sich ein Gerücht, das sich schon seit langer Zeit in den Kreisen der Autokenner der „DDR“ hält.

Letzten Endes war es der Autoindustrie der Sowjetzone nicht gelungen, beide Wagentypen rationell zu produzieren. War die Start-Propaganda, mit der die ersten Wagen begleitet wurden, ohnehin reichlich übertrieben – man sprach damals von einer „Revolution des sozialistischen Automobilbaus“ –, so wird sie heute „wettgemacht“ durch die äußerst zurückhaltenden Kommentare über das Ende jener „glorreichen“ Produktion. Schuld daran haben – wie sooft – die kapitalistischen Länder: Sie wollten beide Wagentypen nicht haben. Hinzu kam freilich noch, daß sich die Klagen über die „sozialistischen Wunderautos“ in der Sowjetzone mehrten: Fahrer des „Trabanten“ und des „P 70“ können ein Lied vom Steckenbleiben auf nächtlichen Straßen singen...

Schon die Kunststoffkarosserien hielten nicht das, was am Anfang versprochen und demonstriert wurde: Einige Mitarbeiter am „Trabanten“ hatten sich auf dem kleinen Wagen postiert, um so seine Haltbarkeit zu beweisen. Damals hielten die Wagen jene Männer aus. In der Praxis – und besonders auf sowjetzonalen Straßen – jedoch zeigte die Kunststoffkarosserie eine große Neigung zu breiten Rissen. Andere Beschwerden galten dem zu kleinen Motor, der wohl dem Auto nicht ganz gewachsen war. Und dann das Hauptübel sowjetzonaler Produkte: es fehlten die Ersatzteile.

Soweit die Kommentare betrübter Besitzer dieser Kleinwagen sozialistischer Herkunft. Es gibt jedoch auch noch „planwirtschaftliche“ Gründe, die die Einstellung der Autoproduktion erforderten. Die Käufer von Autos sollen auf das breite gebot der sowjetischen Automobilindustrie zureifen. So die offizielle Version.

Die Sowjetunion stellt sechs Automobiltypen für den Export in die „sozialistischen Nachbarländer“ bereit, die sich auf dem westlichen Markt nicht durchsetzen konnten, weil sie zu altmodisch, zu langsam und zu wenig komfortabel sind. Dabei ähneln diese„Compactcars“ rein äußerlich amerikanischen Vorbildern.

In der Produktion von Personenwagen hat im sozialistischen Block die Tschechoslowakei mehr Glück. Die deutsche Sowjetzone soll, wie es heißt, fortan den Lastwagenbau forcieren. Der bisherige Bestand an Lastwagen in der Zone reicht bei weitem nicht aus. Westliche Transitreisende kennen das Bild sowjetzonaler Lastzüge, die am Straßenrand auf Ersatzteile harren.

Was den Personenwagenbau angeht, so haben die Sowjetzonenwerke Pech gehabt: Der alte „EMW“ (Eisenacher Motoren Werke) mußte nach einem Patentstreit mit den Bayrischen Motorenwerken (BMW) schon vor Jahren sterben. Auch der „Horch Sachsenring“ wurde ein Reinfall. Das vielgepriesene Funktionärsauto war schon gestorben, als es das Licht der sozialistischen Welt erblickte. Enormer Benzin- und Reifenverbrauch – beides absolute Mangelware in der Sowjetzone – degradierten das „Wunderauto“ hier zum freiverkäuflichen Exemplar. Doch stand er immer noch im Laden, als die Produktion schon längst eingeschlafen war. Die Funktionäre, für die er eigentlich gedacht war, fuhren weiter Wagen, die aus der Sowjetunion oder aus der – Bundesrepublik kamen.

Der „Wartburg“ ist immer noch das gebräuchlichste Auto auf sowjetzonalen Straßen. Doch muß der Käufer, wenn er sein Auto bar bezahlen kann, immer noch zwei bis drei Jahre warten, bis ein „Wartburg“ vor seine Tür rollt... C.M.