G. H., Bonn

Trierer Straße 24 in Bonn“, hatte mir der junge Mann als Adresse angegeben. „Kommen Sie nur, keine Angst!“

Nummer 24, Trierer Straße – das ist dort, wo Bonn aufhört, eine Kleinstadt mit engen Straßen zu sein und sich ein breiter, neuer Fahrdamm zum Venusberg hinaufzieht. Das Haus aber ist ein Luftschutzbunker, Überbleibsel aus dem Krieg. Studenten wohnen dort, so heißt es.

Ein grauer Betonklotz, zwei Stockwerke hoch, verschmutzt, kaum erkennbar noch die Markierungen aus der Zeit der Bombennächte. Nur auf der Vorderseite ein Hauch der Zivilisation: die kolorierte Reklame einer Strumpffabrik, zarte Frauenbeine in Großaufnahme. Über dem Eingang ein Schild „Wohngemeinschaft Poppelsdorf e. V.“

Hier kann man für 15 Mark im Monat wohnen, etwas teurer als im Asyl. Drei Mark Aufnahmegebühr. Nirgends ein Fenster; trübe Lampen wie in einer Waschküche erhellen Treppen und Gänge nur spärlich. Man wagt kaum zu atmen. „Gegen den Mief läßt sich nichts machen“, so erklärt der Student, „die automatische Lüftung reicht nicht.“

Warum wohnt der junge Mann in diesem Loch? Seine Antwort verblüfft: „Ich spiele hier den Renommierkatholiken!“ Und dann erklärt er mir das: Er war bei Semesterbeginn zu spät.ins überfüllte Bonn gekommen und hatte keine „Bude“ mehr gefunden. Schließlich schickte man ihn in den Bunker, da an der Universität Klagen laut geworden waren, daß in verschiedenen Studentenheimen nur junge Leute mit sozialistischen Neigungen aufgenommen würden. „Ich als CDU-Student sollte den Kritikern hier das Maul stopfen. Deshalb nahm man mich.“

„Und dann fanden Sie es wohl ganz interessant?“