Die Bremer Wollkämmerei, Bremen-Blumenthal, das größte Unternehmen der Bundesrepublik in der Wollwäscherei und Wollkämmerei, arbeitete im Geschäftsjahr 1961 unter weiter gewachsenem Druck auf Preise und Löhne. Bei einem stetig steigenden Textilverbrauch in der Bundesrepublik war eine Zunahme in der Einfuhr textiler Halb- und Fertigwaren zu verzeichnen, ohne daß die deutsche Ausfuhr entsprechend gestiegen ist. Die ausländischen Wettbewerber führen ihren Konkurrenzkampf unter günstigeren steuerlichen Bedingungen und mit niedrigeren Kosten für die Arbeitskraft. Die DM-Aufwertung brachte eine Verschlechterung der deutschen Situation, insbesondere wurde eine Unsicherheit in das Woll- und Kammzuggeschäft getragen. Die Produktion der Bremer Wolle in der Wollverkämmung blieb hinter dem Vorjahr zurück, der Ausstoß der Wäscherei und Karbonisierung hielt sich auf Vorjahreshöhe.

Der verschärfte Wettbewerb zwingt zu einer stärkeren Rationalisierung und entsprechenden Investitionen. Zur Durchführung ihres Investitionsprogramms hat die Bremer Wolle langfristige Darlehen von rund 5,6 Mill. DM aufgenommen. Die Umsatzerlöse erreichten 77,97 (73,04) Mill. DM, wovon der Materialaufwand und Fremdleistungen 34,88 (28,47) Mill. DM beanspruchten. Der Jahresüberschuß erreichte unter Hinzurechnung übriger Einnahmen 43,58 (47,55) Mill. DM, wovon nach Abzug der Aufwendungen ein Reingewinn von 1,6 (2,2) Mill. DM verbleibt, aus dem eine Dividende von 8 % gezahlt werden soll. Für 1960 waren 11 % Dividende ausgeschüttet worden.

Das neue Jahr begann nach Mitteilung des Vorstandes mit einem guten Auftragsbestand in Wolle und sich bessernder Beschäftigungslage in Chemiefaser. Die Flutkatastrophe vom 16. Februar des neuen Jahres hat keine wesentlichen Schäden verursacht; sie sind im übrigen durch Rückstellungen gedeckt. Die Hamburger Wollkämmerei AG, an der die Bremer Wolle beteiligt ist, wurde stärker in Mitleidenschaft gezogen Sie wird ihre Anlagen für die textile Fertigung nicht wieder aufbauen. Es hat sich herausgestellt, daß ein Wiederaufbau erhebliche Kosten verursachen würde. Diese aber seien angesichts der Lage der deutschen Textilindustrie und der bestehenden Wettbewerbsverfälschungen in der EWG wirtschaftlich nicht vertretbar. Sml