Alte Sorgen verschwinden, doch neue Sorgen entstehen, könnte man als Fazit aus dem Geschäftsabschluß für 1961 der Allianz Lebensversicherung;-AG, Stuttgart, ziehen, die mit einem Marktanteil von 15 % der größte deutsche Lebensversicherer ist. Einerseits hat der Erfolg des Jahres 1961 (das Neugeschäft der deutschen Lebensversicherungen war mit 14,2 Mrd. DM um 23,4 % größer als 1960) gezeigt, daß mit wachsendem Masseneinkommen auch die Eigeninitiative zur Altersvorsorge wächst, womit den Versicherungen die in früheren Jahren immer wieder ausgesprochene Sorge vor einem zu starken Trend zur staatlichen Altersversicherung genommen sein dürfte. Andererseits aber wächst mit steigenden Beitragseinnahmen die Sorge über die rentable Anlage dieser Mittel. Zwar sind bei dem hohen Kapitalbedarf der Wirtschaft genügend Anlagemöglichkeiten vorhanden, jedoch sieht die Allianz Leben in der besonders im vergangenen Jahr deutlich gewordenen Neigung der Industrie zu Schuldscheindarlehen eine Fehlentwicklung des Kapitalmarktes. Sie plädiert daher für die Abschaffung der Wertpapiersteuer, damit die Industrie zur Deckung ihres Investitionsbedarfs wieder zu den Anleiheemissionen zurückfindet. Eine weitere unbillige Steuerlast sieht die Gesellschaft in der Vermögenssteuer in Verbindung mit den hohen Steuerkursen. Da die von den Versicherungen verwalteten Vermögen Sparervermögen darstellten, sei die von der Körperschaftssteuer nicht abzugsfähige Vermögenssteuer in ihrer Höhe ungerechtfertigt.

Die Beitragseinnahmen der Allianz Leben erreichten 1961 fast eine halbe Milliarde Mark (14,5 % mehr als 1960) – die Versicherungsleistungen stiegen dagegen nur von 135 auf 143 Mill. DM – und die Kapitalanlagen um 338 Mill. DM auf 2,6 Mrd. DM zunahmen, wobei die Schuldscheindarlehen auf 1,02 Mrd. DM (+ 17,6 %) gestiegen sind. Hypotheken stehen mit 517,6 Mill. DM (+ 14,4 %) an zweiter und Aktien mit 302,6 Mill. DM (+ 15 %) an dritter Stelle. Die Vermögenserträge sind zwar um 18,7 auf 163 Mill. DM gestiegen, jedoch ist mit dem sinkenden Zinsniveau der Durchschnittsertrag der festen Kapitalanlagen von 7,1 auf 7 % zurückgegangen. Vorstandsvorsitzender Dr. Gerd Müller rechnet damit, daß auch bei weiter positiver Geschäftsentwicklung der Kulminationspunkt in der Ertragskraft erreicht sein konnte, da er nicht glaubt, daß bei weiter sinkendem Zinsniveau auch trotz sorgfältigster Anlagenpolitik auf die Dauer ein Durchschnittszins von 7 % gehalten werden könne.

Das positive Moment des Jahres 1961 spiegelt sich bei der Allianz Leben in der gegenüber 1960 erheblich stärkeren Zunahme des Neugeschäfts um 24 (i. V. 14) % auf 2,03 Mrd. DM und in dem auf 10,7 Mrd. DM gewachsenen Versicherungsbestand wider. Dabei hat sich – ein weiteres Indiz für den Zusammenhang zwischen Einkommenssteigerung und höherer Lebensversicherung – das Neugeschäft in der Großlebensversicherung stückzahlmäßig um 23 % und betragsmäßig um 29 % erhöht (die Durchschnittssumme stieg von 12 400 auf 12 900 DM), während das Kleinleben-Neugeschäft stückzahlmäßig kaum zunahm, wohl aber betragsmäßig um 13 % über dem Vorjahr lag. Neben den höheren Einkommen führt die Allianz diesen Erfolg auf die Erhöhung der steuerlich abzugsfähigen Sonderausgaben und auf das Handwerkerversicherungsgesetz zurück, das den Handwerkern bis Ende 1961 die Wahl zwischen einer privaten Lebensversicherung und der Sozialversicherung ließ. Die Diskrepanz zwischen der Entwicklung der Beitragseinnahmen und dem Neugeschäft erklärt sich einmal aus. dem Rückgang der Versicherungen mit Einmalprämien und zum anderen aus der Verjüngung des Neuzugangs, was bei gleicher Versicherungssumme niedrigere Prämiensätze zur Folge hat.

Der um 16,5 auf 138 Mill. DM gestiegene Überschuß wird wieder fast vollständig der Gewinnreserve der Versicherten zugewiesen, die damit 443,7 Mill. DM erreicht. Ein Rest von 1,88 Mill. DM bleibt für die unveränderte Dividende von 14 %. Der Hauptversammlung am 4. Mai wird außerdem eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln um 6,6 auf 22 Mill. DM vorgeschlagen, nachdem aus der vorjährigen Kapitalerhöhung den Reserven 8,36 Mill. DM zugeflossen sind. Damit wird auch gleichzeitig der Nennbetrag der Allianz-Aktien auf einen durch hundert, teilbaren Betrag gebracht.

Für die Zukunft ist Dr. Gerd Müller durchaus optimistisch. Im ersten Quartal 1962 lag das Neugeschäft nochmals um 15 % über der gleichen Vorjahreszeit. Der Versicherungsbestand hat 11 Mrd. DM erreicht. C. D.