In den Jahren zwischen Zusammenbruch und Währungsreform hörten wir mehr von der Heilsarmee. Aber gewußt haben wir auch damals über diese eigenartige Organisation nur wenig. Inzwischen ist sie unserem Interesse nahezu gänzlich entrückt. Sie existiert irgendwo am Rande der Gesellschaft, und ihr Name schafft mitleidvolle, allenfalls ein bißchen anerkennende, aber auf jeden Fall vage Assoziationen.

Ein Reporter und eine Reporterin nahmen, jeder für sich und auf seine Weise, eine Zeitlang am Leben der Heilsarmee teil. Beide erzählen abwechselnd von ihren eigentümlich berührenden Erlebnissen und Erfahrungen. Sie standen unter den neugierigen und spottenden Gaffern am Bahnhofsplatz. Sie suchten die „Soldaten“ und „Soldatinnen“ in ihrem Versammlungsraum auf und ließen sich vergeblich zur „Bußbank“, zum öffentlichen Bekenntnis drängen. Ja, die Reporterin verkaufte sogar den „Jungen Soldaten“ für zehn Pfennig.

Dazwischen schieben sich kurze, einprägsame Berichte aus der Blütezeit der streitbaren Armee, die wenigstens in unseren Breiten schon lange zurückliegt. Aber gerade diese scharfe Gegenüberstellung von Heute und Gestern macht so recht deutlich, wie mühselig und ohne nennenswerten Erfolg der heftige Kampf um Seelen in einer Welt des Wohlstandes und der Diesseitigkeit bleiben muß, wenn man sich treuherzig der Mittel bedient, die einer längst vergangenen Zeit angemessen waren. H. K.