Dies war der achtbarste Klassiker, den man seit langem auf dem Bildschirm sah. Nicht, daß es der treueste „Wallenstein“ oder gar der verläßlichste Schiller gewesen wäre. Beide kamen nur partiell zur Erscheinung – vom Schiller nur der Staatsdramatiker, nicht der Weltdichter, und vom „Wallenstein“ nur der zaudernd Getriebene, nicht der dämonisch Vorwärtsdrängende. Damit ist schon gesagt, daß dieser „Wallenstein“ von Storz-Wirth nicht eine zusammenraffende Kurzfassung, sondern nur einen Ausschnitt des Ganzen gab: das politische Intrigendrama und nicht die Dichtung von Verhängnis und Unschuld. Denn mit der Entfernung alles Weiblichen hat man nicht nur die zärtliche Zutat amputiert – verschwinden ist auch die Gegenwelt Wallensteins, der reine, im klassischen Sinne „interesselose“ Bereich des nicht mehr auf Zwecke und Ziele Blickenden: also die Welt, aus der Max lebt, der ja im Gegen- und Miteinander der Männer als einziger nicht Gegen-eine ganze Woche. Spieler, sondern Gegentyp ist (was dem Darsteller eine fast verzweifelte schauspielerische Anstrengung abverlangt).

Das muß gesagt werden, aber zugleich soll doch auch hinzugefügt werden, daß die Bearbeiter sehr vorbedacht verfuhren und mit großer Klugheit; selbst da, wo die Schwächen dieser Reduktion des „Wallenstein“ aufs Politisch-Staatliche unverkennbar waren, blieb jederzeit deutlich, daß hinter ihr eine geistige Konzeption stand. Die Fassung, die hier gespielt wurde, verdient es, auch auf der Bühne erprobt zu werden; interessanter ist sie auf jeden Fall als die traditionsgemäß von den Theatern gespielten Kurzversionen.

Reduziert war dieser Wallenstein auch in anderer Hinsicht: Wilhelm Borchert gab mehr Hamlet als Cäsar (mit dem sich Wallenstein doch selber vergleicht): einen zögernden, entschlußlosen, vor der Tat zurückschreckenden, schließlich in sie getriebenen Wallenstein. Es ist nicht einzusehen, weshalb das in jeder Hinsicht und von vornherein als Nachteil gelten muß – weder von Schillers Text noch vom historischen Wallenstein her, auf den ja Pekar und Golo Mann einige neue Lichter geworfen haben. Macht man diese Voraussetzung, war Borchert ein sehr überzeugender Wallenstein. Fürbringer als Octavio gab ohne jede Voraussetzung eine eindrucksvolle Studie dieser geheimen Zentralgestalt der Tragödie. Wirth, der völlig zu Recht an Angelpunkten des Stückes mit Massenaufmärschen und Trommelwirbeln optisch und akustisch die Atmosphäre des militärischen Staatsdramas herstellte, um sich dann um so sicherer und gelassener dem Monolog und Zwiegespräch zuwenden zu können, wäre der richtige Mann, um auch einmal einen Corneille oder Racine auf dem Fernsehschirm zu versuchen.

Das sonstige dramatische und opernhafte Massenaufgebot der Tage trat demgegenüber völlig zurück. Doch genügt eine vorzügliche Sache ja für

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