Nicht wenige Wertpapiersparer stehen in diesen Monaten vor dem Problem, ihr Portefeuille mit dem Ziel umzubauen, künftig daraus höhere Einkünfte zu erzielen. In den zurückliegenden Jahren füllte man das Defizit zwischen Dividendeneinnahmen und Bestreitung des Lebensunterhaltes durch die Realisierung von Kursgewinnen oder durch den Verkauf von Bezugsrechten aus. Und wurde durch die Kurssteigerungen dennoch reicher... Nunmehr sind diese Quellen versiegt. Wer heute von Wertpapieren leben will, muß nach einer hohen Rendite streben.

Den Anlageberatern der Banken wird immer wieder die Frage vorgelegt: „Wie soll ich meine Ersparnisse anlegen, um erstens in meinem Alter davon leben zu können und zweitens die Gewähr zu haben, daß mir der Wert des zurückgelegten Geldes auch erhalten bleibt?“ Hierauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Tatsache bleibt, daß es gar nicht so leicht. ist, allein von seinen Ersparnissen zu leben. Man muß schon recht „vermögend“ sein. Claus Schrempf hat in seinem Buch „Privatvermögen erwerben, verwalten, vermehren“ (Verlag Moderne Industrie, München), darauf hingewiesen, daß man bei Beträgen unter 100 000 DM heute nicht mehr von „Vermögen“ sprechen kann. Bei einer Rendite von sechs Prozent (zur Zeit kaum noch erzielbar) bringen 100 000 DM einen Bruttojahresertrag von 6000,– DM. Sollten nach Abzug der Steuern auf Einkommen und Vermögen noch etwa 3800,– DM übrig sein, so wären davon zunächst einmal 2000 DM als Rücklage dem Vermögen zuzuschlagen, um dessen Wertbeständigkeit zu sichern. Vielleicht ist Schrempf bei der Schätzung der Steuern etwas zu großzügig gewesen, bei der Bemessung des Kaufkraftschwundes der D-Mark sicherlich nicht, so daß seine Rechnung letzten Endes in Umrissen stimmen mag. Verfügbar blieben also 1800,– DM oder 150,– DM pro Monat. – Daraus wird deutlich: Wer später nur von den Einnahmen aus seinem Vermögen leben muß, darf nicht aufhören zu sparen, wenn die ersten 100 000 DM zusammen sind.

Wer schon in jüngeren Jahren beginnen kann, ein „Vermögen“ aufzubauen, wird dies zunächst weniger nach Ertragsgesichtspunkten tun, sondern mehr auf die Sicherung der Ersparnisse bedacht sein. Nach den Erfahrungen der Vergangenheit hat die traditionelle Sicherheit der festverzinlichen Wertpapiere einen schweren Stoß erhalten. Dazu Schrempf: „Mit den Rentenwerten hängt man im Geld, mit dem Geld in der Währung und mit der Währung in der Politik!“ Wenngleich nach meiner Ansicht für die D-Mark keine unmittelbare Gefahr besteht, so darf niemand die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit in den Wind schlagen. Natürlich sind auch bei allen anderen Vermögensanlagen Risiken denkbar, bei Haus- und Grundbesitz durch Mietstopp, der schließlich zum Ruin der Besitzer führt, bei Aktien durch Enteignung und Sozialisierung der Unternehmen usw.

Es darf nicht verschwiegen werden, daß Aktien von Natur aus „Risikopapiere“ sind. Wer das im ersten Nachkriegsjahrzehnt nicht wahrhaben wollte, hat es inzwischen erfahren. Politische, währungspolitische und konjunkturelle Einflüsse beeinflussen die Aktienkurse. Wer allerdings auf lange Sicht disponieren kann, wird herausfinden, daß im Zuge eines stetigen Wirtschaftswachstums – wie wir ihn in Friedenzeiten voraussetzen können – immer einmal der Tag kommt, an dem sich auch eine zum ungünstigen Zeitpunkt eingekaufte Aktie mit Nutzen wieder verkaufen läßt. Deshalb meine ich auch, daß für den langfristigen Anleger heute kaum noch die Notwendigkeit besteht, den Aktienbestand aus der Sorge heraus zu verkleinern, daß die Kurse noch weiter nachgeben könnten.

Andere Überlegungen haben jene Sparer anzustellen, die in diesen Tagen ihr Depot deshalb umbauen müssen, weil die daraus anfallenden Erträge nicht mehr das Existenzminimum decken. Entweder, weil das Arbeitseinkommen fortgefallen ist oder weil die Kursgewinne aufgezehrt sind und nun die Substanz angegriffen werden müßte. Aber vorweg ein Wort zum Substanzverzehr! Wer nicht die Absicht hat, sein Vermögen oder Teile davon zu vererben, möchte es möglichst weit aufbrauchen, aber dennoch die Vermögensentnahme so aufteilen, daß er nicht zu seinen Lebzeiten Not zu leiden braucht. Da wir den Zeitpunkt unseres Todes jedoch nicht vorauszubestimmen vermögen (den Gedanken an einen Selbstmord lassen wir natürlich aus dem Spiel), ist das eine Rechnung mit einer großen Unbekannten. Für solche Fälle empfiehlt sich der Abschluß eines Leibrentenvertrages. Dann garantiert die Versicherung die monatliche Auszahlung einer bestimmten Summe; der Versicherte hat keine Sorgen mehr mit der Vermögensverwaltung.

Wer diesen Weg nicht beschreiten will, muß sein Vermögen bei Eintritt in das pensionsfähige Alter so anlegen, daß die Einnahmen daraus (vielleicht zusammen mit einer Rente oder Pension) die Lebensbedürfnisse befriedigen. In „der Regel erfordert dies eine Erhöhung des Anteils an festverzinslichen Werten. Dagegen ist vom Risikostandpunkt auch nichts einzuwenden. Das Währungsrisiko ist für ältere Leute natürlich geringer als für Sparer, die erst in 30 oder 40 Jahren auf ihr Vermögen zurückgreifen müssen.

Wenn dennoch heute viele ältere Sparer zögern, den Aktienanteil am Portefeuille zugunsten der festverzinslichen Papiere zu verringern, dann spielt dabei folgender Gedankengang eine Rolle: Wenn es nicht noch unvorhergesehene politische Ereignisse geben sollte, so kann man davon ausgehen, daß sich die Aktienkurse jetzt in der Nähe ihres Tiefpunktes im Wellental bewegen. Eines Tages wird es wieder aufwärtsgehen. Wer also heute Aktien verkauft, begibt sich der Chance, an dieser Aufwärtsbewegung teilzunehmen. Das ist bitter, besonders dann, wenn man mit seinem Aktienbestand den unerfreulichen Rutsch ins Wellental miterleben mußte. So gesehen ist der Umstellungszeitpunkt also ungünstig.

Aber der Knüppel liegt beim Hund – pflegt man in Norddeutschland zu sagen. Wenn man keine Aktien verkaufen will, um das Leben fristen zu können, muß man sehen, wie man auf anderen Wegen zu höheren Einnahmen gelangt. Um einen Rentenerwerb kommt man wahrscheinlich nicht ganz herum. Aber es bietet sich die Möglichkeit, über den Erwerb von Investment-Zertifikaten höhere Jahresausschüttungen zu kassieren, denn die Fonds frischen ihre Ausschüttungen durch Kursgewinne und durch den Verkauf von Bezugsrechten auf. Hat man also Aktien, bei denen die Rendite – gemessen am jeweiligen Kaufpreis – gering ist, so ist ihr Verkauf zu erwägen. Mit dem Erlös sollten dann Investment-Zertifikate erstanden werden. Kommt es dann eines Tages zu einer allgemeinen Aufwärtsbewegung auf dem Aktienmarkt, so nimmt man mit den Investment-Zertifikaten an der Kursbesserung entsprechend teil. – Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius