Jugendherbergen: Offen – aber auch einladend? – Neue Antworten auf einen ZEIT-Artikel

Auf Polemik folgt Gegenpolemik, und sie drückt sich am schnellsten so aus: Man wirft den Kontrahenten einfach Sachunkenntnis vor.

Ich habe Ihren Artikel über Jugendherbergen mit dem größten Erstaunen und Befremden zur Kenntnis genommen. Denn soviel konzentrierte Nichtkenntnis der Tatsachen und gröbste Verallgemeinerungen sind mir bisher noch selten begegnet. Gerade Ihre offensichtliche Unkenntnis auf dem Gebiet des deutschen Jugendherbergswesens veranlaßte mich zu der Annahme, daß Sie noch nie eine Jugendherberge im Bundesgebiet von innen gesehen haben und die Institution nur vom Hörensagen kennen ...

Für Sie und Ihre intellektuellen Artgenossen sind die Jugendherbergen ebensowenig da wie Sie für die Jugendherbergen. Der Gipfel Ihres Pamphlets ist die mehr als herabsetzende Definition der heutigen Jugendherbergen: Sammelsurium realitätsferner Sektierer. Zur „anderen“ Jugend, die Borchert getreu „draußen vor der Tür“ bleibt, kann ich nur sagen, daß sie von drei Vierteln der Herbergsbesucher auch gar nicht drinnen erwünscht ist (Gerhard Heldt, Warburg).

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„Nicht erwünscht“ bedeutet meist nichts anderes als: „Fort mit ihnen, wir mögen sie nicht sehen!“ Also kein Gespräch, keine Auseinandersetzung, kein Versuch, „die anderen“ vielleicht zu überzeugen? Doch, sagt der Philosophiestudent Hermann Meyer aus Bremen:

Der Teil der Jugend, der wandert, stellt eine gewisse Elite dar, die Elite der Aufgeschlossenen, der Mutigen, der materiell Anspruchslosen, der Duldsamen, der Gesprächsbereiten. Schon um dieser Elite willen, die sich Gott sei Dank aus allen Schichten und Berufen unseres Volkes rekrutiert, müßten die Jugendherbergen erhalten bleiben. Die „Gegenüberstellung mit dem Gros der übrigen Jugend“ findet außerhalb der Wanderzeit das ganze Jahr über statt. Und warum bleibt denn diese „andere Jugend“ „draußen vor der Tür“? Soll sie doch hereintreten in die Herberge. Niemand hindert sie.