Immer wieder steht mancher von uns vor der Frage, wie er einem guten Bekannten aus diesem oder jenem Grunde einen kleinen Dämpfer versetzen, ihm einige Fünklein Hoffnung nehmen, ihm Vorfreuden leicht versauern, ihm wenigstens für einen Tag die Stimmung rauben kann, ohne deswegen gleich als lieblos verschrien zu werden. Da fehlt es einem manchmal zur rechten Zeit am rechten Wort. Vielleicht ist es darum ganz nützlich, wenn ich hier auf einige brauchbare Mittelchen hinweise, die natürlich von Fall zu Fall durch die eigene Phantasie ergänzt werden können.

So läßt sich der durchaus unerfreuliche Anblick von Menschen, die wie das blühende Leben aussehen, etwas mildern, wenn man sie auf das Unnatürliche ihrer roten Farben aufmerksam macht. Auch genügt häufig ein prüfender Blick in das Weiß ihrer Augen, um bei ihnendas Schreckgespenst einer Gelbsucht hervorzurufen. Die Gelbsucht gehört ohnehin zu jenen Krankheiten, bei denen man Menschen, die sie gerade überstanden haben, nicht nachdrücklich genug darauf hinweisen kann, daß manche auch mehrfach von ihr befallen worden sind.

Manchmal ist es gar nicht notwendig, überhaupt etwas zu sagen. Hört man etwa, daß jemand sich einer Operation unterziehen muß und diese, weil der Chef bei einem Kongreß weilt, von seinem Assistenten durchgeführt wird, so genügt schon eine bedenkliche Miene, um den Betroffenen an eine Änderung seines Testaments denken zu lassen, wenn auch vielleicht nicht zugunsten des Gesprächspartners. Um des seltsamen Zufalls willen sollte man es gegebenenfalls auch nicht unterlassen zu erwähnen, daß just in diesem Krankenhaus der eigene Großvater gestorben sei.

Jetzt setzt wieder die große Reisezeit ein. Da bieten sich Möglichkeiten in Hülle und Fülle, andere verdrießlich zu stimmen, wenn man sich nur ein bißchen Mühe gibt.

Der Ausruf „Wer fährt denn noch nach Taormina (Kampen, Mallorca, Catolica)!“ verfehlt selten seine beabsichtigte Wirkung bei Bekannten, die sich, gerade dieses Reiseziel erkoren haben. Während man wiederum bei Männern, die einem freudetrunken ihre Absicht bekunden, zum ersten Male nach Venedig zu reisen (und zwar im Juli mit Ilsebill), in zustimmendem Tone äußern kann: Wirklich! Warum sollte man eigentlich nicht einmal wo hinfahren, wo alle sind und wenn alle da sind. Von Ilsebill sollte sich der junge, verliebte Mann allerdings nicht zuviel versprechen; Klaus, Detlev, Peter und Heino fanden sie auf Reisen immer etwas langweilig. Kannte man hingegen die jetzt siebenundzwanzigjährige Ilsebill, als sie zwanzig war, so könne man sich jetzt erinnerungstrunken an dem Schmelz ihrer Jungmädchenzeit berauschen.

Oft erweist es sich als zweckdienlich, die eigentliche Absicht in den Mantel der Sorge zu kleiden. Bei den Kinderphotos, die von stolzen Eltern herumgereicht werden, sollte man den besorgten Einwurf nicht unterdrücken, die krummen Beinchen würden sich wohl hoffentlich noch anwachsen, oder man tröstet die Eltern, indem man betont, bei Mädchen mache das bißchen Schielen nicht viel aus.

Werden einem neue Wohnungen vorgeführt, zögere man nicht, mit bedenklicher Miene die Wände abzuklopfen, wodurch man den neuen Mietern unmißverständlich klarmacht, daß sie mit dieser Wohnung noch viel Kummer haben werden – und erst recht mit der Wohnhalle: was machen sie mit der im Winter, die ist ja gar nicht zu heizen?!