Auch Adam und Eva wohnten schon! – Aus dieser fundamentalen Erkenntnis resultiert eine ganze Reihe von Büchern, die dem Leser das, was er ohnehin seit dreißig oder mehr Jahren tut, erklären oder korrigieren will.

Wer diese Lebenshilfen zum „richtigen“ Wohnen ernst nimmt, ist entweder der geborene Diktator, oder er bekommt nach dem letzten Satz voller Vorschriften ein schlechtes Gewissen. Deshalb wählen die Autoren gern die Ironie und verpacken ihre Ratschläge in mehr oder minder witzigen Witz. In

Rainer Wolff: „Das alles in der Wohnung“; Piper Verlag, München; 330 S., 17,80 DM

versucht der Autor jenen „heiteren“ Ton durchzuhalten, in dem man Sachbücher jetzt so gern zu haben scheint. Doch läßt sich offenbar über Autos etwa mehr Sachliches sagen als über die Wohnung. Die Differenz zwischen den Wohnfacts und den vorhandenen Seiten des Buches füllt der Autor also mit Kalauern und mit seinen Lebensweisheiten über Hausmeister, Kindererziehung, Gäste, Ehen und Igel, die man nicht überfahren soll.

Wolff versteht viel vom Bauen und von Häusern und vom Wohnungseinrichten und glaubt deshalb, auch alles über das Wohnen zu wissen. Er ist Architekt und von jener leisen Bitterkeit erfüllt, die eine Folge der Unbelehrbarkeit jener Baulustigen ist, die mühevoll modern gebaute Häuser mit Raffgardinen „verschandeln“. In seinem Buch rechnet Wolff mit ihnen allen ab, wiederholt, was er sonst tauben Ohren predigt, und man kann von ihm sehr viel Neues und Nützliches über Matratzen und Türschlösser und Gardinenschienen und Tischhöhen und dergleichen lernen, wenn man die gequälte „Heiterkeit“ des Stils erträgt, die in Sätzen wie in diesen gipfelt: „Der Unterschied zwischen Persern und Persianern ist der gleiche wie zwischen Lagunen und Langusten“; oder: „Normaluhren sind herkömmliche Treffpunkte. Zum Aufstellen in der Wohnung sind sie weniger geeignet“, und wenn man sich an den subjektiven Ratschlägen nicht stört: „Kein Wohnraum ohne Blumen!“ oder: „Kuckucksuhren sind ein wesentlicher Faktor unserer Exportrate nach Amerika. Mehr nicht.“

Wieviel besser dies Thema in der ihm gemäßen optischen Form dargestellt werden kann, zeigt

„Knaurs Wohnbuch“, von Gerd und Ursula Hat je; Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München; 320 S., 540 Abb., 39,50 DM. Vor der üblichen Sammlung schöner, extravaganter, anregender, supermoderner, traditioneller oder origineller Wohnbilder in Farbe und in Schwarz-Weiß, gut gedruckt und gut komponiert, steht eine sachlich formulierte Einleitung. Knapp und distanziert informiert sie über die Vorgeschichte des modernen Wohnens, über Funktionalismus, Werkstoffe, Strukturen, Formelemente, Farbe und ähnliche Grundsatzfragen. Die gleiche angenehm unaufdringliche Sachlichkeit spricht aus den kurzen Texten im Hauptteil des Buches. Es wird vorgestellt, was auf dem Markt ist, aber das Geschmacksurteil bleibt dem Leser überlassen.

Sybil Gräfin Schönfeldt