Unsere Mammutstadien werden für die Zuschaue rmassen gebaut

Von Bodo Harenberg

Des Fußballvolkes Zorn ist mächtig: In Schalke, Pirmasens und Neunkirchen grollt König Zuschauer, weil er für Geld und Gunst so wenig Gegenliebe erntet. Er soll bezahlen und auch schreien, schimpfen, „Schiebung“ rufen, doch während der Endrunde zur deutschen Fußballmeisterschaft darf er’s nicht im Stadion vor der Haustür. Der Deutsche Fußball-Bund hat die Plätze in Schalke, Pirmasens und Neunkirchen für nicht „endrundenreif“ erklärt, weil sie weniger als 40 000 Zuschauer fassen. Also mußten die Klubs und ihre Zuschauer weichen, Schalke nach Essen, Pirmasens nach Ludwigshafen und Neunkirchen nach Saarbrücken.

Die Zeiten, als der DFB am Marterpfahl des Zornes stand, sind längst vorbei. Die Vereine wissen, daß sie in großen Stadien mehr als im engen Heimatrund verdienen. Und schon fordern sie nicht mehr, doch und trotz allem auf eigenem Rasen kicken zu dürfen. Sie haben es sich anders überlegt, sie rufen lieber nach dem Mammutstadion, für 100 000 womöglich. Natürlich jubelt auch der Zuschauer, denn ein Platz für 100 000 sichert ihm die Eintrittskarte selbst bei größtem Ansturm mühelos.

Der Schrei der Hunderttausend

Am schrillsten ist der Schrei nach 100 000 Plätzen im Westen, denn er ist in puncto Mammutstadion am schlimmsten dran. Es bedarf nicht einmal der Endrunde, um Konkurrenz und Korruption im Kampf um Karten auszulösen. Wenn Schalke gegen Dortmund spielt, Köln gegen Oberhausen, die Herner Westfalia gegen Schwarz-Weiß Essen, dann ist kein Platz groß genug. Dann gilt es, Beziehungen zu haben oder Geld. Beziehungen sichern Freibilletts, Geld schafft Möglichkeiten auf dem schwarzen Markt.

Natürlich möchten alle Städte im Westen, Dortmund, Essen, Herne und vor allem Gelsenkirchen mit seiner restlos veralteten „Glück-Auf-Kampfbahn“ ihre Tickets gern en gros verkaufen. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht pro Stadt und Klub vom hohen Rang und von praller Kasse die Rede ist. Dann gibt es Polemiken, es wird gerechnet und manchmal auch geplant.