München,

Die Entscheidung fällt im Mai: Der Bayerische Landtag muß über die Ratifizierung des „Staatsvertrages über die Errichtung einer Anstalt des öffentlichen Rechts Zweites Deutsches Fernsehen“ abstimmen. Am 1. Juli soll ja die Mainzer Anstalt des sogenannten Länder-Fernsehens ihre Produktion aufnehmen. Bayern aber hat als letztes Land dem Staatsvertrag noch nicht zugestimmt. So wird denn die Entscheidung des Bayerischen Landtags nicht nur in München mit Spannung erwartet. Nur drei Parteien haben sich bisher festgelegt: Die Bayernpartei wird gegen, die FDP und die GDP werden für die Ratifizierung stimmen. Aber gerade die größten Fraktionen, CSU und SPD, sind gespalten, weil „die Gründe gegen die Ratifizierung“ überwiegen.

Welcher Art diese „Gründe“ sind, hat bisher niemand klarer als der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Christian Wallenreiter, ausgedrückt: „Kann es im Interesse der bayerischen Regierung, des Parlaments, der bayerischen Wirtschaft und Kultur liegen, daß das Zweite Programm außerhalb Bayerns gemacht wird und die bayerischen Interessen dort mit Sicherheit in noch geringerem Umfang berücksichtigt werden?“ So heißt es in einer seiner Kampfschriften. Sein Gegenvorschlag läuft darauf hinaus, daß der Bayerische Rundfunk ein eigenes Zweites Fernsehprogramm zu entwickeln habe. Das in München verfügbare Reservoir an Künstlern und Publizisten könne dabei so eingesetzt werden, wie es dem Niveau eines Senders vom Range der Münchener Anstalt entspreche.

Nun hat man vom neuen Intendanten der Mainzer Anstalt, Professor Holzamer‚ in den letzten Tagen gehört, daß er ein „volkstümliches“ Programm auszustrahlen beabsichtige. „Wir wollen Niveau!“ so sagen statt dessen die Münchener. Und in der Tat sind Kultur und Tradition in München zu Hause. Aber ganz abgesehen davon, daß es der Mainzer Anstalt doch gelingen könnte, geistiges Potential von München abzuziehen, gibt es noch die Frage: „Und das Geld?“

Hier hat Intendant Wallenreiter folgende Rechnung aufgemacht: Bis 1971 kann der Bayerische Rundfunk auf eine Zunahme der Hörfunkteilnehmer von gegenwärtig zweieinhalb Millionen auf fast drei Millionen rechnen. Er kann also eine Steigerung seiner Hörfunkeinnahmen von augenblicklich jährlich 61 Millionen auf 64 bis 68 Millionen Mark erwarten. Für das Fernsehen errechnete Wallenreiter bis 1971 etwa zwei Millionen Teilnehmer (jetzt 700 000), so daß die Gesamteinnahmen seines Senders in den nächsten Jahren auf 170 Millionen Mark klettern würden.

Augenblicklich verfügt der Bayerische Rundfunk über einen Jahresetat von 98 Millionen Mark. 36 Millionen stammen aus Fernsehgebühren. Da die Mainzer Anstalt von jedem Sender 30 Prozent der Fernseheinnahmen erhalten soll, träfe auf den Bayerischen Rundfunk ein Anteil von zunächst elf Millionen Mark, der sich mit der Zunahme der Fernsehteilnehmer noch steigern würde.

Dieses Geld möchte Intendant Wallenreiter gern für ein eigenes Zweites Programm behalten, wobei er natürlich weiß, daß es nie ausreichen würde. Er selber hat für solch ein eigenständiges Programm zunächst 23 Millionen Mark allein an Produktionskosten errechnet.