Von Joachim Lampe

Mit dem, was Siegfried Lenz über Ernst Jünger geschrieben und vor allem, wie er über ihn geschrieben hat, werden nur wenige von uns Jüngeren nicht einverstanden sein. Dem braucht man nichts hinzuzufügen. Ich möchte nun auf einen ähnlichen „Fall“ aufmerksam machen: Oswald Spengler, der 1933 über die Machtergreifung Hitlers schrieb: „Niemand konnte die nationale Umwälzung dieses Jahres mehr herbeisehnen als ich. Ich habe die schmutzige Revolution von 1918 vom ersten Tage an gehaßt.“

Was bei Spengler auffällt, ist die Ähnlichkeit im Denken mit Ernst Jünger. Hier wie dort ist es dieselbe antiliberale und antidemokratische Haltung, dieselbe Hochschätzung der autoritativen Mächte und des Führerprinzips, dieselbe Herrenmoral, die „einem im Blute liegen muß“, und derselbe Typus des Denkens.

Spengler sieht „kosmische Mächte“ in der Geschichte wirken, sieht den Cäsarismus, die Diktatur auf das deutsche Volk zukommen, hält sich aber nicht für verantwortlich, etwas dagegen zu tun; er bejaht den Cäsarismus, weil dieser zwangsläufig kommen muß.

Auf solche Art zu denken eine Antwort finden, das heißt Vergangenheit bewältigen wollen. Meine Antwort: Der Mensch, nicht der Kosmos, kann schuldig werden. Wir müssen lernen, uns für alles, was geschieht, verantwortlich zu fühlen. Die Ausrede, wir seien nicht zuständig, weil wir es nicht ändern könnten, gilt nicht.