Es ist sehr schwer, ernsthaft über das Obszöne zu reden. Die Leute haben zu viel Angst – entweder, schockiert zu erscheinen, oder, nicht schockiert zu erscheinen. George Orruell

Das polnische Wunder

Eine soziologische Statistik, mit Hilfe von Fragebögen erarbeitet, brachte von polnischen Studenten auch die folgende Auskunft: 39,2 (26,8) Prozent glauben, künftige Historiker werden die Epoche 1945/55 in der polnischen Geschichte überwiegend positiv beurteilen; „eher negativ“ sagen hingegen 42,6 (72,5) Prozent. Interessant werden diese Zahlen durch die, die in Klammern stehen: so sahen die Verhältnisse bei der gleichen Frage drei Jahre zuvor aus! Ein winziges, dafür aber greifbares Detail demonstriert eine staunenerregende Entwicklung, über die sehr lange nachzudenken sich lohnt.

So gehen sie dahin

Nun hat auch die im Kurt Desch Verlag, München, erschienene Zeitschrift „Die Kultur“ ihr Erscheinen eingestellt. Gelegentliche Euphorien konnten nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieses von Hans Dollinger unauffällig exzellent geleitete Blatt an den Begleiterscheinungen der Subventionitis kränkelte. Auf Seite 1 der Nummer 174, 10. Jahrgang, vom April 1962 lesen wir, in einem Kasten: „Mit dieser Nummer stellt DIE KULTUR ihr Erscheinen ein.“ Auf Seite 16 der gleichen Nummer lesen wir, in einem Vorspruch: „International bekannte ... Schriftsteller ... schreiben laufend für diese Seite Diskussionsbeiträge von exemplarischer Bedeutung ...“ Journalisten müssen Optimisten sein!

Forschungs-Luxus

„Forschung ist kein Luxus, den sich nur ein reiches Land und eine blühende Wirtschaft leisten können“, erklärte Bundespräsident Lübke in einem Grußwort an die Wiesbadener Jahresversammlung des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft. Aber ein reiches Land mit blühender Wirtschaft kann sie sich doch hoffentlich auch leisten!