SÜDDEUTSCHER RUNDFUNK

2. Mai, das Hörspiel:

Giles Cooper zählt heute zu den besten englischen Hörspielautoren. Gerade deswegen aber ist „Der Blindgänger“ eine arge Enttäuschung.

Ein junges Ehepaar mit altem Onkel und verzogenem Sohn fährt zu einer Urlaubsblockhütte an der englischen Küste. Die ständige und störende Gegenwart des alten Herren trübt etwas das Eheglück. Im übrigen verstehen die beiden Ehegatten sich recht gut.

Eines Tages entdeckt der Alte mit seinem kleinen Neffen ein bislang von Wanderdünen versteckt gewesenes Minenfeld. In einem Anfall von Verrücktheit gräbt er mit dem kriegsbegeisterten Abc-Schützen nachts gefährliches Zeug aus und verscharrt es „zur Verteidigung“ rings um den Bungalow. Der Alte bekommt dann sogleich einen Schlaganfall – und der Junge hat den Ausweg vergessen.

Entsprechend oft benutzter Schablone folgt nunmehr „die Stunde der Wahrheit“. Mann und Frau schreien sich in Gegenwart des Kleinen schlimme Gemeinheiten zu. Lebensmüdes Fliehen voreinander durch das Minenfeld – es gibt aber kein weiteres Unglück. In den Dünen trifft man sich wieder, und das Leben geht weiter.

Cooper verwendet ganze 55 Minuten für die Schilderung eines ereignislosen Urlaubseinerleis – aber die Exposition ist nicht brauchbar. Was nämlich in den restlichen 20 Minuten, deretwegen das Hörspiel offenbar geschrieben wurde, schnell noch geschieht, ist der Inhalt eines Reißers und hat keine psychologische Begründung in der überlangen Einleitung. Verdutzt meint man, es plötzlich mit Unbekannten zu tun zu haben. So kommt es, daß die groben Unwahrscheinlichkeiten die guten Absichten des Stücks zerstören. H. K.