Zum ersten, zum zweiten und zum dritten – bei der Nominierung des Spitzenkandidaten der SPD für die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen ging es, betrachtet man die jüngsten Vorgänge in Düsseldorf, tatsächlich wie auf einer Auktion zu. Schadenfrohe Zuschauer gar mochten auch an ein Jahrmarktstreiben denken, wo die Ausrufer ihre Kundschaft mit dem Slogan anlocken: "Wer will noch mal, wer hat noch nicht?"

Erst hieß es, der Landtags-Fraktionschef Fritz Kassmann sei Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, dann wurde hinter seinem Rücken entschieden: Der Bundestagsabgeordnete Fritz Steinhoff ist der erste Mann auf der Liste. Schließlich blieb der Bonner Politiker Heinz Kühn übrig. Unerfreulicher und auch beschämender konnten die Querelen nicht sein, die da zwischen den Kulissen der SPD-Führung ausgefochten wurden.

In acht Wochen wird im Land zwischen Rhein, Ruhr und Lippe gewählt. Nach dem, was sie in ihrem eigenen Haus an Schaden angerichtet haben, können es sich die Sozialdemokraten nun an den fünf Fingern abzählen, welche Chance ihnen noch bleibt, die Mehrheit der CDU zu brechen. Da nützen ihnen auch die bestellten Umfragen über die beliebtesten Politiker nur wenig: Meyers und Dufhues werden wieder das Rennen machen, nicht aber die Partei Steinhoffs, der nach dem inzwischen überholten Meinungstest noch mit an der Spitze lag.

Seine politische Karriere, die Laufbahn eines altgedienten, tadelsfreien Parteimannes, fand am letzten Wochenende ihren abrupten Abschluß. Denn Steinhoff, der sich als Kommunalpolitiker und Ministerpräsident einen Namen gemacht hatte, der als Abgeordneter im neuen Bundestag allerdings immer mehr in Vergessenheit geriet, ist bei seinem Versuch, in Düsseldorf wieder Fuß zu fassen, kläglich gescheitert. Nachdem der SPD-Landesausschuß, voran die selbstherrlich waltenden Vorsitzenden der vier Parteibezirke, dem bereits gewählten Außenseiter Kassmann den Laufpaß gegeben und Steinhoff in den Sattel gehoben hatten, ließ er sich nun auch auf der Delegiertenkonferenz ein weiteres Mal von ihnen breitschlagen, zu kandidieren. Er tat es, obwohl er wußte, daß ihm das "Fußvolk" der Partei seine zwielichtige Rolle in dem Intrigenspiel gegen Kaßmann übelgenommen hatte, obwohl er kurz vor der Abstimmung noch ausscheren wollte. Die Quittung für seinen Mangel an Standfestigkeit fiel denn beim ersten Wahlgang auch recht eindeutig aus: 88 Stimmen für Steinhoff, aber 99 Stimmen für seinen Rivalen Kassmann.

Inzwischen hatte jedoch der höchst empfindsame, nicht zur harten politischen Auseinandersetzung aufgelegte Fraktionsführer Kassmann die Nerven verloren. Er fühlte sich erneut von den "Apparatschiks" in den Provinzzentralen hintergangen und verzichtete endgültig auf seine Kandidatur. Auch seinen Dortmunder Wahlkreis gab er zurück.

Nun steht weder er noch sein Nebenbuhler Steinhoff auf der Landesliste der Sozialdemokraten. Für den einen, der seine Niederlage selbst verschuldete, wie für den anderen, der sich an die Wand spielen ließ, bleibt die Tür zur Landespolitik verschlossen. Steinhoff wird nach Bonn zurückkehren, mit einem schlechten Gewissen und ohne jede Hoffnung, im Bundestag und in seiner Fraktion doch noch ein gewichtiges Wort mitreden zu können. Kassmann wird nach der Wahl am 8. Juli seinen Platz als Fraktionschef verlassen und wahrscheinlich den Posten eines Generaldirektors in der Industrie übernehmen.

Und Heinz Kühn, der "Verlegenheitskandidat" und Lückenbüßer – kann er, nach dem Düsseldorfer Fiasko, jenen Auftrag ausführen, den noch vor kurzem Fritz Steinhoff so zuversichtlich seiner Partei für die Landtagswahl gab: ein Aktionsprogramm zu entwerfen, eine "klare Alternative zur derzeitigen Regierungspolitik" anzubieten, die SPD als "stärkste Partei" in den Landtag einzuführen?