Von Hermann Loeb

Der deutsche Generalbundesanwalt, der seine Ferien zu kunstgeschichtlichen Studien nutzt, soll auf die Frage, ob er auch Spanien schon besucht habe, geantwortet haben: „Freiwillig gehe ich nicht in ein Land, das diktatorisch regiert wird.“

Vom 6. bis 12. Mai hält die „Internationale Verleger-Union“, wie sie sich heute nennt, einen Kongreß in Barcelona ab: „Sous le haut patronage de S.E. D. Francisco Franco Bahamonde, Chef de l’Etat Espagnol“.

Wenn der Kongreß tanzt, sind es 25 Jahre her, daß Guernica – heiliger Ort der spanischen Basken – als erste offene Stadt durch die „Legion Condor“ bombardiert und völlig zerstört wurde. Bevölkerungszahl: 4600, Zahl der (zivilen) Opfer: 2000. Noch im gleichen Jahr (1937) entstand Picassos weltberühmtes Wandbild „Guernica“. Pablo Casals hat Spanien nach dem Bürgerkrieg (1936-1939) verlassen und es seitdem nie mehr betreten. Aber das Franco-Regime blieb dem Lande bis heute erhalten.

Im Jahre 1895 hatte der „Cercle de la Ukraine“ in Paris den Gedanken gefaßt, internationale Verlegerkongresse zu veranstalten; deren Aufgabe sollte sein, „Fragen des Berufs und des literarischen und künstlerischen Eigentums zu behandeln“. Zugelassen als Teilnehmer waren die Verleger von Büchern, Musikalien, Drucken und periodischen Publikationen aus allen Ländern, außerdem Delegierte von buchhändlerischen Vereinigungen jeglicher Nationalität.

Bis zum Ersten Weltkrieg wurden acht solche Kongresse abgehalten: Paris (1896), Brüssel, London, Leipzig, Mailand, Madrid, Amsterdam und Budapest (1913).

Nach dem Kriege begann man in gleicher Reihenfolge: Paris 1931, Brüssel 1933, London 1936 – und schließlich zwölfter Kongreß: Leipzig, 19. bis 24. Juni 1938, „sous le haut patronage du Dr. Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Präsident der Reichskulturkammer“.